Exkurs: Thunderbird und DAV

E-Mail

Thunderbird ist für viele Anwender der E-Mail Client schlechthin. Das gilt natürlich auch unter Linux. Obwohl Thunderbird Open Source ist, unterstützt es freie Schnittstellen erstaunlich schlecht, weshalb einige Nacharbeiten notwendig sind um das Programm mit CalDAV und CardDAV Diensten wie der Nextcloud zu verbinden.

Dieser Beitrag ist ein Exkurs der Serie Cloud in Eigenregie (siehe: Cloud in Eigenregie I: Vorbemerkungen). Dort konnte auf Thunderbird keine Rücksicht genommen werden, da die einfache Integration in den Linux-Standard Ubuntu und GNOME demonstriert werden sollte. Die Einbindung von Nextcloud in Thunderbird ist aber weder ganz einfach, noch unbedingt selbsterklärend. Dieser Artikel hier ist somit ein kleiner Exkurs.

Thunderbird gibt es seit gut 15 Jahren und es ist für Anwender aller großen Desktop-Betriebssysteme ein viel genutztes Mittel um E-Mails zu verwalten. Das Programm spiegelte in der Vergangenheit die Irrwege der Mozilla Foundation. 2012 wollte man Thunderbird aufgeben um sich auf Projekte wie Firefox OS (wer erinnert sich noch…) zu konzentrieren. 2015 wollte man dann Thunderbird komplett loswerden und aus Mozilla ausgliedern. Nachdem man noch eine Reihe anderer Rohrkrepierer losgelassen hatte entschloss man sich die Verbindungen zu Thunderbird doch nicht komplett zu kappen.

Thunderbird ist quelloffen und ein Vorzeigeprojekte wenn es um Open Source Software unter allen Betriebssystemen geht. Trotzdem unterstützt Thunderbird freie Standards erstaunlich schlecht. Weder kann man von Haus aus mit GPG umgehen, noch unterstützt man alle DAV-Schnittstellen. Selbst Apple ist da offener für freie Protokolle.

Kontakte

Zum Abgleich der Kontakte mittel der CardDAV-Schnittstelle benötigt man das Addon CardBook. Nach Installation und Neustart von Thunderbird erscheint ein Menüpunkt CardBook. Das Addon ersetzt faktisch das bisherige integrierte Adressbuch.

Über diesen Menüpunkt könnt ihr ein Netzwerk-Adressbuch einrichten. Im Einrichtungsdialog kann die CardDAV URL, sowie die Zugangsdaten hinterlegt werden.

Nach der Ersteinrichtung lässt sich die Synchronisierung über den entsprechenden Menüpunkt anstoßen.

Kalender

Thunderbird verfügt von Haus aus unter Linux über gar keinen Kalender. Dazu benötigt man zuerst das Addon Lightning. Für Windows ist dieses Addon inzwischen in das normale Thunderbird integriert worden, die Linux-Varianten kommen noch ohne Addon. Dieses ist zwar in den Ubuntu Paketquellen enthalten, aber ohne deutsche Lokalisierung. Daher installiert man es am besten über die integrierte Addon-Funktionalität. Bei anderen Distributionen sieht dies teilweise anders aus.

Über einen Rechtsklick in die Kalenderliste wählt man anschließend die Option einen neuen Kalender einzurichten. Hier wählt man dann die Variante „Im Netzwerk“ und im folgenden Dialog CalDAV. Anschließend kann noch Name und Farbe festgelegt werden.

Nun kann man den CalDAV Kalender auch in Thunderbird/Lightning nutzen)

Bewertung

Mit Thunderbird erhält man E-Mail Program, das an Anciennität kaum zu überbieten ist und von der tragenden Organisation mehrmals abgekündigt wurde. Obwohl das Programm relativ schwerfällig daher kommt benötigt man für grundlegende Funktionen weitere Addons. Beispiele sind hier die Kontaktsynchronisation, sowie der Kalender. Kompatibilitätsbrüche bei Aktualisierungen sind da Vorprogrammiert und die Supportforen sind regelmäßig voll davon. Gerade Lightning ist eine ziemlich wackelige Angelegenheit. Thunderbird integriert sich weiterhin in keinen Linux-Desktop wirklich gut, sondern benötigt hierzu weitere Addons.

Ich persönlich würde daher auf jeder Plattform einem anderen E-Mail Programm den Vorzug geben. Unter Linux wären dies Evolution oder Kontact, unter Windows natürlich Outlook und unter macOS die Kombination aus Apple Mail und Apple Kalender.

Wer trotzdem an Thunderbird festhalten möchte kann aber trotzdem eine Integration mit DAV-Schnittstellen erreichen.


Bilder:
Einleitungs- und Beitragsbild von ribkhan via pixaybay

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