Paretoprinzip für wirksamen Datenschutz

Viel hilft viel und nur wer etwas zu 100 % macht, hat die Chance, etwas zu erreichen? Das ist alles Quatsch, weil man mit viel weniger Einsatz genug erreicht.

Jeder, der mal ein Studium mit Management-Anteil oder eine Fortbildung für Führungskräfte absolvieren durfte, kennt vermutlich das Paretoprinzip. Es gehört zu jenen semi-wissenschaftlichen Werkzeugen im BWL-Baukasten, die jeder Manager kennt und viele benutzen. Obwohl sie meistens nicht sonderlich fundiert sind und oft nicht mehr als eine Ansammlung von Binsenweisheiten darstellen, funktionieren sie im Alltag ganz gut.

Das Paretoprinzip besagt stark simplifiziert, dass man mit 20 % der Arbeitsleistung 80 % des Ertrages erzielt, aber für die letzten 20 % wiederum 80 % der Leistung bringen muss. Im Umkehrschluss überlegt sich jede Führungskraft deshalb gut, ob die letzten 20 % wirklich benötigt werden. Das Ganze kombiniert man dann noch mit kluger Personalführung, indem man die erwarteten 80 % für 100 % verkauft, aber das führt jetzt hier zu weit.

Mir ist bei diesem Artikel aufgefallen, dass ich das Paretoprinzip zwar meist im Hinterkopf habe, aber noch nie darüber geschrieben habe. Deshalb eine kurze Darlegung am Beispiel des persönlichen Privatsphäre- bzw. Datenschutz und quasi als Ergänzung zum verlinkten Artikel.

Ausgehend von dem dort skizzierten Normalnutzer – zur Erinnerung: Windows + Stock-Android + massig schlechte Dienste – kann man bereits mit wenigen Maßnahmen viel Effekt erzeugen. Konten bei Anbietern schließen, die man eh nicht mehr nutzt, z. B. indem man das Facebook-Profil löscht, das man eh nicht mehr pflegt. Einen sinnvollen PIN für das Android-Smartphone vergeben und die Geräteverschlüsselung nutzen. Fotos nicht mehr über die Dropbox übertragen, sondern indem man das Smartphone an den PC anschließt. Die Kontakte nicht mehr ins Google-Konto synchronisieren, weil man das sowieso nirgendwohin abgleicht. Solche Maßnahmen haben viel Effekt und bedeuten lediglich kleine Umstellungen der Gewohnheiten.

Bei vielen Menschen haben solche verhältnismäßig einfach umzusetzenden Maßnahmen bereits viel Effekt. Wo man die Grenze der 20/80-Regel zieht, ist natürlich keine präzise Wissenschaft. Ein neues E-Mail-Konto kann so je nach Definition noch dazu gehören oder eben nicht mehr. Das hängt natürlich auch von den Vorkenntnissen des Einzelnen ab. Was bei manchen noch wenig Aufwand bedeutet, würde bei anderen Wochen an Arbeitszeit verschlingen.

Bei jedem Menschen ist aber irgendwann der Punkt erreicht, an dem jede weitere Maßnahme exorbitanten Aufwand verlangt und der Ertrag massiv schrumpft. Etwa wenn Hardware im großen Stil ausgewechselt werden muss, Gewohnheiten massiv verändert werden müssen oder gar Verzicht unvermeidbar wird.

In Deutschland gibt es ja die Kultur der Selbstkasteiung. Nur wer leidet und seinen Verzicht möglichst laut in die Welt schreit, der tut wirklich etwas. Das kann man beim großen Megathema der Gegenwart – dem Klimawandel – schön beobachten. Genau das Prinzip kann der öffentlichen Selbstkasteiung man auch im Datenschutz sehen. Nur wer hier wirklich verzichtet, sein Leben ändert, jedem ungefragt erzählt, er könne dies und jenes nicht, wegen Datenschutz und so, nur der tut etwas.

Das ist Quatsch!

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