Apple schiebt Kinderporno-Scan (CSAM) auf

Nach heftiger Kritik von allen Seiten rudert Apple gegenwärtig zurück und schiebt den Scan nach CSAM auf. Die Betonung liegt auf einer Verschiebung, die Funktion ist nicht gänzlich gestrichen.

Die Ursache für die Verschiebung dürfte offenkundig sein. Der Aufschrei war für Apple zu heftig. Um die Reichweite alleine im deutschen Sprachraum zu sehen, muss man einfach nur schauen, wer jetzt alles über die Verschiebung der Funktion berichtete. Nicht nur die üblichen Tech-Blogs, Heise und Golem. Nein, auch reichweitenstarke Seiten wie ZEIT ONLINE, SPIEGEL und FAZ berichteten. Die Liste ist nicht abschließend, sondern soll nur einen Eindruck vermitteln.

Wirklich jeder, der nicht unter irgendeinem Stein wohnt, hat von der geplanten Funktion mitbekommen und die Berichterstattung war durchweg negativ. Im Gegensatz zu Google, die schlechte Presse nicht mit funktionalen Änderungen, sondern mit Werbeoffensiven kontern, kann sich Apple das scheinbar nicht leisten. Zu sehr hat man im Marketing in den letzten Jahren auf die Karten Datenschutz und Privatsphäre gesetzt.

Trotzdem ist jetzt mit der Ankündigung die Funktion zu verschieben nicht alles gut. Der Sündenfall ist meiner Meinung nach passiert, unabhängig davon, ob die Funktion nun kommt oder nicht. Ein Unternehmen, das so eine Funktion bis zum Roll-out bringt, ohne das irgendjemand das stoppt, hat kein Vertrauen mehr verdient. Privatsphäre und Datenschutz sind ganz offenkundig nicht in der Firmenkultur verankert, ansonsten könnte das nicht passieren.

Zudem ist die Funktion nach einigen Berichten bereits in iOS 14 verankert und müsste nur noch aktiviert werden. Das wird sicher irgendwann still und heimlich erfolgen. Apple weiß nun, dass mediale Aufmerksamkeit für diese Funktion nicht gut sind. Es ist ja nur verschoben und nicht gestrichen.

1 Kommentar

  1. Könnt Ihr Euch noch erinnern? Angefangen hatte es mal mit „Windows telefoniert nach Hause“. Im Vergleich zu den heutigen Trackern und anderen Spähprogrammen war das damals geradezu niedlich, aber der Aufschrei war genauso gewaltig wie jetzt.
    Zitat: „Ein Unternehmen, das so eine Funktion bis zum Roll-out bringt, ohne das irgendjemand das stoppt…“
    Und was ist nun der Unterschied zwischen Apple und dem Staatstrojaner? Wissen wir eigentlich, was jetzt schon so alles kontrolliert wird?

Kommentarfunktion ist geschlossen.

Mehr aus dem Blog

Firmware Updates (BIOS) mit fwupd

Mein privates Hauptgerät ist schon länger ein HP EliteBook G7. Firmware-Updates für einzelne Hardwarekomponenten gab es schon länger via fwupd, aber nun geht darüber...

Boxcryptor von Dropbox übernommen

Ein bisschen untergegangen ist bei mir und vielen anderen vermutlich die Meldung, dass Dropbox von der Secomba GmbH deren Produkt Boxcryptor erworben hat. Das...

Firmen benötigen kein „zweites Leben“ mit Linux

Heise bringt mal wieder eine Serie zum Umstieg auf Linux. Dieses mal für Unternehmen im Angesicht der Windows 11-Migration. Das geht völlig am Thema...

Warum man „Face unlock“ mit einem Google Pixel 7 nicht nutzen sollte

Biometrische Entschlüsselung ist ein Thema für sich. Selbst wenn man dem nicht gänzlich ablehnend gegenüber steht, sollte man nicht leichtfertig jede Lösung nutzen. Gesichtserkennung...