KDE hat KIO, GNOME hat GVFS – soweit der übliche Dualismus. Angeblich soll Wettbewerb ja förderlich für die Entwicklung sein. KIO konnte leider praktisch nie mit GVFS mithalten, weil nur KDE Programme damit arbeiten konnten.

Das ist schon immer ärgerlich gewesen, denn ein einfach zu nutzendes System von Netzwerkfreigaben ist eine Grundvoraussetzung, um erfolgreich mit einem NAS arbeiten zu können. Ich fand es in diesem Kontext auch immer bedauerlich, wenn sogar in Anfängerforen immer aus der Not heraus auf eine Einbindung in die fstab verwiesen wurde. Linux ist in vielen Bereichen sonst schon sehr viel weiter. Wenn das nicht klappt, ohne Netzwerke über mehrere Semester zu studieren, wandern eben doch wieder alle in Cloud und synchronisieren via Dropbox und sichern bei Google Drive. Kosten sind damit schließlich kaum noch verbunden und die Hürden viel niedriger. Datenschutz und Privatsphäre fallen dann meist hinten runter.

Diese Lücke wurde angeblich in den letzten Monaten geschlossen, denn KIO-FUSE sollte nun entfernte Verzeichnisse mittels FUSE einbinden und damit auch für Programme nutzbar machen, die nicht mit KIO umgehen können. Eine ärgerliche Lücke und um so froher war ich, als diese nun endlich geschlossen sein sollte.

Jedenfalls konnte man das die letzten Monate überall lesen:

Schon damals klappte das hier nicht, aber ich ließ das erst mal ruhen und wollte abwarten, was es so für Berichte gibt.

Einige Distributionen haben das jetzt auch paketiert. Wenn man aber nach einer Dokumentation sucht oder einer Manpage, findet sich nichts. Die Funktion klappt auch nicht „out of the Box„. Jedenfalls nicht mit openSUSE Tumbleweed und Arch Linux.

Das wirft bei mir zwei Fragen auf:

  1. Hat das überhaupt mal jemand erfolgreich zum Laufen bekommen?
  2. Gibt es dafür eine Dokumentation?

Ich finde es sehr befremdlich, wenn mit einer solchen Funktion basierend auf einer so dünnen Informationslage, hausieren gegangen wird.

Update 20.02.21

Man muss kio-fuse ggf. direkt im entsprechenden Installationsverzeichnis starten und anschließend über sftp:// in Dolphin mounten. Normal eingebundene Freigaben werden nicht automatisch umgestellt. Der Komfortgewinn ist somit nahezu nicht vorhanden und die großspurige Ankündigung der Funktion maßlos übertrieben. KIO kommt auch mit kio-fuse nicht in die Nähe von einer praktischen Verwaltung entfernter Dateisysteme wie GVFS sie für Gtk-basierte Umgebungen bietet.

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

9 Ergänzungen

  1. Hi Gerrit,
    zu Arch Linux: Hast Du die Pakete „kio“, „kio-extras“, „kio-fuse“ installiert? KDE Plasma ist unter Arch Linux erheblich modularer, als in anderen Distributionen, da fehlt gerne mal eines dieser optionalen Pakete.
    Wenn die drei installiert sind, sollte Dolphin über das Präfix „sftp://“ damit geöffnete Dateien über FUSE verfügbar machen. Der Mount-Punkt ist dabei „/run/user/[UID]/kio-fuse-[XXXXXX]/sftp/[hostname]/[path]“.
    Das funktioniert aktuell nur in Dolphin, in anderen KDE-Dateimanagern wie Krusader noch nicht, nach meiner Beobachtung. Insgesamt ist „kio-fuse“ schon deutlich solider und reduziert die Dialoge zum Speichern bei Remote-Arbeiten mit LibreOffice und Gimp ganz erheblich.

    • Kennst du denn eine vollständige Anleitung? Es ist alles installiert und natürlich habe ich auch bereits umfassend recherchiert.

      Deine Beschreibung der Funktionsweise macht jetzt auch nicht wirklich Hoffnung. Das klingt eher nach Gewürge als einem großen Wurf. Das klang in den vollmundigen Ankündigungen schon anders.

      • Ich habe damit auf mehreren Rechnern mit Arch Linux keine Probleme, funktioniert nach der Installation der Pakete in Arch problemlos. Über openSUSE kann ich nichts sagen. In Fedora 33 funktioniert es bislang auch noch nicht.

        Hier Anleitung und Issue-Tracker, da solltest Du fündig werden:
        https://invent.kde.org/system/kio-fuse

        Übrigens: kio-fuse funktioniert mit Dolphin auch unter anderen Desktops auf Arch Linux. Habe es auch auf Lxqt mit Arch laufen.

        • Danke ich hab es jetzt auch zum Laufen bekommen aber das ändert leider nichts an meiner Meinung. Der Komfortgewinn zu einem Mountpoint in der fstab ist nicht existent, weil man manuell als sftp mounten muss um davon zu profitieren.

          Man hat bildlich gesprochen lediglich dem systemisch kaputten KIO das Rückgrat verschraubt. Das hält jetzt erst mal aber eine Zukunft hat das nicht. Die KDE-Entwickler machen doch so gerne alles neu und von Grund auf. Warum sie KIO immer mitschleppen muss man nicht verstehen.

          • Hi Gerrit,
            ehrlichgesagt würde ich kio-fuse jetzt noch nicht im produktiven Einsatz verwenden – zumal es ausgereiftere Lösungen wie sshfs gibt (Achtung, Plug auf einen eigenen Artikel: https://www.heise.de/ct/artikel/Toolbox-Dateizugriffe-mit-sshfs-1646679.html).

            In einem längeren Test in einem LAN hatte ich mit kio-fuse gestern Datenverlust, weil der SSH-Server die Verbindung geschlossen hat, kio-fuse aber in das Mount-Verzeichnis geschrieben hatte. Ich habe noch keine Reproduzierbarkeit, daran arbeite ich noch. Generell ist „kio-fuse“ ganz OK und funktioniert für Drive-By-Edits, wie ich das mal so nennen will.
            „Gewürge“ – naja, ist halt KDE, das auf deiner Linux-Distribution reift. Der Ansatz ist sicher gut, aber fuse ist wieder ein anderer Stiefel. NFS im LAN ist weiterhin nicht die schlechteste Lösung.

  2. Hallo,

    Ich bin hier gelandet weil ich auf der Suche nach Problemlösung mit KDE Plasma und Videoabspielen von SMB Share war.

    Ich bin vor einer Woche als Nicht-Programmierer (eher normaler Nur-Linux Alltagsuser seit ca. 8 Jahren) auf Kubuntu 20.04 LTS umgestiegen – auf meinem Medien-PC. Ich mochte einfach den Dolphin Dateimanager viel besser als die etwas statischen nemo / caja in Linux Mint, die auch etwas langsam mit NFS agieren.

    Backups, Dateien etc sind bei mir auf NAS über NFS – kein Problem, das lässt sich einbinden, sogar Videos werden abgespielt (obwohl ich da keine drin habe). Und zwar über Dolphin schneller und einfacher zu verwalten (Hauptgrund des Wechsels).

    ABER: Was soll ich sagen – es klappt NICHTS von meiner Medien-NAS, einer der Haupteinsatzzwecke dieses PCs (Medien wie Musik, Filme, TV Serien von SMB Share auf einer im Keller laufenden Zyxel NAS, da auch Android TV / Smartphones, Windows und Linux Clients dran hängen).

    Man kann keinerlei Videos oder Musik direkt in KDE abspielen bzw. Streamen (VLC). Ich dachte erst tagelang es liegt an mir DAU-Depp – so schlecht kann doch kein hochgelobtes Betriebssystem sein, das es keine Videos von der NAS streamen kann!… Und ja, NFS auf LAN ist toll, aber nicht wenn man ein komplett heterogenes Umfeld hat, läuft der Multimedia-Kram bei sicherlich 99.8% der mir bekannten User auf Standard-SMB Shares!

    Bei Linux Mint klappt das mit GVFS seit vielen Jahren einwandfrei – auch mit VLC. Ich habe z.Z. mehrere 19.3 Clients im Einsatz, Hauptsächlich Mate aber auch Cinnamon und xfce, da gab es noch nie ein Problem mit SMB.

    Doppelklick im nicht gemountetem Samba Share, Video startet in VLC – auch bei höchster Auflösung.

    Die SMB-NAS habe ich nur in den Favoriten: In irgendwelchen Systemeingeweiden herumfrickeln um zu Mounten halte ich für zu umständlich und potentiell Fehleranfällig, falls die NAS eben mal nicht laufen sollte hängt dann alles…

    Damit ist KDE für mich leider gestorben solange nicht der Quasi-Standard SMB Streaming unterstützt wird, 1 Woche Konfigurieren umsonst.

    Schade eigentlich.

    Ich bin Stinkwütend, denn KIO-FUSE ist für mich als Normaluser nicht installierbar, da ich nichts in den Repositories, noch andere ppas und auch keine .deb Installation gefunden habe.

    Viele KDE Neu-User würden jetzt Ruck-Zuck zur Viren- und Spionage-Software in Windows 10 zurückkehren, wenn es ihr erster Linux Versuch war.

    Ich werde wohl mit PC-Festplatte auf Linux Mint zurückklonen…

    • Wenn Kubuntu nicht in der Lage ist, entsprechende Pakete zur Verfügung zu stellen, dann beschwere dich bitte bei Canonical. Das KDE-Project hat darauf keinen EInfluss.

      Kubuntu ist zwar weit verbreitet, fällt aber immer wieder durch erhebliche Mängel bei der Paketierung auf.

  3. Was bitte sehr soll „man muss es über das Installationverzeichnis starten“ bitte heißen? Bei meiner aktuellen Tumbleweed-Installation kann ich beliebig auf Netzwerkresource zugreifen, egal ob über SMB, SFTP oder WebDav. Einfach in das entsprechende Verzeichnis wechseln, dann stehen diese über kio-fuse zur Verfügung.

    VLC hat allerdings bei SMB ein Problem, welches allerdings *nicht* durch kio-fuse hervorgerufen wird. VLC teilt KDE (über den Eintrag „X-KDE-Protocols=ftp,http,https,mms,rtmp,rtsp,sftp,smb“ in der vlc.desktop) mit, dass es die genannten Protokolle nativ beherrscht, deswegen übergibt KDE auch einfach eine URL an VLC. Leider scheitert VLC ohne weitere Konfiguration daran, passwortgeschützte SMB-Freigaben zu öffnen, im Fehlerdialog kommt kein Hinweis, einzig im VLC Error-Log steht „Operation not permitted“. Bei SFTP ist VLC durchaus in der Lage, einen Authentifizierungsdialog anzuzeigen. Webdav úber kio-fuse klappt auch VLC. (Und bei Ubuntu kommt noch das Problem hinzu, dass das VLC SMB Plugin per Default nicht installiert ist).

    Also, das nächste Mal vor so einem Rant informieren, woran es liegt, und ggf. einen Bugeintrag anlegen. Solche Rants helfen niemandem – sie sind aber bestens dafür geeignet, Entwickler zu demotivieren.

    • Ich habe es als „Ankündigungs-Fata Morgana“ betitelt, weil es damals (und heute) nicht zuverlässig läuft. Projekte, die bei minimalen Fortschritten riesige Ankündigungen raushauen (siehe Wayland) müssen damit leben, wenn sie an diesen gemessen werden.

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