Der Kauf proprietärer Software nur für eine Lizenz ist meist ein schlechtes Geschäft. Lange Jahre der Gewöhnung an schlechten Service bei Microsoft & Co haben fast vergessen lassen, dass es zusätzlich zum Recht, ein Programm zu nutzen, auch noch guten Support geben kann.

Ich verwende SoftMaker Office meistens mit freien ODT-Formaten. Die hauseigenen SoftMaker-Formate entfallen für mich, weil ich Vendor-Lock-in so gut es geht vermeide und für den Hausgebrauch nehme ich dann lieber ODT als DOCX. Die ODT-Unterstützung bei SoftMaker ist noch relativ jung und so bin ich vor einigen Wochen in einen Fehler rein gelaufen. Bei einer Konvertierung nach DOCX trat der Fehler nicht auf, aber ich hatte keine Lust auf einen Workaround und wollte ODT nutzen.

Der Fehler war ziemlich einfach und ziemlich nervig: In einem sehr langen Textdokument (~350 Seiten) konnte ich an einer Stelle eine kursive Formatierung im Fließtext einfach nicht speichern. Nach jedem Schließen und wieder Öffnen des Dokuments sprang es zurück auf die Standardschrift und -größe.

Also schrieb ich an den Support. Nach einigen Tagen kam die Bitte um ein Beispieldokument, was ich zusandte. Der Support bestätigte mir die Reproduzierbarkeit des Problems und die interne Weiterleitung an den technischen Support. Üblicherweise enden ja solche Dialoge genau an diesem Punkt. Nicht aber bei SoftMaker. Nur 6 Tage später erhielt ich einen Hotfix per Mail und die Information, dass die Fehlerbehebung Teil des nächsten Service Packs sein würde.

Ein solch guter Support als Inklusivleistung für eine Lizenz, die mich gerade mal 99,95€ gekostet hat und in der die sehr gute Software ja auch schon enthalten war, ist einfach phänomenal.

Da kann freie Software einfach nicht mithalten. Spenden für LibreOffice bringen mir ja keine Supportvorteile und die Bezahlvarianten von Collabora richten sich an Unternehmen. Die Pseudo-Angebote für macOS im App Store sind ebenso nur versteckte Spenden. Ob ich damit also die Arbeit an der Qualität der Software, das nächste coole Feature, das die Welt nicht braucht oder eine Entwicklerkonferenz finanziere, darauf habe ich keinen Einfluss.

Solche Sachen zeigen mir immer wieder, dass es eine gute Entscheidung war, die Bughölle LibreOffice hinter sich zu lassen. Ich kann jedem, der halbwegs ernsthaft mit Office-Produkten arbeiten muss, den Wechsel auf SoftMaker nur empfehlen. Für mich war das ein Quantensprung was die Alltagstauglichkeit von Linux angeht.

Ich glaube inzwischen eher an eine Zukunft von OnlyOffice auf dem Linux-Desktop als daran, dass LibreOffice nochmal aus der Sackgasse findet, in die TDF und Collabora mit ihren widerstreitenden Interessen die Software gefahren haben.

Gerrit
Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

15 Ergänzungen

  1. Diese positive Erfahrung habe ich auch gemacht. Wenn im Forum nicht möglich, dann per Mail. Schnell und unkompliziert.

    • Ich hab die Testversion installiert. Sieht gut aus die Software. Gutes Dark Theme. Leider wird Webservice (also abgreichfen einer online quelle, in meinem fall json) nicht unterstützt. Leider muss ich vorerst passen.
      Btw hab auch die beta der Android App installiert. Wer auf einem handy oder Tablet mit Android arbeiten will sollte sich das mal ansehen!

  2. Ich habe die Testversion schon vor längerer Zeit ausprobiert. Meines Erachtens konzentriert sich Softmaker allerdings auf die Formate von Microsoft. Bisher wurde keines meiner in LibreOffice erstellten Dokumente in Softmaker korrekt dargestellt. Wenn das mal der Fall ist, ziehe ich einen Wechsel in Erwägung, denn LibreOffice ist leider eine Software mit so vielen Altlasten, dass es manchmal echt nervt.

    • Das mag sein. Wie ich oben schrieb, ist der ODT-Support relativ neu. Ich kann mir also gut vorstellen, dass das vor 2-3 Jahren noch eher mau aussah. Heute kann ich keine Probleme bestätigen. Allerdings habe ich bisher auch nur Textdokumente geöffnet und nichts mit vielen Bildern oder so.

  3. > Da kann freie Software einfach nicht mithalten.

    Womit jetzt? Das nach einigen Tagen eine Antwort auf deine Fehlermeldung kommt und es dann einen Hotfix plus Einbettung in das nächste Release gibt? Da würde ich mal dezent widersprechen. Genau diese Erfahrung hab ich häufig bei Bugreports an Projekte mit freier Software gemacht. Zum Teil waren die Antwort- und Fix-Zeiten auch deutlich kürzer als hier geschildert.

    Natürlich hab ich auch genug Gegenbeispiele gesammelt, gerade bei den größeren Projekten mit schlecht bedienbaren überlaufenden Bugtrackern läuft das gerne mies. Da du aber selber den schlechten Service von Microsoft & Co bemängelst, würde ich mal schließen, dir ist Negativ-Erfahrung mit dem Support auch bei proprietärer Software nicht fremd.

    Es ist schön, wenn eine Firma wie Softmaker schnell und ordentlich auf Fehlermeldungen reagiert und zu einem begeisterten Beitrag von dir führt. Daraus aber eine generelle Aussage abzuleiten, aus der hervorgeht, bei freier Software gibt es so etwas nicht, ist ein Trugschluss.

    • Ich vergleiche natürlich mit LibreOffice. Womit auch sonst? Ich finde das fair, sowohl was die Projektgrößte betrifft als auch einfach weil es Office vs. Office ist.

  4. Diese Erfahrung mit dem Softmaker-Support kann ich nur teilen. Per Zufall habe ich zweimal lästige Bugs entdeckt, die reproduziert werden konnten. Einer hatte mit html-Links zu tun, der andere mit nicht druckbaren PDFs, was für mich ein Riesenproblem war. Nach nettem Kontakt und einigen Tagen später gab es ein Update und alles lief perfekt.

  5. Hallo Gerrit,
    was machst Du denn mit einem Officepaket unter Linux? Sicher keine Makros schreiben, denn das kannst Du mit Softmaker-Office nicht. Das funktioniert mit der „Bughölle“ bei mir tadellos. Seit 2007. Damals noch unter ihrer Vorgängerin.
    Viele Grüße, Der Andi

  6. Die positive Erfahrungen kann ich auch nur bestätigen, auch das Softmaker ein echter Zugewinn ist. Leider fehlt in der Mac- und Linuxversion immer noch der Formeleditor, welchen ich wiederum häufig benötige und daher Formeln erst umständlich über Xournal++ eingeben und anschließend in Textmaker einfügen muss. Hoffe sehr, dass hier bald nachgeholt wird.

  7. Darf mich den positiven Erfahrungen anschließen. Ich hatte mir Softmaker Office Professional 2018 Mitte April 2020 gekauft. Anfang Juni 2020 kam die Version 2021 heraus. Kurz darauf habe ich unaufgefordert einen Key für die 2021-Version von Softmaker bekommen. Ohne weitere Kosten. Fand ich richtig toll und sehr vorbildlich.

  8. Auch wenn viele dasselbe geschrieben haben: Auch ich arbeite sehr gerne mit SoftMaker. Begonnen habe ich damit noch in meiner Windowszeit, als ich versuchte, mit Word eine Broschüre mit viel Layout-Schicki-Micki zu schreiben. Das lief nie stabil; immer sahen die Seiten anders aus. Irgendwer gab mir den Tipp mit Textmaker. Damit klappte dann alles und seitdem bin ich dabei. Und kann es nur jedem weiter empfehlen. Es hat alle meine Abenteuer von Suse über Ubuntu, Debian und nun zu Manjaro mitgemacht.

  9. Hallo,

    ich verwende die „Bughölle“ samt Vorgänger seit 2008. Für meine Zwecke (und die von 90 % aller Anwender) reicht’s völlig. Seit 3, 4 Jahren bin ich vollends begeistert, denn Bug ist mir seitdem keiner mehr aufgefallen.

    Fehler beim Konvertieren fremder Formate sind normal. Die gibt’s in jeder Software. Von M$ rede ich jetzt gar nicht; noch vor 10 Jahren konnte MS Office nicht mal seine eigenen Formate fehlerfrei darstellen (in machen Fällen). 🙂 Im Übrigen funktioniert das Konvertieren meist deshalb nicht, weil vor Allem mit älteren MS-Office-Versionen abgespeicherte Dokumenten in sich fehlerhaft sind, nur kann MS Office mit seinen eigenen Fehlern besser umgehen. Man sieht diese Fehler z.B., wenn man in PDF oder HTML konvertiert, da kommt z.T. Horrormäßiges raus.

    Eine Freundin von mir hat sogar beim Verwenden der „Bughölle“ vergessen, das standardmäßige Speichern auf MS-Office-Formate umzustellen. Keiner hat’s gemerkt, denn MS Office kann seit Version 2013 ODT-Format lesen und schreiben. 🙂

    Also „Bughölle“ sieht für mich anders aus…

    Liebe Grüße,
    Gerald

    • „Fehler beim Konvertieren fremder Formate sind normal.“

      Senkt man seine Ansprüche weit genug ab, ist natürlich auch LibreOffice erträglich. Das begegnet einem ja häufiger, wenn man mit überzeugten LO-Nutzern spricht: Die komplette Internalisierung von Workarounds.

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