Fedora 32 mit Pantheon Shell

Die Pantheon Shell und die zugehörigen Programme entstammen dem elementary Projekt. Seit einiger Zeit versuchen die Entwickler die Software von speziellen Patches zu befreien und für andere Distributionen nutzbar zu machen. Ein erster Erfolg dürfte die reibungslose Installation und gute Benutzerfahrung bei Fedora 32 sein.

Ich bin ein großer Freund des elementary Projekts. Im Sommer 2016 bin ich erstmals intensiver eingestiegen (siehe: Stromausfälle und ihre Folgen – elementary OS) und die Entwicklung seitdem aufmerksam verfolgt (siehe u. A.: elementary OS 5.1 „Hera“ veröffentlicht). Mir gefällt die Existenz einer Vision für den Linux Desktop und die ständige Arbeit diesem Ziel näher zu kommen (siehe: elementaryOS – Wenigstens eine Vision für den Desktop). Früher bot Ubuntu das mal, aber dort ergeht man sich nur noch in Produktpflege (siehe: Kein Ubuntu 20.04 Test).

Ein kritischer Punkt bei elementary OS ist meiner Meinung nach die Ubuntu Basis. Das ist historisch gewachsen und bequem, weil Canonical 5 Jahre Support für main bietet. Den Desktop und die Kern-Programme pflegt das elementary Team sowieso selbst. Allerdings tun sich zunehmend Differenzen in der Entwicklung auf. Canonical möchte sein Produkt Snap etablieren, während das elementary Team die Zukunft bei Flatpaks sieht. Außerdem zeigt eine Paketübersicht, dass die elementary Entwickler immer noch zahlreiche Pakete von Ubuntu patchen und über eigene Quellen ausliefern müssen. Als Beobachter stellt sich hier manchmal die Frage, ob das elementary Team mit einer anderen Basis nicht besser bedient wäre.

Daher fand ich die Idee Pantheon und die zugehörigen Programme aus den Paketquellen heraus in Fedora installieren zu können sehr interessant. Leider ist das ganze nicht als offizieller Spin verfügbar, weshalb die Installation ein paar Klimmzüge erfordert.

Für eine möglichst abgespeckte Basisinstallation kann man das Fedora Server Netzwerk-Installations Abbild wählen. Dort muss man während der Installationsroutine lediglich aufpassen, dass man nicht die Serverpakete installiert sondern ein Fedora-Basissystem aufsetzt. Die Installation erfolgt ohne Desktopumgebung und nach einem ersten Start landet man auf der Shell.

Hier installiert man nun die Pantheon Gruppe:

# dnf group install 'pantheon desktop'

Um das Look-and-Feel an elementary anzupassen sollte man zudem noch die Session-Overrides installieren und LightDM als Displaymanager einrichten.

# dnf install pantheon-session-settings-overrides
# dnf install elementary-greeter lightdm
# systemctl disable gdm.service
# systemctl enable lightdm.service

Nun muss man noch den Start in die grafische Oberfläche konfigurieren, damit man nach einem Neustart nicht wieder in der Shell landet.

# systemctl set-default graphical.target

Nach einem Neustart begrüßt einen dann das gewohnte elementary Erscheinungsbild. Probleme oder Fehler sind mir bisher nicht aufgefallen.

Allerdings gibt es natürlich ein paar kleinere Fallstricke und Komfortdefizite. Die GNOME Shell und GDM sind bei Fedora sehr eng mit dem Basissystem verwoben. Über Abhängigkeiten werden diese überflüssigerweise ins System geholt und lassen sich auch nicht deinstallieren. Puristen dürften sich davon gestört fühlen. Obwohl die Funktionsweise der Pantheon Shell unter Fedora 32 gewährleistet ist, fehlt natürlich die enge Abstimmung und sorgfältige Abrundung des Benutzererlebnisses, das elementary OS durch seine integrierte Entwicklung bieten kann.

Trotzdem ist es sehr schön zu sehen, dass die Pantheon Shell und die zugehörigen Programme nun scheinbar auch ohne Patches auf anderen Distributionen funktionieren. Neben Fedora kann man die Shell auch unter Arch Linux installieren.

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