Datenschutz im digitalen Alltag

Damit Privates privat bleibt

Bild von Pexels via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

Kommentar: Googles neue Lizenzpolitik - Eine letzte Chance für Android

Die EU Kommission hatte im Frühjahr erneut eine Rekordstrafe gegen Google wegen der Android-Lizenzpolitik verhängt (siehe: Kommentar: Strafe gegen Google - Chancen für freiere Systeme). Google hatte zwar umgehend Berufung angekündigt, änderte jetzt aber trotzdem wie gefordert die Lizenzbedingungen von Android. Es ist die letzte Chance das semi-freie System zu retten.

Android basiert zwar auf einem freien Kern, wird jedoch von den Herstellern mit zahllosen Eigenkreationen angereichert und zusätzlich mit allen Google Diensten versehen. Es ist damit - freie Basis hin oder her - hinsichtlich des Datenschutzes das schlechteste Betriebssystem auf dem Markt. Hinzu kommen die Probleme mit der Verteilung von Sicherheitsupdates und Funktionsupdates, die es auch sonst zu einem ziemlich unsicheren Betriebssystem machen.

Alle Projekte, die versucht haben auf Basis von Android etwas Eigenes zu erschaffen, sind damit gescheitert. Sowohl unabhängige Start Ups wie Cyanogen, wie auch Giganten wie Amazon. Die EU Kommission ist sich sicher, dass daran Googles Lizenzbedingungen Schuld sind. Primär geht es um die Vorgabe, dass Gerätehersteller nur dann Android-Geräte mit Google Diensten anbieten dürften, wenn sie keinen Ableger im Programm haben. Bei den Google Diensten galt zudem das Prinzip "Ganz oder gar nicht".

Das wird zukünftig zumindest in Europa anders sein. Künftig will Google bis zu 40 $ pro Gerät als Lizenzgebühren verlangen. Der Betrag wird wohl je nach Region variieren und zudem an die Pixeldichte des Smartphones gekoppelt sein. Über letzteres möchte man wohl die Top-Geräte von den Low-Budget Modellen unterscheiden. Im Gegenzug dürfen die Hersteller mehr Modifikationen vornehmen. So dürfen Hersteller wohl den Play Store vorinstallieren, aber auf Chrome Browser und Google Suche verzichten. Weiterhin dürften die Hardwarehersteller sowohl Geräte mit Googles Android im Programm haben, als auch Varianten mit Android-Forks.

Beides sind große Chancen, damit Hersteller und Community sich von Google emanzipieren können. Android ist kein schlechtes System, lediglich die enge Verzahnung mit Google belastet es in mannigfaltiger Hinsicht. Eine Emanzipation ist auch dringend notwendig, da Google mit Fuchsia bereits an einem Android-Nachfolger arbeitet, der dann eventuell nicht mal mehr im Kern frei sein wird.

Emanzipation von Android bedeutet sowohl die Pflege unabhängiger Forks, als auch die Einrichtung freier App Stores. Beides ist einfacher und höchstwahrscheinlich sinnvoller als Projekte wie das Purism Phone, bei denen ein mobil unerprobtes System mit einem bisher mobil untauglichen Desktop neu aus der Taufe gehoben wird.

Sofern die Community und zumindest einige Hersteller dann nicht in der Lage sind Android zu übernehmen verschwindet die letzte Hoffnung auf ein freies Betriebssystem auf dem mobilen Markt.


Bilder:

Einleitungs- und Beitragsbild von Pexels via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

"

Tags: Open Source, Android, Lizenz, Google

Die Kommentarfunktion auf [Mer]Curius soll allen interessierten Leserinnen und Lesern einen Austausch ermöglichen. Kritische Meinungen zum Artikel selbst oder anderen Kommentaren sind ausdrücklich erwünscht. Gleichwohl werden Kommentare vor ihrer Veröffentlichung geprüft. Sie erscheinen daher nicht im unmittelbaren Anschluss nach dem Verfassen.


Die Angabe einer E-Mail Adresse ist optional und lediglich notwendig, wenn ein Abonnement zukünftiger Kommentare gewünscht ist.


Informationen zu verarbeiteten personenbezogenen Daten entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung. Mit dem Verfassen eines Kommentars akzeptieren Sie diese Datenschutzbedingungen.

Lade Kommentar... Das Kommentar wird neu geladen in 00:00.
  • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
    user · Vor 21 Tagen
    >Beides ist einfacher und höchstwahrscheinlich sinnvoller als Projekte wie das Purism Phone

    Ich bin zwar auch sehr skeptisch, was den Erfolg des Purism Phone angeht, glaube aber nicht das man die Ziele von Purism mit einem Android Fork erreichen könnte. Dafür bedarf es wirklich eines Systems, das von Anfang an auf Nutzerkontrolle, Privatsphäre und Sicherheit ausgelegt ist, und natürlich offener Hardware. Deswegen hoffe ich, das das Librem 5 zu mindestens kein völliger Fehlschlag wird, sondern der Entwicklung eines freien mobilen Linux Systems weiteren Auftrieb gibt. Mehr als eine reines Nerd Phone wird es in diesem Stadium sicher nicht, aber wenn es zumindest kein Verlustgeschäft für die Firma wird, kann ja darauf aufgebaut werden.
  • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
    jonius · Vor 12 Tagen
    Auf Android-Geräten bekommt man nur mit großen Verrenkungen einen Port hin, der es einem erlaubt, alternative Systeme zu installieren (ich meine damit keine angepassten Androids, sondern das Linux-System der eigenen Wahl). Die einzige Lösung für dieses Problem ist eine vernünftige offene/standardisierte Hardware, wie man sie auf dem Desktop-Markt findet. Da ist Purism Pionier und leistet die wohl aktuell wichtigste Arbeit im mobilen Markt.
Schreibe etwas...
Sie sind Gast
oder als Gast schreiben
  • Betriebssystem wählen

    Das Betriebssystem mit dem Desktoprechner, Notebooks und Mobilgeräte wie Smartphones und Tablets betrieben werden, dient einerseits als Grundlage jeder weiteren Weiterlesen
  • Daten verschlüsseln

    Verschlüsselung von Daten ist eine der wichtigen Erstmaßnahmen um Datenabfluss zu vermeiden. Externe Festplatten oder Speichermedien kann man verlieren, Notebooks Weiterlesen
  • Kommunikation schützen

    Im Zuge der Digitalisierung haben sich auch die Kommunikations-Kanäle vervielfältigt. Videotelefonie, Instant Messenger, sowohl für den Desktop, als auch im Weiterlesen
  • Anonymisierung

    Anonymität gehört im Zeitalter von Werbetracking und Bestandsdatenabfragen der Vergangenheit an. Mit einigen speziellen Programmen wie TOR oder spezialisierten Systemen Weiterlesen
  • 1