Börsengang von SUSE – Ein paar Bemerkungen

Diese Woche hat eine der größten Firmen im Linux-Umfeld erfolgreich den Gang an die Börse geschafft. Zudem auch noch eine Firma mit Wurzeln in Deutschland. Es gab Berichte in allen großen Medien, teilweise sogar über die üblichen Agentur-Meldungen hinaus.

Ich bin ein großer (open)SUSE-Freund – das ist sicherlich bekannt – weil ich mit SUSE meine ersten Gehversuche unter Linux unternommen habe und finde, dass gerade in den letzten Jahren viel in die richtige Richtung lief. Eine Bilanz, die ich nicht für alle Bereiche des Linux-Ökosystems so ziehen würde. Natürlich habe deshalb neugierig die Meldungen zum Börsengang verfolgt.

Aber auch wenn man das Thema neutral betrachtet, ist SUSE eine der wichtigsten Firmen im Linux-Umfeld. Mit einem jährlichen Umsatz von knapp einer halben Milliarde US-Dollar und einer Börsenbewertung von nun ca. 5 Milliarden Euro ist SUSE zusammen mit Red Hat (das ja nun IBM gehört) einer der großen Player im Open Source Business. Ganz nebenbei gehört SUSE damit auch zu den größeren deutschen IT-Unternehmen.

Im Gegensatz zu seinem großen Konkurrenten hat SUSE eine bewegte Geschichte hinter sich. Novell, Attachmate, Micro Focus, zuletzt die Übernahme durch Private Equity Fonds und nun der Börsengang. Mehrfach hat man die Firma mit dem Chamäleon schon Tod gesagt.

Das Verhältnis zur Community hat sich nach Außen hin zuletzt entspannt. Die Produkte sind enger verzahnt denn je und openSUSE Leap und Tumbleweed haben einen erkennbaren Platz in der Strategie von SUSE.

Der Börsengang war dann auch einigen Medien eine Meldung wert. Immerhin handelte es sich dabei um einen der bisher größten Börsengänge des Jahres. Meistens die üblichen Meldungen wie bei Manager Magazin oder der SZ. Teilweise aber auch mit größeren Berichten wie bei tagesschau.de oder im Handelsblatt. Ich war ein bisschen überrascht davon, dass es bei Golem und Heise, die beide ja dem Anspruch nach IT-News für Profis bieten wollen, kaum über Agentur-Meldungen hinausgehende Berichte gab.

Lustig waren dafür die Kommentare auf Heise (ob der Redaktion die Kommentare eigentlich peinlich sind?). Wir wissen nun: Der durchschnittliche Heise-Kommentator ist mindestens Mitte 40 und hat in den letzten 20 Jahren keine ernst zu nehmende Position in einem ernst zu nehmenden Unternehmen bekleidet oder auch sonst nur relevante Einblicke erhalten, sondern sucht stattdessen in seinem Keller Pappkartons.

Ich denke man darf gespannt auf die weitere Entwicklung sein. Es ist gut für Linux neben Red Hat (IBM) auch noch eine weitere große Firma im Linux-Umfeld zu haben. Es ist außerdem sicherlich nicht schlecht für das Linux-Ökosystem, wenn ein Teil der Entwicklung auch durch originäre Open Source-Firmen vorangetrieben wird und nicht nur durch Firmen, die halt nebenbei auch zu Linux beitragen.

Dass diese Firma mit dem geglückten Börsengang nun auf etwas solideren Füßen steht ist zu begrüßen.

2 Kommentare

  1. Inwiefern der Börsengang ein cleverer Schachzug war bleibt abzuwarten. Sowohl aus Sicht von SuSE selbst, als auch aus Sicht derer Kunden/Nutzer und aus Sicht der Wertpapierhalter. Klar ist mal eins: je mehr Umgebungen in die AWS ziehen desto unbedeutender wird SuSE’s Linux.

  2. @bernd: SLES kannst doch auch unter AWS und Azure einsetzen…

    @Gerrit: ich bin auch nach rund 20 Jahren der SUSE noch immer freundlich gesonnen. Zwar mit verschiedenen Ausflügen zu anderen Distros aber so ganz abgelassen habe ich von SUSE nie 🙂 Schön, dass es anderen noch ähnlich so geht.

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