Datenschutz im digitalen Alltag

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Symbolbild "Chat"

Kommentar: Messenger Hypes - Eine wandernde Nutzerbasis

Die Kommunikation über Video-, Text- und Sprachnachrichten ist fest in der Hand einiger weniger IT-Großkonzerne (und ein Startup). WhatsApp, Facebook Messenger, iMessage, Teams und Slack dominieren den Markt. Datenschutzfreundliche oder gar freie Messenger haben es dagegen schwer. Auch weil ihre Nutzerbasis immer dem nächsten Hype folgt.

Messenger waren und sind in diesem Blog ein wichtiges Thema. Sie sind funktional der E-Mail in vielen Gesichtspunkten überlegen und lösen diese sukzessive ab. Neben einer Übersicht (siehe: Sichere Messenger - Verschlüsselung und Metadaten) habe ich dazu ab und an etwas geschrieben (siehe z. B.: Sicherer Messenger benötigt? Threema nutzenFreie Messenger - viele Lösungen, keine Zusammenarbeit). Meine Empfehlungen sind meist sehr konservativ (Signal oder Threema) und in den Kommentaren gibt es dann immer Vorschläge für den nächsten super Messenger. Früher war das Telegram, heute eher Riot/Matrix. Ihnen allen gemein ist, dass sie mehr Problem, denn Lösung darstellen.

Grundsätzlich muss man differenzieren was für ein Typ Messenger gefragt ist. Geht es um eine Kommunikationslösung für ein kleines Team, am besten noch für einen bis dahin nicht da gewesenen Einsatzzweck, kann man natürlich auf einen neuen Dienst wechseln. Hier muss sich nur ein begrenzter Teilnehmerkreis auf ein Werkzeug einigen. Ein gutes Beispiel dafür aus den vergangenen Wochen ist Jitsi. Das gleiche gilt wenn ein Team oder eine Firma von einem Team-Messenger zum nächsten wechseln möchte. Also beispielsweise von Slack zu Rocket-Chat. Hier muss letztlich ja nur der Chef den Wechsel anordnen. In solchen Fällen bin ich immer für freie Lösungen, sofern diese halbwegs praktikabel sind.

Anders sieht das im Bereich der WhatsApp-Konkurrenten aus. Hier zählt Reichweite, Reichweite, Reichweite. Die Stärke von WhatsApp liegt weder in der Technik (ursprünglich kastriertes XMPP), noch in den Funktionen (da hinkt man der Konkurrenz oft hinterher), sondern in der Verbreitung. Nahezu jeder in Deutschland hat WhatsApp.

Die einzigen freien und/oder sicheren Lösungen, die ansatzweise mithalten können sind Signal, Telegram und Threema. Jeweils mit den bekannten Einschränkungen und Problemen.

In den letzten 10 Jahren konnte jeder aufmerksame Beobachter verfolgen wie immer wieder die neue super Lösung konzipiert, gehypt wurde und anschließend ins Siechtum übergegangen ist. Momentan gefeiert werden nach meiner Sichtung Delta.Chat, Conversation und Matrix/Riot. Sie alle haben das gleiche Problem. Eine kleine Fanbase (die es mit Fakten nicht so genau nimmt, siehe Klassifizierung) pusht den Dienst und preist ihn als kommende Alternative. Taucht ein neuer Dienst auf, wandern eben diese Nomaden zum nächsten Dienst und dann zum nächsten. Die Wirkung auf eine breitere Nutzerbasis jenseits dieser Fanbase ist nahezu nicht vorhanden. Fragt mal jemanden außerhalb der Nerd-Szene/des IT-Sektors was Matrix ist. Die Antwort dürfte was mit Keanu Reeves zu tun haben.

Daher halte ich es für wichtig die profilierten und bekannten Alternativen zu stärken. Signal, Telegram und Threema haben Reichweite aufgebaut und das ist viel wichtiger  als irgendein supertolles neues Konzept oder irgendeine Funktion. Daran ändert auch die französische Regierung und die Bundeswehr nichts.


Bilder:
Einleitungs- und Beitragsbild von geralt via pixabay

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Tags: Sicherheit, Verschlüsselung, Kommunikation, Messenger

Ergänzungen zum Artikel

Weitere Informationen können den Nutzungsbedingungen entnommen werden.

Thomas Meyer
Hallo, ich teile diese Aussagen im Wesentlichen. Ich persönlich nutze auch WhatsApp. Aber nicht aus Überzeugung, sondern wegen des Zwanges der vielen Bekannten, die eben diesen Dienst nutzen. Zusätzlich habe ich aber auch nocht einen Jabber-Account. Meines Erachtens braucht man nicht immer neue Messenger-Apps, sondern eine einheitliches Protokoll. Bei der Festnetz-/Mobiltelefonie würde mit Sicherheit niemand akzeptieren, das er als Kunde eines Anbieters nur mit Kunden des selben Anbieters telefonieren könnte. Aber bei Messengern scheint das in den Augen der meisten Nutzern anders zu sein. Schade, das das so ist.

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