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Warum scheitern alle Linux-Distributionen am AppStore?

Bild von harshahars via Pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

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App Stores sind gegenwärtig das Mittel der Wahl um Programme zu verwalten. Populär gemacht hat sie Apple mit dem iPhone aber inzwischen gibt es kaum ein System, das ohne sie auskommt. iOS, Android, macOS, Windows - und Linux? Nun, Linux versucht sich auch seit Jahren daran - und scheitert immer wieder. Die Frage ist warum?

Eigentlich hatten alle Linux-Distributionen gute Startbedingungen. Im Gegensatz zu Windows oder macOS verwaltete man die Software schon immer in handlichen Paketen über eine Paketverwaltung. Das gebündelte App Store-Prinzip war zum greifen nah. Es fehlten lediglich Metadaten und eine Trennung in "richtige" Programme und Bibliotheken etc., die als Abhängigkeiten benötigt wurden. Hier ist man in den letzten Jahren auch deutlich voran gekommen. Mit AppStream gibt es eine zentrale Stelle, die Metadaten zusammen trägt und von allen großen Distributionen unterstützt wird.

Leider scheitert man in der Praxis. Nachdem Ubuntu Software erst lange dahin siechte und schließlich zugunsten von GNOME Software aufgegeben wurde, gibt es noch zwei Stores: Plasma Discover und GNOME Software. Beide können über Backends mit allen großen Paketverwaltungen umgehen und beherrschen experimentell auch Snaps und Flatpaks.

Beide Lösungen versagen aber regelmäßig in der Praxis. Mit kaum einem Werkzeug schafft es der normale Anwender sein System mit Problemen zu belasten, wie mit der Benutzung eines Stores. Entweder weil man aus versehen Snaps statt normalen Paketen installiert oder weil Paketabhängigkeiten nicht korrekt aufgelöst werden. Manche Fehler sind auch gar nicht reproduzierbar. Die Kritik an diesen Systemen findet sich in fast jedem größeren Testbericht zu Ubuntu 18.04.

Die Distributionen gegeben dieses Problem quasi selbst zu indem sie wie Kubuntu mit Muon, Debian/Ubuntu mit Synaptic oder SUSE mit YaST klassische Paketverwaltungen empfehlen um Probleme zu lösen.

Trotzdem geht der Trend Richtung Store-Prinzip, weil man erkannt hat, dass bisherige Paketverwaltungen zu unübersichtlich, behäbig und zur modernen Softwareverwaltung nicht mehr zeitgemäß sind. Beim Basissystem mag das noch anders aussehen, aber die meisten Linux-Distributionen nehmen hier keine Trennung vor. Anders als z. B. FreeBSD, macOS oder Windows.

Warum scheitert Linux derart dabei eine moderne Programmverwaltung zu implementieren? Fehlender Wille alte Zöpfe abzuschneiden? Fehlende Unterstützung durch die Supportcommunity? Oder sehen wir bereits die Abkehr der Distributoren vom Desktop? App Stores spielen im Server- und Enterprise-Markt naturgemäß keine Rolle.

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Tags: Linux, Softwareauswahl, AppStream

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    Michael · Vor 19 Tagen
    Die Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Mit Ausnahme der App-Stores von iOS und Android funktionieren insbesondere die App-Stores von macOS und Microsoft eher "leidlich". Bei Microsoft kann ich absolut keine Programme finden, die ich als wesentlich ansehe (eher Spiele oder kleiner Apps, die als App-Web-Oberfläche funktionieren). Bei Apple verabschieden sich die größeren Softwarefirmen, da die Einschränkungen im App-Store zu groß sind (die Anwendungen müssen in einer Sandbox laufen etc.).

    Mit den "AppStores" bei Linux (bei der Aufzählung fehlte n.m.V. elementaryOS) haben bei mir recht gut funktioniert, wobei ich sie selten nutze. Als Linux-Anwender der alten Schule ist mir ein apt/dpkg deutlich lieber. Dass eine Software nicht auf Anhieb funktioniert, passiert ab und zu, wobei wir uns hier im OpenSource-Bereich befinden - d.h. eine Meldung an den Paketierer sollte dann erfolgen, wenn man schon seine Arbeitsleistung in Anspruch nimmt. Bei den AppStores von Google, Apple und Microsoft ist dies auch der Fall - dann aber besteht nur die Option der Rückerstattung/Deinstallation. Dann schiebt man es auf den App-Entwickler und nicht auf den Store.

    Im übrigen befindet sich netterweise im Gegensatz zu Google/Apple und Microsoft (dort am meisten) kaum bis gar keine Spyware etc. im Store. Da würde ich behaupten, dass das AppStore-Konzept funktioniert ;-)
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      Cruiz
      • Administrator
      · Vor 18 Tagen
      >Bei Apple verabschieden sich die größeren Softwarefirmen, da die Einschränkungen im App-Store zu groß sind (die Anwendungen müssen in einer Sandbox laufen etc.).

      Ich habe entsprechende Medienberichte auch gelesen, halte das aber für übertriebene Panikmache um Klicks zu generieren. Die dort genannten "großen" Entwickler kennt etwas überspitzt gesagt "keine Sau".

      Zu Microsofts Store fehlt mir die Erfahrung.

      >Mit den "AppStores" bei Linux (bei der Aufzählung fehlte n.m.V. elementaryOS) haben bei mir recht gut funktioniert, wobei ich sie selten nutze.


      Das scheinen auch die Entwickler zu tun, anders lassen sich diese Fehlfunktionen nicht erklären.
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        Michael · Vor 11 Tagen
        > "Ich habe entsprechende Medienberichte auch gelesen, halte das aber für übertriebene Panikmache um Klicks zu generieren. Die dort genannten "großen" Entwickler kennt etwas überspitzt gesagt "keine Sau"."

        Naja.... Mindestens zwei sind auf vielen Macs vorhanden und jedem "richtigen" Mac-User bekannt: GraphicsConverter (ist sehr eingeschränkt und der Entwickler - eigentlich jedem altem Mac-User bekannt - warnt vor der "AppStore-Version" - https://www.lemkesoft.de/produkte/graphicconverter/mac-app-store/) sowie LittleSnitch. Die - nach meinem Kenntnisstand - einzige sinnvoll nutzbare Disassembler-Software Hopper wird ebenfalls nicht über den Store vertrieben. Eigentlich kenne ich außer Apple-Software nur wenige sinnvolle Anwendungen, die man über den Store einspielt (abgespeckte Virenscanner, abgespeckte OCR-Software, abgespeckte und überteuerte Steuerprogramme - das waren meine Erfahrungen, ein recht gutes Medienverwaltungsprogramm). Auf der anderen Seite: Spiele interessieren mich nun einmal zu wenig.

        > "Das scheinen auch die Entwickler zu tun, anders lassen sich diese Fehlfunktionen nicht erklären."

        Wurden ihnen die Fehler berichtet? Ich selber installieren nur noch wenig Software, wenn das System eingerichtet ist...
        • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
          Cruiz
          • Administrator
          · Vor 10 Tagen
          Bei Little Snitch dürften eher die Beschränkungen des App Stores eine Rolle spielen. Man benötigt immerhin eine (veraltete) Kernel-Ext um den Traffic mitlesen zu können.
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    Daniel · Vor 19 Tagen
    Wo ist das Problem mit den bewährten Packetverwaltungen (apt)? Läuft bei mir seit langem ohne Probleme und bietet alles was ich brauche.
    • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
      Cruiz
      • Administrator
      · Vor 18 Tagen
      Sie sind nicht besonders intuitiv, es sei denn man arbeitet schon ewig mit Linux. Man muss ziemlich genau wissen was man sucht und dann die entsprechenden Befehle eingeben.

      "apt install verschlüsselung" bringt dir keine brauchbaren Ergebnisse.
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        vk1337 · Vor 18 Tagen
        Hier mal eine Meldung von einem Linux-Amateur, der nach und nach alles versucht auf Linux umzusetzen.
        Für ein paar Verwaltungsaufgaben eignet sich das Terminal hervorragend, viele Befehle kann ich mittlerweile im Schlaf.
        Allerdings - finde ich - ist "GNOME Software" in der Verwaltung der installierten Programme echt ein Graus. Fängt schon damit an, dass sich .deb-Pakete nicht immer auf Anhieb installieren lassen, oder aber doppelte Einträge in der Software-Liste vorhanden sind.
        IMHO halte ich GNOME Software für halbherzig hingeklatscht.

        tl;dr: Idee Gut, Umsetzung mies.

        Grüße
        Sebastian
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        name · Vor 15 Tagen
        apt search verschlüsselung schon eher. Intuitiv ist zugegebener Weise nicht.
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    Prokov94 · Vor 18 Tagen
    Ich denke man sollte das mit den AppStores sein lassen.
    Der Zug ist abgefahren und stattdessen sollte man sich bei Linux auf die Schlüsselqualifikationen konzentrieren. Sichere Systeme und Server.
    Alles was Linux Admins brauchen sind APT etc. Mit Snaps habe ich mich bisher noch gar nicht beschäftigt.
    Für die Endanwender geht eh alles immer mehr ins Web oder zumindest auf node.js.
    Heißt, statt versuchen einen AppStore zu bauen der Linux Programme und abhängigkeiten versteht, einfach alles wegschmeißen und mit Progressive Web Apps und NodeJS das richtig neu machen. Denn das ist meines erachtens einfacher, als diese ganzen Probleme in den AppStores.
  • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
    name · Vor 15 Tagen
    Abgesehen davon, das ich den Begriff AppStore unpassend finde, habe ich mich das ehrlich gesagt auch schon gefragt. Zwar bevorzuge ich zur Installation die klassische Paketverwaltung wie apt oder wenn es grafisch sein soll synaptic, grade zum "browsen" durch die verfügbare Software auf der Suche nach einem geeigneten Programm ist eine Software wie Muon oder Software Center aber deutlich besser geeignet. Leider kommen die wirklich nicht über das Betastadium hinaus.

    Warum kann ich aber auch nicht sagen. Desinteresse der Entwickler? oder gibt es wirklich so viele technische Probleme? Meiner naiven Vorstellung nach ist es doch nur eine simple GUI für die Paketverwaltung mit weniger Funktionen und mehr Metadaten.
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