Apple warnt NSO Opfer – Es hilft nur Transparenz

Apple hat mal wieder etwas richtig gemacht und die Opfer von Schadsoftware der NSO Group dezidiert gewarnt. Zudem verklagt Apple die NSO Group. Ein Meilenstein mit Folgen?

Apple hat seine Vorgehensweise geändert, wenn dem Konzern bekannt wird, dass seine Kunden Opfer staatlicher Spionage geworden sind. Das ist eine direkte Reaktion auf die Pegasus-Affäre rund um die israelische Firma NSO. So hat man begonnen die Opfer staatlicher Spionage-Maßnahmen von der Überwachung in Kenntnis zu setzen. Damit verfolgt man den Ansatz weiter, Tracking und Spionage mit radikaler Transparenz zu bekämpfen. Eine Klage gegen NSO kann man quasi als Abrundung der Maßnahmen lesen.

Da es sich bei Pegasus um eine Software handelt, um Einzelpersonen gezielt anzugreifen und nicht um eine Massenüberwachungsmaßnahme, ist die Zahl der betroffenen Individuen begrenzt. Allerdings haben die Meldungen von Apple durchaus das Potenzial, NSO weiter unter Druck zu setzen. Vergangene Woche kam so z. B. heraus, dass mehrere Mitarbeiter des US-Außenministeriums mittels der NSO-Überwachungslösung ausspioniert worden waren. Die betroffenen Mitarbeiter waren von Apple über den Angriff in Kenntnis gesetzt worden. Ob den USA diese Angriffe bereits vorher anderweitig bekannt waren, ist unklar.

Klar ist allerdings, dass die USA anders als Deutschland NSO ins Visier genommen haben. In Israel wird man deshalb unruhig, immerhin geht es um den mit Abstand wichtigsten Verbündeten. Anders kann man die neuen israelischen Exportbeschränkungen für Cybertechnik eigentlich nicht deuten. Den wichtigsten Verbündeten derart zu verprellen zeugt auch von seltener Dummheit oder absoluter Ignoranz.

Die Affäre um NSO bietet insgesamt eine große Chance, solche Cybertechnik stärker zu beschränken. Niemand – nicht einmal die Geheimdienste der westlichen Welt – haben ein Interesse daran, dass jede drittklassige Westentaschendiktatur leistungsfähige Spionagesoftware mieten kann und damit andere Mächte ausspioniert. Das mag scheinheilig sein, aber dürfte trotzdem insgesamt für die Sicherheitslage des Einzelnen positiv sein. Rechtsstaaten neigen halt nicht so sehr dazu, Menschenrechtsaktivisten zu verfolgen. NSO ist hier vielleicht jenen einen Schritt zu weit gegangen, der nun zu Regulierung führt. Mal sehen ob und wann es Deutschland trifft. Nicht jede Überwachungstechnik kommt aus Israel.

Apples Schritt, die Opfer gezielt zu informieren, dürfte hoffentlich Schule machen. Berichten zufolge waren manche Opfer völlig überrascht, dass sie zu den Opfern der NSO-Software gehörten. Überwachung und dubiose Firmen auf diese Art ins den Fokus der Öffentlichkeit und somit gewissermaßen aus dem Schatten ins Licht zu zerren, dürfte hier den Druck noch mal deutlich erhöhen.

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