Aktuell wird eine Vergleichsstudie von iOS und Android, die aktuell als Preprint bei arXiv vorliegt, durch die Datenschutz-Community getrieben. Dabei fallen alle auf das Marketing der Wissenschaftler rein und übersehen den eigentlichen Punkt.

Das Fazit der Studie kann man gleich vorwegnehmen: Es gibt keinen klaren Gewinner und Apps auf beiden Plattformen sind mit Trackern gepflastert.

Soweit so bekannt und somit auch unspektakulär. Weil sich für das Ergebnis einer solchen Studie keine Katze hinterm Ofen hervorlocken würde, hat man es mit dem reißerischen Titel „Are iPhones Really Better for Privacy?“ versehen. So funktioniert Wissenschaft halt heute und das ist auch in Ordnung. Blöd nur, wenn viele das nicht erkennen und prompt fallen die üblichen Verdächtigen in der allgemeinen Erregungskultur des Netzes auf den Ansatz rein und teilen das Paper. Endlich haben sie den Beweis, dass ihr präferiertes Android doch besser als das blöde Apple-Zeug ist.

Dabei handelt es sich im Studientitel um ein klassisches Pappkameraden-Argument. Denn es hat meines Wissens noch nie irgendjemand behauptet, dass das App-Ökosystem von iOS Privatsphären-freundlicher als jenes von Google Play wäre. Wieso sollte es das auch sein. Oftmals bieten dieselben Anbieter ihre Apps für iOS und Android an. Warum sollten sie nur auf einer Plattform Nutzerdaten erheben? Es ist schön, dass sich eine Studie dies mal genauer angesehen hat, aber bahnbrechend ist die Erkenntnis wahrlich nicht.

Im direkten Vergleich von Android und iOS geht es normalerweise um das Betriebssystem, also die Basis für die Apps. Man kann schließlich noch so Privatsphären-freundliche Apps nutzen, ohne etwas zu gewinnen, wenn das Betriebssystem massiv Telemetriedaten erhebt und überträgt. Hier wird die Sicherheit von iOS bzw. iPhones im Vergleich zu Android als höher eingeschätzt und dass die vorinstallierten Apple-Apps weniger Daten übertragen und in der Breite somit ein besseres Datenschutz-Niveau bieten. Was übrigens auch ein kritischer Blick kürzlich am Beispiel von Safari bestätigte.

Absolut den Vogel schießt mal wieder Golem ab. Custom ROMs sind ja schön und gut, aber spielen in der Praxis keine Rolle. Ich kann meinen dicken Diesel-SUV auch von Eseln ziehen lassen, trotzdem würde man ihn nicht als emissionsfreies Auto klassifizieren, weil das praktisch nur sehr selten vorkommt. Custom ROMs sind gemessen am Gesamtmarkt nur im Promille-Bereich vertreten. Besonders sichere ROMs wie GrapheneOS oder CalyxOS überhaupt nicht mehr messbar. Custom ROMs sind kein Argument für gar nichts.

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

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