Datenschutz im digitalen Alltag

Damit Privates privat bleibt

Symbolbild "Verbindung"

Kommentar: Smarte Uhren als Datenstaubsauger

Es war kürzlich hier im Blog ein wenig ruhiger, denn jeder macht mal Urlaub und für mich ist Urlaub Offlinezeit. Das sehen viele Menschen aber anders, wie sie hier im Café oder der Straßenbahn sitzen und auf ihre Displays starren, so machen sie das im Urlaub am Strand. Um diese Klientel zu befriedigen bieten immer mehr Hotels (kostenfreies) WLAN. Diese sind meistens ungesichert, da außerhalb Deutschlands eine Mitstörerhaftung in der Regel unbekannt ist. Spätestens wenn man den Sitznachbarn im offenen WLAN seine Bankangelegenheiten regeln sieht, weiß man, dass die hier geäußerten Datenschutzbedenken reiner Luxus gegen das unbedarfte Verhalten vieler Menschen sind.

Die elektronische Gesundheitskarte beschäftigt die Datenschützer bereits seit Jahren. Datenschutzrechtliche Bedenken haben dazu geführt, dass sie momentan kaum mehr Funktionen, als die alte Karte bietet (plus Lichtbild natürlich). Denn dem Staat wird ganz genau auf die Finger geguckt, einerseits von den Medien, andererseits von hauptamtlichen Datenschützern mit den entsprechenden Presseverbindungen.

Den Anbietern der neuen Smart Watches wird da nicht so genau auf die Finger geschaut und so ist medizinische Datensammlung der neue Trend bei den großen IT-Konzernen. Bis zum 09. September konnte man das noch als Spielerei sehen, die sich eh nicht durchsetzen würde. Jetzt nicht mehr! Wenn Apple Produkt auf den Markt wirft, dann schafft es sich den Bedarf. Vor 2010 hat auch niemand ein Tablet benötigt. Apples Watch wird sicherlich mittelfristig ein Erfolg werden. Spricht sie doch eine auf Selbstoptimierung und vor allem Präsentation dieser Selbstoptimierung ausgerichtete Zielgruppe an. Jeder gemachte Schritt wird gezählt, dem Träger buchstäblich der Puls gefühlt und vieles mehr. Außerdem ist die breite Masse einfach zu unbedarft oder versteht die Folgen nicht vollständig bzw. verschließt die Augen vor ihr. Wer seine Bankgeschäfte in einem offenen WLAN macht, wird einen Schrittzähler wohl als nützliches Feature sehen. Da entsteht ein Datenschatz (oder vielmehr Alptraum) gegen den die GPS Module unserer Smartphones ein Witz sind. Wie gut die Daten geschützt sein werden kann man nicht sagen, aber die jüngsten Einbrüche in die iCloud haben ein interessantes Licht auf Apples Sicherheitspolitik geworfen.

Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass niemand gezwungen wird sich so etwas zuzulegen. Das mag gegenwärtig auch zutreffen, aber Gesundheit ist ein riesiger Markt, in dem Milliarden umgesetzt werden. Was wenn Krankenkassen oder Lebensversicherer den Versicherten dazu drängen werden eine solche Uhr zu tragen und diejenigen mit höheren Beiträgen bestrafen, die sich verweigern. Das weit verbreitete Scoring bei Vertragabschlüssen zeigt jetzt schon wohin große Datensammlungen führen.

Die neuen Smartwatches illustrieren einmal mehr, dass wir Gesetze für das digitale Zeitalter brauchen und vor allem auch Entwickler, die nicht nur in ihrem dunklen Keller sitzen vor ihrem Bildschirm sitzen und sich über die Konsequenzen ihres Handelns keine Gedanken machen. Nicht jede Entwicklung ist gut, nur weil sie möglich ist.


Bilder:
Einleitungs- und Beitragsbild von 200degrees via pixabay

Tags: Datenschutz, Smartwatch, Dienste, Synchronisation, Selbstoptimierung

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Über [Mer]Curius

Immer größere Teile unseres Lebens haben sich in den vergangenen Jahren digitalisiert. Es gibt heute unzählige Dienste und jeder Mensch hinterlässt permanent Spuren. Die Datensätze, die hier entstehen wecken viele Begehrlichkeiten. Es besteht aber auch die Möglichkeit durch gezielte Maßnahmen die eigene Datenspur zu minimieren und Daten effektiv und sicher zu schützen. Damit entgeht man zwar nicht jeder Überwachungsmaßnahme, erlangt aber zumindest teilweise die Kontrolle über die eigenen Daten zurück.

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