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Wechselhürden zurück zu Linux

Gegenwärtig teste ich relativ viel mit dem kommenden Kubuntu 20.04 und parallel mit elementary OS. Der optische und funktionale Feinschliff der letzten Jahre gefällt schon und weckt immer mal wieder Gedanken auch mit den Hauptgeräten zurück zu Linux zu wechseln. Doch welche Wechselhürden sehe ich konkret. Ein ganz persönliches Resümee.

Immer wenn ich mit Linux auf realer Hardware arbeite oder neue Varianten teste überkommt mich der Wunsch doch zurück zu wechseln. Die Leistungen der Community sind oft toll und Linux und Open Source sind mir einfach sympathisch. Es fühlt sich einfach richtig an, mit Linux zu arbeiten. Mit Apple komme ich zwar gut klar und Hardware/Software bilden eine gute Symbiose aber Apple macht leider oft unsympathische Sachen, bei denen man sich fragt, ob man sie wirklich mit Geld unterstützen möchte. Ein Nostalgie-Gefühl, das mich bei Windows absolut nie überkommt. Leider muss ich mit den Geräten halt auch produktiv sein und bilanziere immer mal wieder welche Wechselkosten entstehen.

Ich beginne ganz optimistisch mit den Sachen, die absolut kein Problem sind und Ende dann bei den unüberwindbaren Hürden. Vielleicht ändert sich das in den kommenden Jahren und irgendwann stehen am Ende dieses Artikels keine Hürden mehr.

Keine Probleme

Basis & Desktop

Die Linux-Basis und die Desktopumgebungen sind schon lange kein Problem mehr. Ich persönlich hatte schon sehr lange keine Hardware, die unter Linux nicht funktionsfähig gewesen wäre. Die Desktopumgebungen sind hinsichtlich Stabilität und Funktionsvollständigkeit auch durchweg positiv. Egal ob man hier ein eher konservatives Setup mit Xfce oder MATE bevorzugt oder lieber die Mainstream-Umgebungen von GNOME und KDE wählt. Der Wechsel auf Wayland und die damit verbundenen Überwindungen technischer Limitationen und einiger problematischer Sicherheitsaspekte zieht sich zwar länger als gedacht, ist aber kein grundsätzliches Problem.

Browser & Internet

Egal ob man Sicherheit und Datenschutz mit Firefox realisieren möchte oder lieber seine intimsten Geheimnisse an Google mittels Chrome übermittelt. Linux lässt hier keine Wünsche offen. Demnächst gibt es vielleicht sogar Microsoft Edge für Linux. Egal ob surfen oder Medienkonsum - frühere Beschränkungen durch Flash oder DRM gibt es eigentlich nicht mehr.

Schwieriger wird es leider schon mit dem Nachrichtenkonsum. Ich arbeite primär mit RSS Feeds und einer FreshRSS Instanz (siehe: RSS Feeds synchron halten mit FreshRSS). Unter macOS gibt es ein dutzend Clients, die entweder über die Google API oder die Fever API damit synchronisieren können. Linux kennt exakt zwei Clients Liferea und FeedReader. Beides sind GTK-Anwendungen und würden zumindest unter KDE Plasma wie ein Fremdkörper wirken.

Kommunikation & Personal Information Management

Die integrierten macOS Programme Mail, Kalender und Kontakte sind ziemlich komfortabel und funktionieren auch gut. Es gibt aber ausreichend funktionale Linux-Äquivalente. Meiner Meinung nach war bei KDE die Entwicklung von Akonadi eine furchtbare Fehlentwicklung aber die Kontact-Suite funktioniert meist hinreichend. Man fragt sich manchmal wo Kontact heute stehen könnte wenn man nicht dieses Datenbank-Backend Monster geschaffen hätte. Bei GNOME und anderen GTK-Oberflächen bietet Evolution alle gewünschten Funktionen. Die Entwicklung scheint sich dort ebenfalls stabilisiert zu haben. Notfalls kann man schließlich immer noch auf Thunderbird ausweichen, wobei dieses trotz zahlloser Addons meiner Ansicht nach keine vollwertige PIM-Suite ist.

Jabber und Konsorten sind für mich komplett erledigt. Zum Glück bieten alle verbreiteten Messenger Webclients für den Desktop. Hier ist man also plattformunabhängig unterwegs.

Sonstige Tools

Viele kleinere Werkzeuge und für mich nicht ganz so wichtige Anwendungen sind ebenso kein Problem. Ob man nun Apple Karten oder Marble mit OpenStreetMap verwendet macht kaum einen Unterschied. KeePass-Dateien lassen sich unter jedem Betriebssystem öffnen. Bei Bildverwaltung ist DigiKam sehr vielen vergleichbaren Lösungen meilenweit überlegen. Bei vielen IT-nahen Tools wie FTP-Programmen, Konsole oder Virtualisierungslösungen ist die Auswahl unter Linux sogar deutlich besser.

Erste Problemfälle

Grafikarbeiten

Unter macOS habe ich Pixelmator und die Affinity Apps zu schätzen gelernt. Die Programme bedienen sich intuitiv und bieten einen hohen Funktionsumfang. Letzteres bietet natürlich auch GIMP aber irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass GIMP immer mehr den Anschluss verliert. Das Programm bedient sich noch immer wie vor 15 Jahren. Eine gute Alternative wäre inzwischen Krita, das große Fortschritte in den letzten Jahren gemacht hat. Krita bleibt aber im Kern ein Zeichenprogramm und keine Bildbearbeitung. Das sind keine unüberwindbaren Hürden, aber hier fangen die ersten Abstriche an.

Medienkonsum

Musikstreming spielt für mich keine Rolle und gute Musikplayer gibt es für Linux wie Sand am Meer. Ganz anders sieht das bei Podcasts aus. Die integrierte Podcast-Bibliothek, sowie die Synchronisation über die Geräte hinweg (Apple Hardware vorausgesetzt) konnte ich bisher bei Linux nicht in diesem Maße nachstellen. Es wären vermutlich eine Feed-basierte Podcast-Verwaltung nötig. So mancher Linux-Enthusiast entgegnet da sicherlich, dass genau dies doch eigentlich das technische Merkmal von Podcasts sei, aber die Zeit ist darüber inzwischen hinweg (Spotify, iTunes, Amazon etc. pp.).

Probleme

PDF Bibliothek

PDFs spielen in meinem Arbeitsalltag eine herausragende Rolle. Unter macOS arbeite ich mit PDF Expert. Für Linux gibt es zwar viele PDF-Betrachter (meist auf Poppler-Basis) aber kaum ein vollwertiges Werkzeug für PDFs. Stattdessen muss man mit vielen Kommandozeilenwerkzeugen hantieren oder den Master PDF Editor käuflich erwerben. Mit gut 78 Euro deutlich teuer als die Lizenz für PDF Expert.

Digitalisierung

Ich arbeite mit einem weitgehend digitalisierten Workflow (siehe: Papierloses Büro mit macOS). Das geht zwar theoretisch auch mit Linux (siehe Papierloses Büro mit Linux) aber deutlich schlechter. Die OCR-Ergebnisse mit gscan2pdf sind leider überhaupt nicht vergleichbar hinsichtlich der Qualität und ich konnte hier nie ein ähnliches Niveau erreichen. Umso seltsamer, da das von mir unter macOS genutzte Tool im Hintergrund auch auf Tesseract zurückgreift.

Literaturverwaltung

Literaturverwaltung ist ein sehr zentrales Thema in vielen Wissenschaften und bei Linux - von Zotero abgesehen - Brachland. Vermutlich liegt das an der LaTeX Fokussierung in unter Linux überproportional vertetenen den MINT-Fächern. Zotero wiederum basiert immer noch auf der Legacy XUL-Basis und wird seit Jahren mehr schlecht als recht gepflegt. Wenn ich jetzt unter Linux unbedingt eine Literaturverwaltung benötigen würde, wäre Zotero sicherlich erste Wahl. Wenn ich aber Alternativen in anderen Betriebssystemen so sehe (Citavi, EndNote) ist das schon eine enorme Wechselhürde.

Office

Leidiges Streitthema (siehe: Kommentar: Der Stand von LibreOffice) und deshalb hier knapp gehalten. LibreOffice wäre vielleicht gerne ein vollwertiger Ersatz für Microsoft Office - ist es aber in meinen Augen nicht. Ich habe keine Lust ständig an den Limitationen der Programme Writer, Calc und Impress vorbei arbeiten zu müssen. Zumal ohne Aussicht auf Besserung, da die Entwickler ihre Zukunft in den Wolken sehen.

Banking

Ich verwalte meine Bankkonten, Kreditkarten etc. pp. über die famose Software MoneyMoney. Die App arbeitet im Hintergrund mit diversen Technologien um alle möglichen und unmöglichen Banken zu unterstützen. HBCI, FinTS, Web-Scraping und demnächst vermutlich sogar gegen Abonnement ein Abruf über die PSD2-Schnittstelle.

Unter Linux kommt da funktional vielleicht KMyMoney in die Nähe. Die Integration mit aqbanking ist aber immer hakelig und Updates hinken den Banken immer hinterher.

Fazit

Die Wechselhürden für meine Hauptsysteme sind leider momentan immer noch zu hoch. Allerdings könnte es sowohl bei Linux immer noch positive Entwicklungen geben oder durch berufliche und private Veränderungen variiert sich mein persönliches Anforderungsportfolio. Dieser Artikel dient mir wohl in Zukunft als persönliche Checkliste wenn ich mal wieder mit Migrationsgedanken liebäugel.


Bilder:
Einleitungsbild und Beitragsbild von von geralt via pixabay

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Tags: Open Source, Linux, Apple, macOS, Programme, Wechsel

Ergänzungen zum Artikel

Weitere Informationen können den Nutzungsbedingungen entnommen werden.

Literaturverzeichnis:
Ich benutze seit einigen Jahren jabref https://www.jabref.org/ soweit ich weiß ist das Cross platform. Vielleicht magst du es dir Mal angucken. Die Entwickler sind sehr aktiv.

Gerrit
JabRef ist auch nur so ein BibTeX Aufsatz. Diese sind zwar ganz nett aber durch den zugrunde liegenden Standard funktional limitiert. Schon mal Citavi oder EndNote genutzt?
Malte
Vor ein paar Jahren hab ich es Mal ausprobiert, aber für mich war es nix. Was können die den so viel besser?
Gerrit
5000 Zeichen reichen leider nicht aus um die Funktionen aufzulisten, die Citavi von BibTex-Oberflächen unterscheidet. wink
Sehr lesenswerter Artikel. Präzise auf den Punkt gebraucht. Kann ich sehr gut nachvollziehen.
Mir geht sehr ähnlich. Ich nutze zum Surfen im Web überwiegend Linux und für Bildbearbeitung und Videoschnitt MacOS. Linux ist für den Heimanwender sicher eine gute Wahl aber wenn man auch berufliche Dinge erledigen muß, braucht man teilweise Software, die es unter Linux leider nicht gibt. Auch nicht via Flatpak oder Snap. Ist leider schade aber ist halt so.

Michael
Zitat :
Linux ist für den Heimanwender sicher eine gute Wahl aber wenn man auch berufliche Dinge erledigen muß, braucht man teilweise Software, die es unter Linux leider nicht gibt.


Das kommt immer darauf an, was man beruflich macht. Linux, macOS und Windows sind alles nur Betriebssysteme, die irgendwo immer ihren limitierenden Faktor haben. Gerade im IT-Sicherheitsbereich sieht es unter macOS eher mau aus (Ausnahme bildet hier vielleicht Hopper als RE-Tool für iOS-Apps) und die Software unter Windows ist entweder äußerst teuer (z.B. NetworkMiner) oder rein Windows-spezifisch (im Sinne der Analyse der Windows-Probleme). Gerade der OS-Bereich unter Linux ist hier recht lebendig.

In der Cloud-Entwicklung scheinen die Tools derzeit eher im Linux-Umfeld herauszukommen und danach auch für macOS und Windows. Microsoft bemüht sich sehr, dass das Betriebssystem nicht obsolet wird, da in diesem Entwicklungsumfeld derzeit am heißesten gekocht wird.

Im Bereich aber der Designer, der "Kreativwirtschaft", ist natürlich Linux ganz weit abgeschlagen und macOS oben auf. Im Banking-Sektor dürfte Windows das Rennen machen, ebenso in der Steuerung von Spezialgeräten (z.B. im Labor).

Wie gesagt, kommt es darauf an, was beruflich erledigt werden soll. Am auffälligsten sind immer die Verwaltungen, denen Windows auferlegt werden, was aber nicht mit der Verfügbarkeit der Software im Zusammenhang steht.

Malte
Okay, aber bitex ist nur die zugrunde liegende Datenstruktur. Du hast mit ihr nix zu tun. Im Prinzip könnte man auch sqlite nehmen. Das ist aber völlig irrelevant. Am Ende des Tages handelt es sich um eine Datenbankstruktur. Ich verstehe nicht wie die hier der limitierende Faktor sein kann. Es sei den du bist Facebook und musst 10^6 anfragen in 100ms beantworten.

Ich will nicht sagen daß es nicht sein kann das jabref deinen Ansprüchen nicht genügt, aber bitex kann eig nicht der Grund sein. Das wäre so als würdest du sagen: "Eine auf menschlicher Sprache basierende Datenbank kann meine Anforderungen nicht erfüllen. Nur Maschinensprache kann das"

Gerrit
Zitat :
Ich verstehe nicht wie die hier der limitierende Faktor sein kann.

Weil, zumindest als ich mich das letzte Mal damit beschäftigt habe, der Standard auf Interoperabilität angelegt ist. Du kannst also mit einem Programm keine Solonummer als Entwickler drehen, weil die BibTex Dateien dann in anderen Programmen nicht mehr funktionieren.

Schau dir mal den Funktionsumfang von Citavi an. Ein Blick auf die Homepage genügt dazu.

Malte
Bibtex schreibt nur eine Struktur vor. Hier gibt es quasi keine Limitierung.


Was limitiert, sind die darauf aufbauenden Teile, wie z.B. Biber, die bibtex Dateien einlesen und dann für Latex eine biblography erstellen. Dieser Teil ist aber ganz unabhängig voneinander. Jabref ermöglicht dir zwischen verschiedenen Standards zu wechseln. Es gibt hier keine Limitierung um irgendwelche Kompatibilität zu wahren.

Linuxkumpel
GNU/Linux kann viel, jedoch nicht alles. Bezüglich PDF, nutze mittlerweile dafür unter GNU/Linux Foxit Reader (kostenfrei).
Malte
Ich bin jetzt nur 5 min die Featureliste von Citavi durchgegangen, aber da ist imo nix dabei was es nicht auch in irgendeiner Form bei jabref gibt. Bedienbarkeit möchte ich hier Mal ausklammern.

Die Punkte unter
Recherchieren sind identisch.

Analysieren eben so

Strukturieren verstehe ich nicht so ganz. Hier vielleicht nicht. Aber meine Publikationen plane ich nicht mit meinem Literaturmanager, darum hat mir das bisher nicht gefehlt.

Beim Schreiben gibt es glaube ich auch keinen Unterschied. Wobei ich es für Word nicht weiß. Mit Writer ging es jedenfalls.
Ich glaube es geht auch mit Word, bin mir aber nicht sicher.

Beim kooperieren ist wohl das größte Problem sich zu einigen. Eine zentrale Datenbank kann man jedenfalls auch hosten.

Einen Organizer hat jabref auch nicht, aber wie schon beim Planen, das ist IMO auch nicht Aufgabe von dem Programm. Da gibt es andere.


Ich kann mir gut vorstellen, das jabref nicht alles kann was citavi kann, aber es kann alles was ein Literaturmanager können muss und noch einiges mehr. PDFs werden gelinkt und lassen sich mit einem Tastendruck öffnen. Kommentare in PDFs werden unter Notizen gelistet. Markierten wird ebenfalls übernommen. Man kann mit Schlagwörtern arbeiten. Zitate lassen sich beliebig formatieren. Es gibt ein addon für den automatischen import... Die Lernkurve hat aber keine Steigung von 0 und das performanteste aller Programme ist es auch nicht. Ich will nicht sagen daß es perfekt ist, aber es ist gut.

Christian
Zum Thema Banking: ich verwende Moneyplex von Matrica unter Linux und bin sehr zufrieden. Es gibt auch Versionen für Windows und MacOS - vielleicht ja mal einen Versuch wert?
Gerrit
Danke für den Hinweis. Das Programm habe ich tatsächlich nie auf dem Schirm, scheint aber alle gewünschten Funktionen zu bieten. Das merke ich mir unbedingt vor.
Ich nutze fürs Banking Jameica / Hibiscus und bin damit sehr zufrieden...
Gerrit
Das wird ja immer wieder empfohlen. Ich finde persönlich nur die Oberfläche so gruselig, dass ich damit wirklich nicht arbeiten möchte.
Anonymous
Was soll daran gruselig sein? Die sieht bei mir wie jede andere App aus? (Ich verwende Linux Mint Cinnamon).
Gerrit
Die sieht so aus, als ob der Entwickler noch nie was von UX und HiDPI gehört hat. Zumindest bei meinem letzten Test und eben gesuchte Screenshots sprechen nicht vom Gegenteil.
Anonymous
MichlFranken sagte :
für Bildbearbeitung und Videoschnitt MacOS.


Gerade für Bildbearbeitung und Videoschnitt benutze ich Linux - Gimp, Inkscape, Blender und Darktable für das Bild und DaVinci Resolve Studio für den Videoschnitt. Besser geht kaum.

Bei Homebanking (FinTS bzw. HBCI) benutze ich Hibiscus, Jameica und Syntax, werde mir in Zukunft auch mal Moneyplex ansehen.

Ein kommerzielles System MacOS mit Linux zu vergleichen ist irgendwie ... merkwürdig.


Gerrit
Zitat :
Ein kommerzielles System MacOS mit Linux zu vergleichen ist irgendwie ... merkwürdig.

Womit soll ich denn sonst vergleichen wenn ich Alternativen durchspiele? BSD? Meiner Mikrowelle?

Ich hatte nicht verglichen. Ich hatte nur beschrieben, wie ich für mich die Aufteilung zwischen den Betriebssystemen für mich vorgenommen habe. Mehr nicht. Generell bevorzuge ich immer offene Lösungen aber z.B. Videoschnitt ist mit Linux zwar grundsätzlich machbar z.B. Shotcut aber unter MacOS gab es Lösungen, die mir besser gefielen.
Peter Lustig
Vielen Dank für den hervorragenden Artikel, der mir 1:1 aus der Seele spricht. Insbesondere was zum Thema PDF geschrieben wurde, hält auch mich zum Wechsel der "produktiven" Rechner auf Linux ab. Ich habe schon verschiedene Tools getestet, aber einen vernünftigen Workflow (Scannen -> OCR -> Ablage) in Verbindung mit einer guten OCR-Qualität (!!!) ist unter Linux einfach nicht hinzubekommen. Und OCR möchte ich in 2020 nicht über Terminal-Befehle etc. machen wollen. Akzeptabel ist nur der bereits erwähnte Master PDF Editor, der käuflich zu erwerben ist. Schade, denn eigentlich bin ich ein Linux-Fan, aber wenn ich es auf meinen Haupt-Maschinen aus den genannten Gründen nicht einsetzen kann, ist mir meine Zeit zum "rumfrickeln" doch zu schade. Aber vielleicht gibt es ja noch Anregungen von Euch oder Tools, die ich bisher übersehen habe.
Michael
Zitat :
vernünftigen Workflow (Scannen -> OCR -> Ablage)


Der Workflow funktioniert bei mir recht gut, den ich zuvor vom macOS übernommen habe. Als OCR verwende ich primär zwar noch eine alte Windows-Software (FineReader Version 5), aber löse es sukzessive durch PDF Studio Pro ab, welches recht gute Scan-Ergebnisse liefert. Mit tesseract steht eigentlich auch eine gute OCR-Engine von Google und HP zur Verfügung. (Im Wikipedia-Artikel sind ein paar Programme genannt. Viele kommerzielle nutzen ebenfalls diese Engine.)

Zitat :
OCR möchte ich in 2020 nicht über Terminal-Befehle etc. machen wollen.


Das ist der Nachteil des KISS-Prinzips von Unix/Linux. Abseits davon ist n.m.M. Linux auch wirklich schlecht. Aber ich sehe es eher als Vorteil an, dass ich vieles über die Shell einfach lösen kann.

Bei einer Windows Server 2016-Schulung versuchte ich das Gegenteil. Eigentlich sollten sich alle Aufgaben auch per PowerShell lösen lassen. Das funktionierte aber nicht, da irgendwelche Pakete und Einstellungen (zu dem Zeitpunkt) nur über die graphische Oberfläche eingerichtet werden konnten (bzw. diese unbedingt installiert haben wollten). Damit war für mich Windows als Server-Betriebssystem auch in der Core-Version passé (insbesondere wenn ich an Windows-Images unter Docker denke...).

Wenn man wirklich Programme mit schöner Oberfläche nutzen möchte, dann ist sicherlich macOS die bessere Wahl. Wenn man den Kompromiss eingehen kann, dass das ein oder andere doch nur über die Shell sauber zu lösen ist (und es gibt wirklich gute Abläufe, die man darüber automatisieren kann), dann kann man Linux mit den vielen weiteren Vorteilen nutzen. Auch 2020 darf man unter Linux keine Scheu vor der Shell haben.

Anmerkung: das hat auch Microsoft gelernt und die PowerShell seit dem Windows Server 2016 massiv ausgebaut. CI/CD sowie Docker/Kubernetes ohne Shell-Kenntnisse ist echt schwierig - trotz Jenkins und einigen "Klicki-Bunti-Oberflächen".

Michael
Moneyplex von Matrica wurde ja schon mehrfach erwähnt. Es scheint mehr Funktionen zu haben als "MoneyMoney", sieht aber sicherlich nicht so hübsch aus (was bei mac-Anwender eher das Kriterium ist :-] ) Auf jeden Fall ist es besser zu bedienen als MacGiro, welches ich für den Mac kenne.

Dass 78,- EUR deutlich teurer sein sollen als 79,99 US$ (Link) geht mir nicht so ganz in den Kopf, aber als Alternative steht, PDF Studio bereit, welches in der Pro-Version auch eine OCR-Erkennung mitbringt. Aus meiner Sicht nicht schlecht. Hier verwende ich aber seit einigen Jahren immer noch ABBEY FineReader (in der Uralt-Version 5.0) unter Wine, weil meine Einbildung mir sagt, dass die Erkennung besser als Tesseract wäre. Vermutlich ist es aber nur mein Workflow. ABBEY Finereader gibt es unter macOS und Linux nur in den teuren professionellen Versionen, die ich mir beide nicht angeschaut habe (ABBEY Express unter MacOS war noch ganz nett, wurde aber wohl eingestellt... Ich konnte es auf dem Mac nicht mehr wieder installieren, weil es aus dem AppStore entfernt wurde).

Unter Linux (aber auch macOS) würde ich stark Softmaker Office empfehlen anzuschauen, denn mit dem Duden-Korrektor ist es aus meiner Sicht Microsoft Office überlegen. Weiterhin braucht man sich keine Sorgen zu machen, dass zu viele Daten abfließen. Wer etwas professioneller schreiben will, der kann auch unter Linux (und "halb-offiziell") Papyrus Autor unter Wine gut zum Laufen bringen. Auch wenn Wine gerne als "Krückstock" angesehen wird, manches funktioniert sehr gut, da anscheinend einige Software-Hersteller auch darauf achten, dass die Software darunter läuft, um keine weitere Entwicklungsschiene aufmachen zu müssen - aber ohne offiziellen Support (z.B. Scrivener von Literatur&Latte, FinePDF etc.).

Software unter macOS, die ich unter Linux vermisse, sind eher SoundStudio (intuitiver zu bedienen als Audacity), DEVONthink, GraphicConverter und einem Programm, mit dem gut Bücher etc. verwalten kann. Ich finde auch Pages als "Pseudo-DTP für Arme" angenehm und Scribus viel zu wenig intuitiv, wenn man nur schnell ein Plakat oder ähnliches erstellen will. Aber es hängt eben stark davon ab, wofür man den Rechner nutzen will...

user
Grundsätzlich kann ich den Artikel nachvollziehen, wenn ich natürlich auch einige Punkte anders gewichten würde.

Aber es ist einfach so, dass die Softwarevielfalt unter Linux doch stark limitiert ist, und wenn man intensiv und zu mindestens semiproffesionell in einem Bereich arbeitet, findet man fast immer unter Windows oder Mac eine Software die besser an die eigenen Anforderungen angepasst ist, oder wenn man Pech hat auch alternativlos ist. Häufig sind es wie in den Beispielen hier nur kleiner Abstriche, die man machen muss, die sich dann aber ganz schön aufsummieren können.

Privat bin ich bereit, diese Abstriche zu machen, das wird für mich durch die Offenheit des Systems mehr als ausgeglichen, und es gibt auch für alle meine Anwendungsfälle ausreichend gute Anwendungen, aber auch da sind die Schmerzgrenzen unterschiedlich.

Beruflich habe ich als nicht selbständiger die Wahl ohnehin nicht, würde da aber wohl deutlich weniger Kompromisse eingehen.

Ändern wird sich an dieser Situation nach meiner Einschätzung nichts mehr, entweder kommt man mit der Softwareauswahl unter Linux zurecht (und für viele Anwendungsfälle kann man das inzwischen ganz gut) oder eben nicht. Aber die unterschiede werden nach meiner Beobachtung eher wieder größer als kleiner, was vielleicht auch mit der abnehmenden Bedeutung des Desktop überhaupt zusammen hängt, und sicher auch mit der zunehmenden Komplexität von Softwareentwicklung.


Teleborian
Für die Digitalisierung könntest du mal das Tool Paperwork probieren. Es macht das ganz gut.

Als Ersatz für Libreoffice könntest du auch Softmaker Office versuchen ein kleines Unternehmen mit erstaunlich guter Software.

Falls du bei Thunderbird das Adressbuch meinst, dann kannst du hier mal das Add-on CardBook versuchen. Das Ding ist einfach der Hammer. Für Podcasts verwende ich halt nur Antennapod da gäbe es auch ein Snchronisations werkzeug, dessen tools ich aber nicht kenne:
gpoddernet.net
https://gpoddernet.readthedocs.io/en/latest/user/clients.html


Unix-Fan
Vom Mac-Desktop auf einen Linux-Desktop umsteigen könnt ich schon, aber der Komfort geht völlig flöten, weil ich das Gesamtpaket betrachte.

RSS lesen:
Reeder 4 auf iOS und Mac. Gleiche Einstellungen, keine Umgewöhnung
Unter Linux ist die Auswahl eher eingeschränkt, was die Fever API unterstützt. Ich möchte das Programm ja auch nutzen weil es mir gefällt und nicht nur, weil es keine Alternative gibt...

Onlinebanking:
Banking4 legt verschlüsselte Containerdatei an, die ich über den eigenen WebDAV Server synchronisiere. Ist dann ebenfalls auf allen Geräten (iPhone, iPad, Mac) exakt gleich.

Groupware:
Wie bei RSS. Hier kommt noch hinzu: es muss stabil laufen, für Kalender/Kontakte nicht zu viele Ressourcen verschwenden und zwischen iOS und Desktop die Felder auch richtig benennen und nicht irgendwie nur Vorname, Nachname, tel1234 und eine@einzige.mailadresse.de synchronsieren, die nach jedem Sync-Vorgang mal die geschäftliche Mail oder private Telefonnummer ist. Ist natürlich überspitzt geschrieben, aber nur zum Verständnis. Ich guck mir nicht jede Version wieder im Detail an, war vor Monaten und ist kostbare Lebenszeit für andere/bessere Dinge...

Office
Brauch ich nicht. Wenn sich 2 streiten (MS und Libre), nehm ich Pages, Numbers und Keynote. Haben eh schon zu viele Funktionen.

OCR
Vor Jahren(!) ABBY Finereader Pro gekauft. Deshalb liegen die Kosten bei 10,-/Jahr, nächstes Jahr ist es wieder günstiger geworden. Qualität und Funktionen reichen mir.

Bildbearbeitung
Pixelmator - besonders weil ich mich in Gimp und Photoshop nicht reinfuchsen möchte. Mache/brauche viel zu wenig Bildbearbeitung.

Desktop
Verwende nur noch das Trackpad von Apple, ein bis Mehr-Finger Gesten, viele Apps in Fullscreen, wische wie ein Weltmeister hin und her und wer das einmal gewohnt ist, kommt nicht so schnell weg.
Ebenso die Desktop-Suche mit Spotlight und die Möglichkeit, Tastenkürzel der Apps auf eigene Wünsche zu ändern. Tab nach links/rechts wechseln ist nun in jeder App mit Tabs CMD + Ö/Ä (cmd-ö/ä war mal im Terminal default) und nicht immer unterschiedlich. Wieso soll ich mir das vom Programmierer merken, wo jeder meint, er weiß es besser. Nein, weiß er nicht.

Sonstiges:
Andere genutzte Programme gibt es für macOS und Linux. Aber genau hier ist der Mac im Vorteil weil es eben diesen Hauch mehr an Apps gibt.
macOS ist auch ein Unix, also Shell & co alles gleich. Mit Homebrew sind alle bekannten Tools installiert, die es auch für Linux gibt.

JumpDesktop kann die Tastenkürzel im Programm ändern. Kurz: ich habe die gleichen Tastenkürzel im Windows-Desktop (brauch ich für die Arbeit) wie unter macOS. Muss ebenfalls nicht umdenken.

Dann kommen noch so nette Tools wie Photosync (im LAN Bilder vom iPhone zum Mac senden und in der iOS App noch vieles mehr) hinzu, die so selbstverständlich geworden sind, dass ich sie schon gar nicht mehr beachte.

Kurz: Linux verwende ich weiterhin auf Server, Raspi, als Docker-Host, usw., aber Haupt-Desktop bleibt macOS als Unix-System. Ich bin ein Unix-Fan und kein Linux-Fanatiker mit Tunnelblick

justsaying
Christian sagte :
Zum Thema Banking: ich verwende Moneyplex von Matrica unter Linux und bin sehr zufrieden. Es gibt auch Versionen für Windows und MacOS - vielleicht ja mal einen Versuch wert?


Ich kann die Empfehlung von Christian voll unerstützen. Wir haben Moneyplex im betrieblichen Umfeld im Einsatz u.a. wegen des vielfältigen
Exportmöglichkeiten - darunter DATEV Format. Häufig haben wir erlebt, dass unsere Anfragen und Bitte um Hilfestellung durch den Support sehr
zeitnah beantwortet wurden.

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Immer größere Teile unseres Lebens haben sich in den vergangenen Jahren digitalisiert. Es gibt heute unzählige Dienste und jeder Mensch hinterlässt permanent Spuren. Die Datensätze, die hier entstehen wecken viele Begehrlichkeiten. Es besteht aber auch die Möglichkeit durch gezielte Maßnahmen die eigene Datenspur zu minimieren und Daten effektiv und sicher zu schützen. Damit entgeht man zwar nicht jeder Überwachungsmaßnahme, erlangt aber zumindest teilweise die Kontrolle über die eigenen Daten zurück.

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