Datenschutz im digitalen Alltag

Damit Privates privat bleibt

Bild von TeroVesalainen via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

Ubuntu - Ein bisschen mehr Liebe wagen

Vergangene Woche veröffentlichten die Entwickler von elementaryOS ihre Version 5.0 "Juno". Dabei handelt es sich um einen Ubuntu-Ableger mit eher begrenzter Reichweite (siehe auch: elementaryOS - Wenigstens eine Vision für den Desktop). Die Veröffentlichung legt aber den Finger in die Wunde, was bei Ubuntu momentan schief läuft.

Heise schrieb in der Veröffentlichungsnachricht:

Beim Desktop passt alles zusammen; er ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet und bringt Programme mit, die sich optisch perfekt einpassen. [...]

Das ist eine Aussage, die man so über Ubuntu nicht mehr schreiben würde. ElementaryOS hat sicherlich viele Schwächen, das haben viele Kommentatoren zu recht bemängelt und das muss hier nicht erneut thematisiert werden. Man merkt der Distribution aber an, dass die Entwickler sich intensiv mit dem ausgelieferten Desktop und Programmset beschäftigen, es aufeinander abstimmen und dem Anwender eine tolle Benutzererfahrung bieten wollen.

Früher konnte man über Ubuntu genau das sagen. Die eigenen Wege haben immer viel Kritik ausgelöst, aber es gab sie immerhin. Vom Design, über die Schrift und die hochgradig durchdachte Zusammenstellung des Desktops war jede Version ein Schlaglicht auf die Möglichkeiten des Linux Desktops. Die LTS Versionen galten als Zielmarken, zu denen etwas fertig gestellt sein sollte, was vorher in einer STS eventuell noch unfertig war.

Ubuntu fehlt inzwischen genau das! Zur Veröffentlichung der wichtigen LTS-Version im Frühjahr hat man nicht mal ein neues Design fertig bekommen. Vieles am GNOME Desktop wirkt lieblos zusammen gefügt. Dass sich Thunderbird nicht in die Kontenverwaltung einfügt scheint man gleichgültig hinzunehmen. Den Wirrwarr von Snaps und klassichen Paketen im App Store scheint egal zu sein, für die STS-Version 18.10 hat man das auch nicht behoben. Gleichzeitig lässt man erheblich bei der Qualitätssicherung der Updates nach. Bei wirklich zentralen Bestandteilen wie Firefox oder Thunderbird prüft man scheinbar vor einem Update nicht, ob Sprachpakete funktionieren oder der Kalender Lightning einwandfrei übertragen wird.

Das ist bedauerlich, da die Linux-Desktops vom Funktionsumfang und der allgemeinen Qualität noch nie so weit waren wie in diesem Jahr. Was fehlt ist nur eine Distribution, die aus einem oder mehreren dieser Desktops ein wirklich stimmiges Desktoperlebnis kreiert.

Natürlich kann man all dies beheben, die Pakete funktionieren ja im Grunde genommen und Designs lassen sich individualisieren. Dann kann man aber gleich zum universellen Baukasten Debian greifen und braucht kein Ubuntu.


Bilder:
Einleitungs- und Beitragsbild von TeroVesalainen via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

"

Tags: Entwicklung, Linux, Ubuntu, Desktop

Die Kommentarfunktion auf [Mer]Curius soll allen interessierten Leserinnen und Lesern einen Austausch ermöglichen. Kritische Meinungen zum Artikel selbst oder anderen Kommentaren sind ausdrücklich erwünscht. Gleichwohl werden Kommentare vor ihrer Veröffentlichung geprüft. Sie erscheinen daher nicht im unmittelbaren Anschluss nach dem Verfassen.


Die Angabe einer E-Mail Adresse ist optional und lediglich notwendig, wenn ein Abonnement zukünftiger Kommentare gewünscht ist.


Informationen zu verarbeiteten personenbezogenen Daten entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung. Mit dem Verfassen eines Kommentars akzeptieren Sie diese Datenschutzbedingungen.

Lade Kommentar... Das Kommentar wird neu geladen in 00:00.
  • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
    Torsten · Vor 21 Tagen
    Ich kann dem nur beipflichten und zustimmen. Ich bin daher schon vor einigen Jahren zu Xubuntu gewechselt. Dort findet man die von dir beschriebenen Fehler u. Bugs nicht, jedenfalls habe ich sie bei der aktuellen Version von Xubuntu (18.04) nicht feststellen können. Alles aber kann auch ich nicht testen, oder ausprobieren. Bei mir jedenfalls läuft Xubuntu und das extrem stabil, schnell und flüssig. Aber natürlich wäre auch Debian eine gute Alternative.
  • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
    Linuxkumpel · Vor 21 Tagen
    Über Geschmack und Ästhetik lässt sich bekanntlich gut streiten. Jedoch der Thunderbird-, Lightningzirkus, der jeden bereits ab Version 60 heimsucht, spricht für sich. Wahrscheinlich nicht unbedingt ein Ubuntuproblem, denn andere Distributionen sind auch betroffen. Thunderbird und Kontenverwaltung, kann ich nur zustimmen. Manchmal musste ich etwas suchen, es gab für Vieles eine Lösung. Entweder ein entsprechendes Add-on oder passende Gnome Shell-Erweiterung. Habe Ubuntu nicht umsonst den Rücken gekehrt. Pop!_OS von system76 ist da z.B. eine schöne Alternative. Gestern ganz unkompliziert von 18.04 auf 18.10 aktualisiert.
  • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
    Abbc · Vor 21 Tagen
    Ich mag OpenSuSE

    Desktop: Gnome3
    Gnome-Theme: Arc

    Neben Adwaita ist Arc das vielleicht rundeste Theme, das ich kenne. Gtk2/3 und Qt werden sehr gut unterstützt. Bis auf einige Java-Tools die keine Themes unterstützen, zb. BlueJ, sieht mein Linux-Desktop wie aus einem Guss aus.

    Aber Gnome3 Krankheiten sind eben Gnome3 Krankheiten. Ein gewisser Pferde-Fuss ist zum Beispiel wenn die praktischen Tastaturkürzel deiner IDE mit den Tastaturkürzeln von Gnome3 überschneiden. Dann nimmt Gnome3 das Vorrecht und du kannst halt weniger gut arbeiten
    Sowas nervt dann wirklich.
    • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
      Cruiz
      • Administrator
      · Vor 21 Tagen
      Das muss man aber alles selbst einrichten und konfigurieren - Normalanwender machen erfahrungsgemäß beides nicht.
  • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
    Tronde · Vor 20 Tagen
    Ein schöner Beitrag, dem ich nur zustimmen kann.

    Als ich 2006 zu Ubuntu kam, bekam ich ein Desktop-System, welches wie aus einem Guss wirkte und einfach von Beginn an funktionierte. Es war hervorragend und ich nahm jede Version mit.

    Seit einigen Jahren nutze ich nur noch die LTS-Versionen und bin auch bei diesen nicht mehr sonderlich zufrieden mit Abstimmung und Fehlerfreiheit der Pakete. Das ehemalige Qualitätsmerkmal scheint verloren gegangen zu sein.


    Heute frage ich mich, warum ich nicht gleich Debian installiere und damit noch stabilere Pakete bekomme.
    • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
      Linuxkumpel · Vor 18 Tagen
      Ubuntu hat nicht umsonst seine Stellung als Platzhirsch verloren. Die anderen schlafen nun mal eben nicht. Ich war ein Unity-Fan, obwohl ich mich bei anderen Distributionen mehr für den Xfce-Desktop entschieden habe. Das mit Gnome etwas geht beweisen ebenfalls andere Distributionen. Es ist eben schwer sich von Liebgewonnenem bzw. Gewohntem zu verabschieden. Wie immer im Leben, alles hat seine Vor- und Nachteile.
  • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
    Linuxkumpel · Vor 18 Tagen
    Ich habe mir mal elementary OS 5.0 auf einem alten Netbook (Intel Atom N450, 2 GB RAM) installiert. Es ist so, der Pantheon-Desktop ist schon etwas für's Auge. Es gibt auch viele Fortschritte bei elementary. Wenn Erfahrungen in der Linux-, Ubuntuwelt gesammelt wurden, dann ist mit etwas Nacharbeit so einiges möglich und es kommt ein gewisses Wohlfühl-Fielding auf. Aus meiner Sicht nicht umsonst auf Platz bei Distrowatch, wenn auch mit einem Augenzwinkern zu betrachten.
  • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
    Matthias · Vor 18 Tagen
    Ich finde ein bisschen tust du dem Ubuntu Desktop Team hier unrecht. Dafür, dass sie gerade erst auf Gnome Shell gewechselt sind, bekam man einen insgesamt recht stimmigen und verlässlichen Desktop. Mit dem neuen Yaru-Theme sieht das ganze endlich auch so modern aus, dass ich mich nicht mehr gezwungen fühle das Theme zu wechseln. Allein das Dark-Theme lässt zu wünschen übrig, weil sie kein GTK2-Theme mitliefern und damit viele Apps einfach nicht ordentlich aussehen. Der default ist aber auf jeden Fall ordentlich und nicht schlechter als das, was ich täglich unter macOS erleben muss.
  • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
    Peter · Vor 16 Tagen
    Ich habe mich schon lange von Ubuntu verabschiedet und nutze seit ca. 2-3 Jahren nur noch "Peppermint OS", das gefällt mir richtig gut. Es ist optisch sehr schön, wahnsinnig schnell und einfach prima. Diesen ganzen vermurksten Gnome-Quatsch brauche und will ich nicht.
Schreibe etwas...
Sie sind Gast
oder als Gast schreiben
  • Betriebssystem wählen

    Das Betriebssystem mit dem Desktoprechner, Notebooks und Mobilgeräte wie Smartphones und Tablets betrieben werden, dient einerseits als Grundlage jeder weiteren Weiterlesen
  • Daten verschlüsseln

    Verschlüsselung von Daten ist eine der wichtigen Erstmaßnahmen um Datenabfluss zu vermeiden. Externe Festplatten oder Speichermedien kann man verlieren, Notebooks Weiterlesen
  • Kommunikation schützen

    Im Zuge der Digitalisierung haben sich auch die Kommunikations-Kanäle vervielfältigt. Videotelefonie, Instant Messenger, sowohl für den Desktop, als auch im Weiterlesen
  • Anonymisierung

    Anonymität gehört im Zeitalter von Werbetracking und Bestandsdatenabfragen der Vergangenheit an. Mit einigen speziellen Programmen wie TOR oder spezialisierten Systemen Weiterlesen
  • 1