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Ubuntu Derivate 20.04 - E-Mail Programm wechsel dich

Die offiziellen Derivate von Ubuntu genießen traditionell eine große Unabhängigkeit. Man kann daher fast nicht von einer Distribution, sondern von mehreren Distributionen, sprechen. Besonders offenkundig aktuell bei den E-Mail Programmen.

Ich kann ehrlich gesagt nicht ganz verstehen, warum gerade die Mailprogramme so neuralgische Punkte sind. Seit Jahren wechseln da die Ubuntu-Derivate durch und setzen den Nutzern mit jedem zweiten Release was Neues vor. Auch das Haupt-Derivat Ubuntu hat ja den Wechsel von Evolution zu Thunderbird hinter sich. Dabei verändert sich das Portfolio eigentlich kaum. Seit ich Linux nutze gibt es im Grunde genommen nur drei vollwertige Lösungen: Evolution, Kontact/KMail und Thunderbird.

Ubuntu MATE wechselt offiziell mit der LTS 20.04 von Thunderbird zu Evolution. Die Entwickler haben das in den Release Notes ziemlich ausführlich begründet. Im Wesentlichen geht es den Entwicklern um eine bessere Systemintegration. Allerdings kann man nur hoffen, dass die MATE Entwickler sich auch um die Pflege von Evolution kümmern, weil es in universe liegt und somit anders als Thunderbird nicht direkt durch Canonical gepflegt wird.

Kubuntu wechselt ebenfalls mit diesem Release, aber quasi in die Gegenrichtung - weg von guter Systemintegration hin zu einem Fremdkörper. Dort wird nämlich Kontact durch Thunderbird ersetzt. Besonders die Kubuntu Entscheidung ist hochgradig intransparent. Natürlich ist Kontact kein unproblematischer Baustein, aber das ist es seit über 10 Jahren. Warum man jetzt stattdessen nun offiziell auf den Fremdkörper Thunderbird setzt erschließt sich nicht unbedingt. Es steht zudem zu befürchten, dass Kontact nun in universe ungepflegt verrottet.

Ich empfinde das als hochgradig unprofessionell - sowohl bei Ubuntu MATE, als auch bei Kubuntu. Standardpakete sollten nicht aus einer Laune der Entwickler heraus gewechselt werden, sondern sorgfältig überprüft und transparent begründet.

Ich begrüße Entwicklung und Fortschritt am Linux Desktop eigentlich grundsätzlich aber dieses E-Mail wechsel dich Spiel ist keine Entwicklung, es ist die Simulation von Aktivität. Mal sehen wann sich das Rad wieder zurück dreht.


Bilder:
Einleitungs- und Beitragsbild von ribkhan via pixaybay

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Tags: Entwicklung, Ubuntu, E-Mail, Kubuntu, Ubuntu MATE

Ergänzungen zum Artikel

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ted
meines wissens sind die kontact Entwickler auf die neuentwicklung kube umgestiegen. ich hätte gedacht, das irgendwann auf das programm umgeschwumgen wird. falls es irgendwann fertig ist. entwickler sind da ja ein eigenes, nicht umbedingt nutzerorientiertey völkchen.
Gerrit
An Kube entwickeln die schon ewig, aber das ist eher eine Parallelentwicklung. Die Kernentwickler von Kontact sind nicht gewechselt. Ich habe inzwischen auch erhebliche Zweifel, dass Kube jemals fertig wird. cool
noisefloor
Die Frage ist vielleicht auch, welche Relevanz ein E-Mail Client (noch) für den privaten Desktop hat. Die Clients für Smartphones und Tablets sind ja sehr leistungsfähig und ich würde auch sagen, das gibt es auch mehr Auswahl.
Ich selber nutze Thunderbird auf dem Desktop. Aber primär nutze ich einen Desktopclient und nicht das Webinterface der Anbieter, weil ich vier Mailaccounts bei drei Anbietern mehr oder minder regelmäßig nutze.
Mozilla tut sich ja auch eher schwer mit Thunderbird und der Entwicklung. Steht aber vielleicht im Vergleich zu Evolution und Kontact noch am besten da.

user
Die mangelnde Relevanz ist wohl das Hauptproblem. Thunderbird ist ja auch nicht grade in einer dynamischen Entwicklungsphase, insofern würde ich etwas Konkurrenz unter Linux eigentlich begrüßen, grade auch eine verstärkte Weiterentwicklung von Evolution.

Aber alle anderen E-Mail Clienten haben noch viel weniger Anwender (und wohl auch Entwickler). Persönlich kann ich das gar nicht nachvollziehen, trotz all den Messengern ist Email als Kommunikationsmittel für mich nicht wegzudenken, grade auch beruflich. Und Mails im Webclient zu schreiben, ist für mich nur eine Notlösung, erst recht auf dem Smartphone. Geht aber offenkundig einer Mehrheit nicht so.

Das Kubatur mal wieder eine wichtige Anwendungssoftware ohne Rücksicht auf Anwender austauscht, wundert mich dagegen gar nicht. Nur das es dann Thunderbird wird, ist wirklich erstaunlich, das ist ja das Gegenteil von bleeding Edge bzw. Experimentierbaukasten, erwartet hätte ich, das eine gut funktionierende Lösung durch etwas halbgares "zukunftfähiges" ersetzt wird. Da erscheint der Schritt zum altbackenen aber bewärtem Thunderbird überraschend vernünftig. Die Vermutung, dass sich das Rad bald zurückdreht, ist naheliegend.

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