Wanzen für das Wohnzimmer mit Firmen-Branding

Bild von MichaelGaida via pixabay / Lizenz: Lizenz: Pixabay-Lizenz (CC0 Public Domain)

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Seitdem die Berliner Polizei die Gesichtserkennung am Bahnhof Südkreuz testet, wissen wir, dass Menschen ihre Rechte für 25€ verkaufen. Wenn auf permanent lauschende Wanzen Mikrofone ein Firmenlogo angebracht ist, kaufen Menschen sich solche sogar freiwillig für ca. 120-150€. So jedenfalls die aktuellen Preise für entsprechende Lösungen großer amerikanischer IT-Konzerne.

Vielleicht müssten Geheimdienste gar nicht nationale Gesetze dehnen, um ihre Überwachungsziele zu erreichen, sondern einfach eine coole Firma gründen, genug Fanboys gewinnen und dann ein hippes Produkt lancieren um genug Leute zu finden, die sich das freiwillig in ihr Wohnzimmer stellen.

Soviel Polemik darf wohl sein. Faktisch ist es erschreckend was hier angeboten wird. Für den Verzicht auf manuelle Eingabe stellen manche Menschen in den besonders schützenswerten Raum ihrer privaten Wohnung (Art 13 GG) einen Lautsprecher mit eingebautem Mikrofon, das permanent in den Raum hineinhorcht. Aktivierung erfolgt zwar nur auf ein Codewort hin, aber wirklich nachprüfbar ist das für den Endverbraucher auch nicht.

Um ihrer Funktion nachzukommen, müssen die Anwender den Geräten umfangreiche Zugriffsrechte auf ihre digitalen Daten einräumen. Kontakte, Termine, Standort und Speicherung aller Interaktionen für die verbesserte Spracherkennung sind wohl die Mindestanforderungen wenn man den Tests glauben darf (so ein Teil würde ich nie selbst testen!).

Vermutlich sind Leute, die sich so etwas kaufen, für Aspekte wie Datenschutz schon lange verloren und ignorieren entsprechende Berichte geflissentlich. Anders kann man sich nicht erklären, dass irgendjemand so etwas sehenden Auges in sein Leben lässt.

Ja es gibt möglicherweise Einsatzszenarien, in denen diese Geräte einen Mehrwert generieren, der den Datenschutz überwiegt. Dieser Markt ist jedoch nicht so groß, dass er von allen großen IT-Konzernen bedient werden müsste. Die Zielgruppe scheinen also wohl doch eher jene Menschen zu sein, die für 25€ ihre Seele ihre Privatsphäre verkaufen bzw. dafür sogar noch Geld hinlegen.

shad
Leider wieder ein in meinen Augen unsachlicher Beitrag. Ich verschlüssele meine HDDs, Mails, nutze quasi Google Produkte nicht mehr produktiv und setze viel auf Open Source. Einen Amazon Echo habe ich trotzdem und bin mir der Risiken bewusst. Und jetzt? Ich scheiße dann also auf Datenschutz? Wie wäre es damit, solche Themen globaler zu sehen und den Nutzer entscheiden zu lassen was er will, statt seine eigene Abneigung zu Themen über eine solche Entscheidung zu stellen? Bzw. welche Daten werden eigentlich für die Capture Abfrage hier erfasst?
Cruiz
Zum Thema: Ja, wenn man sich ein permanent angeschaltetes Mikrofon mit umfangreichen Freigaben für private Daten, sowie Übertragung zur Verarbeitung in die Cloud, ins Wohnzimmer stellt, priorisiert man Datenschutz nicht besonders hoch. Wo ist das nun unsachlich?
https://www.verbraucherzentrale.de/amazon-echo

Natürlich gibt es sinnvolle Einsatzszenarie n, die Datenschutzbede nken überstimmen können. Das habe ich ja bereits im Artikel geschrieben. Ändert aber nichts an den Datenschutzbede nken, die Prioritäten werden dann nur verschoben.

Zu deiner Frage: Bei dem Captcha handelt es sich um eine integrierte Komponente (basiert m.W.n. auf securimage) und um keine (Google-)Drittanbieterl ösung.

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[Mer]Curius bietet Informationen zur technischen Dimension des Datenschutz im digitalen Bereich. Neben permanent aktualisierten Artikeln zu Betriebssystemen, Verschlüsselung und Kommunikationsabsicherung werden im Blog aktuelle Trends präsentiert und kommentiert.

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