Symbolbild "Smart Home"

Seitdem die Berliner Polizei die Gesichtserkennung am Bahnhof Südkreuz testet, wissen wir, dass Menschen ihre Rechte für 25€ verkaufen. Wenn auf permanent lauschende Wanzen Mikrofone ein Firmenlogo angebracht ist, kaufen Menschen sich solche sogar freiwillig für ca. 120-150€. So jedenfalls die aktuellen Preise für entsprechende Lösungen großer amerikanischer IT-Konzerne.

Vielleicht müssten Geheimdienste gar nicht nationale Gesetze dehnen, um ihre Überwachungsziele zu erreichen, sondern einfach eine coole Firma gründen, genug Fanboys gewinnen und dann ein hippes Produkt lancieren um genug Leute zu finden, die sich das freiwillig in ihr Wohnzimmer stellen.

Soviel Polemik darf wohl sein. Faktisch ist es erschreckend was hier angeboten wird. Für den Verzicht auf manuelle Eingabe stellen manche Menschen in den besonders schützenswerten Raum ihrer privaten Wohnung (Art 13 GG) einen Lautsprecher mit eingebautem Mikrofon, das permanent in den Raum hineinhorcht. Aktivierung erfolgt zwar nur auf ein Codewort hin, aber wirklich nachprüfbar ist das für den Endverbraucher auch nicht.

Um ihrer Funktion nachzukommen, müssen die Anwender den Geräten umfangreiche Zugriffsrechte auf ihre digitalen Daten einräumen. Kontakte, Termine, Standort und Speicherung aller Interaktionen für die verbesserte Spracherkennung sind wohl die Mindestanforderungen wenn man den Tests glauben darf (so ein Teil würde ich nie selbst testen!).

Vermutlich sind Leute, die sich so etwas kaufen, für Aspekte wie Datenschutz schon lange verloren und ignorieren entsprechende Berichte geflissentlich. Anders kann man sich nicht erklären, dass irgendjemand so etwas sehenden Auges in sein Leben lässt.

Ja es gibt möglicherweise Einsatzszenarien, in denen diese Geräte einen Mehrwert generieren, der den Datenschutz überwiegt. Dieser Markt ist jedoch nicht so groß, dass er von allen großen IT-Konzernen bedient werden müsste. Die Zielgruppe scheinen also wohl doch eher jene Menschen zu sein, die für 25€ ihre Seele ihre Privatsphäre verkaufen bzw. dafür sogar noch Geld hinlegen.


Bilder:
Einleitungsbild und Beitragsbild von von Pixaline via pixabay

Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

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