Datenschutz im digitalen Alltag

Damit Privates privat bleibt

Symbolbild "Computer"

Tschüß KDE

Linux und KDE war für mich auf dem Desktop immer eins. Andere Entwicklungen nahm ich zwar zur Kenntnis aber über die Jahre hielt ich KDE immer die Treue. Manchmal frustriert, manchmal genervt aber ich sah nie eine Alternative. Diesen Monat stelle ich nun die letzten zwei verbliebenen Geräte auf eine andere Desktopoberfläche um.

Zu KDE bin ich eher durch Zufall bekommen. Damals, im Jahr 2007, wollte auf meinem Samsung R70 Ubuntu einfach nicht reibungslos funktionieren. OpenSUSE 10.3 hingegen schon. Der Standarddesktop von openSUSE war halt KDE 3.5 und so stieg ich damit in die Linux Welt ein. Den Umbruch auf die 4er Generation saß ich ziemich lange mit openSUSE 11.0 aus und stieg erst spät um. Trotz einiger Ausflüge zu GNOME 2 und schließlich der GNOME Shell führten mich mein Weg dennoch immer zu KDE zurück. Ich würde also behaupten, dass ich ein sehr leidensfähiger Anwender bin.

Seit einigen Jahren passt es aber irgendwie nicht mehr so richtig. Ironischerweise liegt das nicht an Bugs und Instabilitäten. Also jenen Standardvorwürfen, die KDE seit dem holprigen Wechsel auf Version 4 begleiten. KDE Plasma und viele angegliederte Programme funktionieren momentan so gut wie seit Jahren nicht. Der Wechsel auf macOS hat mir aber persönlich gezeigt, dass ein Menü nicht aus drölfzehn Punkten bestehen muss, wenn ich doch immer nur 3 davon brauche. Die Anpassungsvielfalt und Einstellungsmöglichkeiten benötigt man schließlich nur, wenn man mit der Standardkonfiguration nicht leben und arbeiten kann.

Für die virtuellen Maschinen verwende ich schon länger MATE, weil das ursprünglich ressourcenschonender war und grafische Effekte dort für mich keine Rolle spielen. Lediglich im klassischen Desktopeinsatz blieb es bei KDE Plasma. Vor allem aus Mangel an Alternativen. Xfce, MATE oder LXDE befriedigen nicht meinen Wunsch nach ein wenig optischem Pepp und die GNOME Shell und ich sind einfach nie Freunde geworden. Bei der GNOME Shell installiere ich immer so viele Extensions um arbeitsfähig zu sein, dass ich besser gleich zu einem anderen Desktop greife. Schließlich will man mit einem Desktop arbeiten und nicht gegen ihn.

Gleichzeitig sehe ich als aufmerksamer Beobachter einfach nicht mehr wohin die Reise bei KDE gehen soll. Jedes Jahr basteln ein paar GSoC Projekte irgendwelche Erweiterungen in den Desktop, die danach mit hoher Wahrscheinlichkeit brach liegen. Ein anderer Teil entwickelt an Kirigami und mobilen Applications. In Plasma liegen Altlasten wie z.B. die Aktivitäten, die nie wirklich zu Ende entwickelt wurden. Die VDG bastelt ohne jeden Plan oder Konzept hier und dort neue Menüpunkte und optische Veränderungen in das System. Ambitionierte Projekte wie Kube sind zum BER von KDE geworden, während die Anwender sich weiterhin mit dem strukturell kaputten Kontact abquälen dürfen.

KDE war für mich in den letzten Jahren schon primär die Kombination aus Plasma+Dolphin+Kontact+Firefox+Softmaker Office. Mit dem Schwenk bei Kubuntu und den strukturellen Mängeln von Kontact wäre es nun Plasma+Dolphin+Thunderbird+Firefox+Softmaker Office. Dazu noch ein paar weitere Programme wie ein Editor usw. usf. aber die konnte man schon immer passend zur Desktopoberfläche auswählen. Das hat KDE doch sehr ersetzbar gemacht. Nur Dolphin vermisst man unter anderen Desktopumgebungen.

Tschüß KDE.


Bilder:

Einleitungs- und Beitragsbild von Mudassar Iqbal via Pixabay 

"

Tags: Linux, Desktop, KDE

Ergänzungen zum Artikel

Weitere Informationen können den Nutzungsbedingungen entnommen werden.

Peter
Hallo Gerrit,

und durch was hast Du nun KDE ersetzt?

Gerrit
Zuletzt bearbeitet am 04.08.2020 23:52 von Gerrit
Die Desktops laufen jetzt alle mit der Pantheon Shell und elementary OS. Die VMs mit MATE.
Interessanter Beitrag. Ich bin seit 2006 Gnome Anwender und fand dein Einwand, daß man erstmal viele Addons installieren muß, um Gnome nutzen zu können, sehr trefflich. Ich kann mir auch nicht erklären wer bei Gnome sich dieses rohe Konzept ersinnte. Bei Pantheon benötigt man m.E. nach aber auch die Elementary Tweaks, da sonst die Fenster-Symbole mal links und mal rechts sind. Wie Du nutze ich auch MacOS. Ergo bevorzuge ich bei Gnome und Pantheon die Fenster strikt links.

VG
MichlFranken

Gerrit
Ohne die Tweaks geht es tatsächlich nicht, aber ich brauche diese ebenfalls nur für die Fensterelemente. Der Grad an notwendigen Anpassungen hält sich somit in Grenzen.
Ich bin mit der Gnome Shell eigentlich sehr zufrieden, ich habe zwar auch immer Mal wieder Extensions installiert aber dann doch meistens irgendwann wieder runter geworfen weil ich festgestellt habe, dass ich sie gar nicht nutze. Ich musste arbeitsbedingt auch eine ganze Weile mit Mac OS arbeiten und habe mich dort - aufgrund der Ähnlichkeit zu Gnome - eigentlich sofort zurecht gefunden, bis auf die Tastenkürzel, da musste ich mich erst einmal eine ganze Weile lang dran gewöhnen und auch die mittlere Maustaste hat mir gefehlt mit der ich selektierten Text irgendwo einfügen kann ohne ihn erst kopieren zu müssen und auch ein paar andere Dinge haben mir gefehlt. Aber deswegen kann ich das Argument "gegen den Desktop arbeiten" nicht ganz nachvollziehen, wenn einem egtl auch Mac OS gefällt. Ich bin jedenfalls froh mittlerweile wieder auf Gnome arbeiten zu können, mein Ausflug nach Mac OS war aber insgesamt auch eine gute Erfahrung und hat mir gezeigt was mir an Gnome so gefällt.
Jörn
Bei der Verwendung von KDE kann man einiges falsch machen.

So hat meines erachtens die Kombination Ubuntu/KDE noch nie richtig funktioniert. Das ging eher mit Suse, oder früher einmal mit Mint.

Möchte weiterhin auf KDE gestzt werden, so empfehle ich das Original von Neon: https://neon.kde.org

Gnome empfinde ich grausam, absolut nicht für jemanden, der beruflich einen Linux-Desktop benötigt und mehr möchte als ein paar Briefe zu schreiben. Dann eher Xfce mit Erweiterungen.

@ Nur Dolphin vermisst man unter anderen Desktopumgebungen.
Was hindert Dich, Dolphin unter 'egal welchem Desktop' zu installieren? Auf diesen würde ich persönlich keinesfalls verzichten wollen. Geteilte Ansicht, Netzwerkprotokolle (fish) und Plugins wie KDERename maches dies zur eierlegenden Wollmilchsau.

5000 Buchstaben übrig


  • 1

Über [Mer]Curius

Immer größere Teile unseres Lebens haben sich in den vergangenen Jahren digitalisiert. Es gibt heute unzählige Dienste und jeder Mensch hinterlässt permanent Spuren. Die Datensätze, die hier entstehen wecken viele Begehrlichkeiten. Es besteht aber auch die Möglichkeit durch gezielte Maßnahmen die eigene Datenspur zu minimieren und Daten effektiv und sicher zu schützen. Damit entgeht man zwar nicht jeder Überwachungsmaßnahme, erlangt aber zumindest teilweise die Kontrolle über die eigenen Daten zurück.

→ Mehr über [Mer]Curius