Symbolbild "Smartphone Welt"

Im Gegensatz zum Desktop oder zu Android gibt es kein offizielles Tor Browser Bundle für iOS. Anwender von iPhones und iPads müssen daher auf Software von Dritten ausweichen. Die App Stores sind voller Angebote, aber nur eines hat eine offizielle Empfehlung: Onion Browser von Mike Tigas. Die App ist aber leider auch nur eine Notlösung.

Die Nicht-Abdeckung von iOS ist Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil viele windige Anbieter versuchen durch diese Lücke Geld zu verdienen, aber Segen weil die aktuelle Tor Browser App für Android nicht wirklich gut funktioniert (siehe: Kommentar: Tor Browser unter Android).

Wegen der vielen zwielichtigen Anbieter sollte man unbedingt auf die Empfehlung des Tor Projekts hören und die App von Mike Tigas nutzen. Diese ist Open Source und nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten inzwischen sehr gut benutzbar. Die App ist gratis, aber mann den Entwickler mittels In App Käufen mit einer Spende unterstützen.

Die App beinhaltet den Tor Dienst und einen rudimentären Browser. Hier hat der Entwickler in den vergangenen zwei Jahren aber viel Arbeit in den Bedienkomfort investiert und die App ist inzwischen zum surfen gut benutzbar. Integriert ist HTTPS-Everywhere und ein URL Blocker. Letzteres unterscheidet die App auch massiv vom Desktop Bundle.

Die App kennt unterschiedliche Sicherheitsstufen. Dies betrifft vor allem die Zulassung von JavaScript und ist standardmäßig auf der höchsten Stufe eingestellt. Je nach besuchter Seite muss man hier ggf. nachjustieren. Ähnlich wie bei dem Desktop Bundle kann man mit einem Klick eine neue Route durch das Zwiebelnetz wählen.

Die App von Mike Tigas versucht dem Tor Prinzip zu folgen und in der breiten Masse mit zu schwimmen. Das ist etwas anderes als Trackingschutz! Neben der Tor-IP identifiziert sich der Browser daher als mobiler Safari Browser auf iOS. Durch die hohe Verbreitung von iPhones ist das allerdings noch halbwegs in Ordnung. Immerhin nutzen in den meisten Industrienationen mindestens 1/4 der Anwender ein Smartphone von Apple. Ein mobiles Windows (analog zum Tor Browser Bundle) wäre hier viel auffälliger. Viele weitere Informationen zu Gerätespezifika werden unterdrückt. Genau dadurch unterscheidet sicher der Browser leider vom normalen Safari auf dem iPhone, der durchaus die Fenstergröße und Auflösung ausplaudert.

Durch diese Beschränkungen ist der einzelne Anwender leider als Nutzer des Onion Browsers identifizierbar. Ein Problem das zugegebenermaßen auch beim Desktop Bundle existiert, weil die dortigen möglichst allgemeingültigen Standardwerte auch nur eine Fiktion sind. Durch die wesentlich geringeren Nutzungszahlen des Onion Browsers gewinnt dieses Problem aber an Bedeutung.

Die App ist daher im Vergleich zum Desktop Bundle eine Notlösung und dient primär der IP Verschleierung gegenüber Provider und aufgerufener Seite.


Bilder:

Einleitungs- und Beitragsbild von Mudassar Iqbal via Pixabay 

Gerrit
Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

Schreiben Sie eine Ergänzung

Ergänzungen dienen der Diskussion über die Inhalte des Artikels. Nachfragen, Anmerkungen und Ergänzungen sind dezidiert erwünscht. Ergänzungen werden vor der Veröffentlichung moderiert. Wir behalten uns vor Kommentare ohne inhaltlichen Bezug oder abseitige Diskussionen nicht zu veröffentlichen.

Bitte geben Sie Ihre Ergänzung ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein