Datenschutz im digitalen Alltag

Damit Privates privat bleibt

Datenabfluss bei Facebook - Eine Nachbetrachtung

Bild von geralt via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

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Facebook hatte jüngst mit schlechter Presse zu kämpfen. Länder- und medienübergreifend artikulierte sich massive Kritik an der Praxis wie dort mit Daten umgegangen wird. Manche Journalisten sehen darin die größte Krise in der nicht mehr ganz so jungen Geschichte des sozialen Netzwerks. Die Aktienmärkte sahen das vergangene Woche nicht unähnlich wenn man sich die Entwicklung des Kurses von Facebook anschaut.

Viele Datenschützer konnten sich eine gewisse Häme nicht verkneifen. Gehört umfassende Kritik an Facebook doch zum Standard-Repertoire von datenschutzbewussten Menschen (und solchen, die sich dafür halten). Die empfohlene Lösung war dann natürlich wie erwartet radikal. Verlasst endlich Facebook schallte es aus allen Kommentarspalten und Blogs.

In der Printausgabe der Süddeutschen Zeitung konnte man dazu vergangene Woche einen schönen Vergleich lesen. Sinngemäß ging es darum, dass die Aufforderung Facebook zu verlassen, weil man mit der Datenhandhabung moderner IT-Unternehmen unzufrieden ist, genau so erfolgversprechend ist wie das Essen einzustellen, weil man mit der Lebensmittelindustrie unzufrieden ist. Konsequent aber letztlich aussichtslos weil es an der Lebenswirklichkeit vorbei geht.

Genau dies beschreibt den Einfluss der Datenschützer auf das Verhalten der Masse. Radikal, konsequent und weitestgehend ignoriert, da wirklichkeitsfern. Bei diesem Thema und bei vielen anderen auch.

Es ist keineswegs so, dass Facebook das Verlangen für sein Produkt erst bei den Menschen wecken musste. Etwas was man den Silicon Valley Firmen gerne nachsagt. In einer hochgradig mobilen Gesellschaft bedient Facebook einfach ein Bedürfnis. Es vereinfacht soziale Vernetzung über große Zeiträume und Distanzen einfach enorm, viele Menschen leben halt nicht mehr in einer Welt, in der man alle Freunde im Vereinslokal trifft. Ein Verlassen des sozialen Netzwerks ist daher für viele Anwender mit einem nicht unerheblichen sozialen Einschnitt verbunden. Das betrifft nicht nur die Selbstdarsteller auf der Timeline, sondern eben auch die Gruppen und den Messenger.

Außerdem ist ein großer Trugschluss, dass man Facebook einfach den Rücken kehren kann. Man muss auch alle zugehörigen Dienste, am bekanntesten darunter sind sicher WhatsApp und Instagram, verlassen und trotzdem kann Facebook über die Vernetzung mit unzähligen Internetseiten - der Like-Button macht es möglich - noch ein Profil erstellen.

Letztlich übt man sich zwar in digitaler Selbstverstümmelung, erzielt aber nicht mal den erwünschten Effekt.

Zielführender sind da sicher Maßnahmen wie der kürzlich vorgestellte Mozilla Facebook Container. Er ermöglicht Teilhabe aber kontrolliert ein bisschen besser, was Facebook außerhalb des Netzwerks noch über einen sammeln kann. Viele weitere Maßnahmen wie ein Mehr-Browser-Konzept, sinnvoll ausgewählte Addons und reflektierte Handhabung des Netzwerks können es Facebook erschweren unerwünscht Daten zu sammeln.

Keine dieser Maßnahmen hätte den Datenabfluss von Facebook an Dritte verhindern können. Es ist auch nicht die Aufgabe des Bürgers paranoid seine Aktivitäten gegenüber den IT-Giganten zu verschleiern, sondern die Politik muss die Daten der Bürger entschieden gegen Missbrauch schützen und Verstöße hart bestrafen. Dafür kann der Bürger an der Wahlurne stimmen. Einfach mal bei der Wahl den Digitalthemen mehr Priorität einräumen, anstatt in den Kommentarspalten gegen Facebook zu wettern. Die deutsche Regierung ist nämlich keineswegs so rigoros im Datenschutz, wie sie sich jetzt medial gibt.

Tags: Datenschutz, Facebook

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