Datenschutz im digitalen Alltag

Damit Privates privat bleibt

Linux auf dem Lenovo IdeaPad 330p

Die Laufzeit von Hardware verlängert sich seit einigen Jahren spürbar und das sehr zum Leidwesen der Hersteller. Der technische Fortschritt ist – abgesehen von den Hardcore-Gamern und Menschen die berufsbedingt viel Rechenleistung brauchen – nicht mehr so spürbar und die Anforderungen an Notebooks und PC’s sind in Zeiten von Smartphones und Tablets auch eher rückläufig. Alle paar Jahre braucht der Mensch aber doch mal ein neues Gerät – und sei es nur weil das alte plötzlich die Grätsche macht.

Weil genau letzteres eingetreten ist musste zudem sehr schnell ein neues her und das ohne langwierige Recherche. Klein und Leicht muss es sein, aber ein Display zwischen 13″ und 14″ sollte es dann schon haben. Da das Gerät zudem nur 1-2 Mal die Woche zum Einsatz kommt war das Budget ziemlich limitiert. Wer gibt schon 1 000 € für ein Gerät aus, an dem man lediglich max. 12 Stunden die Woche arbeitet. Das Ergebnis führte zum Lenovo IdeaPad U330p, das derzeit bei größeren Onlineshops für 499€ ohne Betriebssystem zu haben ist.

Für die Zahlenfetischisten kurz die Eckdaten:

  • Intel Core i5 (Haswell) 1,6 Ghz (2,5 Ghz bei Turbo-Boost)
  • Intel HD 4400 Grafikkarte 4 GB RAM
  • 13.3″, HD 1366×768 Display 5
  • 00 GB SSHD

So ganz ohne vorherige Recherche war es natürlich spannend ob überhaupt und wenn ja wie gut Linux auf dem Gerät laufen würde. Aber dazu später mehr.

Die Hardware

Man könnte jetzt hier so ein peinliches interessantes Unboxing-Video machen. So, wow ich kann einen Karton auspacken und das Logo darauf ist so stylisch. Gut, ich bin keine 15 mehr und habe in meinem Leben schon so einige Kartons geöffnet, deshalb erspare ich euch das mal hier.

Das Subnotebook (ein Ultrabook ist es offiziell ja nicht) hat eine wirklich tolle Haptik. Der Displaydeckel, die Handballenauflage und die Unterseite sind aus Aluminium. Lediglich der Display-Rand ist aus Plastik (oder Polycarbonat, wie es heute im Herstellerdeutsch mancher Jubel-Blogs heißt…). Natürlich ist das ganze nicht “aus einem Aluminiumblock gefräst” wie mancher Fallobstsammler nun bemäkeln mag, aber die Verarbeitung ist für ein 500 € Gerät wirklich gut.

Die Tastatur hat einen relativ kurzen Hub, was natürlich der Bauart geschuldet ist. Ansonsten ist sie aber wirklich gut und gibt auch an keinem Punkt nach oder ähnliches. Längere Text würde ich zwar nicht auf diesem Gerät verfassen wollen, aber dafür ist es auch nicht angeschafft worden.

Das Display wurde in einigen Testberichten ziemlich heftig kritisiert. In der Tat ist es relativ dunkel und eine interessante Mischung aus Matt und Glänzend. Faktisch ist die Displayhelligkeit aber absolut ausreichend. Selbst im Zug bei voller seitlicher Sonneneinstrahlung lässt sich ein PDF problemlos lesen. Als Historiker arbeitet man ansonsten ja eh eher in Räumen, die sich weder durch zahlreiche künstliche Lichtquellen, noch durch viele Fenster auszeichnen. Auch hier wieder: Es ist ein 500 € Gerät. Will ich ein Retina-Display mit genug Beleuchtung um ein Zimmer damit auszuleuchten muss ich schon minimum 1 000 € auf den Tisch legen. Die Erwartungshaltung mancher Rezensenten und Kommentatoren scheint in Zeiten stetig fallender Preise jegliche Bodenhaftung verloren zu haben.

Positiv überrascht hat mich die 500 GB HDD mit 8 GB SSD Cache. Nennt sich SSHD. Natürlich kann das keine vollwertige SSD ersetzen, aber der Unterschied zu einer herkömmlichen HDD ist enorm.

Die Frage aller Fragen: Läuft Linux?

Laut Hersteller kommt das Lenovo IdeaPad U330p mit FreeDOS vorinstalliert, d.h. ohne Windows. Das war definitiv ein Grund für den Kauf, denn ungenutzte Windows-Lizenzen jeglicher Version liegen hier bereits genug herum. Interessante Überraschung: Es ist wirklich FreeDOS vorinstalliert. Das ist ja keineswegs selbstverständlich. Die Hersteller müssen zwar ein Betriebssystem angeben, manchmal findet sich dann aber nichts auf der Festplatte oder es ist irgendein Nischen-Linux vorinstalliert. Wegen FreeDOS ist im BIOS der Legacy-Modus eingestellt. Vor der Installation muss man hier deshalb noch auf UEFI umstellen. Lenovo baut zum Glück in seine Geräte einen kleinen Knopf an der linken Seite an, über den man bequem die BIOS-Einstellungen und die Startmedien aufrufen kann.

Installation

Nun musste eine Distribution her. Eigentlich hatte ich dafür Debian Jessie auserkoren aber das Ultrabook Subnotebook hat (leider) keinen Ethernet-Anschluss – was wieder einmal der Bauhöhe geschuldet ist. Der Einfachheit halber erfolgte die Testinstallation deshalb mit Kubuntu 14.04.1 LTS. Dieses ließ sich einfach auf einen einen USB-Stick kopieren und benötigt für die Installation nicht unbedingt eine Internetverbindung. Die Installation läuft problemlos durch und die Hardware wird vollständig erkannt und eingerichtet. WLAN Wirklich vollständig, keine Probleme? Vollkommen unmöglich wird mancher nun sagen. Linux ist schließlich als Frickelsystem verschrien. Gut, ein kleines Problem gibt es dann doch: Der WLAN Empfang des Gerätes ist nicht wirklich gut. Ein Problem mit dem gemäß den Testberichten wohl auch Windows-Nutzer zu kämpfen haben.

Alls Linux-Nutzer kann man sich wenigstens helfen. Erste Abhilfe schafft die Installation des 3.16er Kernel aus dem LTS Enablement Stack. Je nach Router und WLAN Einstellungen kann das schon reichen. Verbessern kann man die Empfangsstabilität noch, indem man den N-Modus im Notebook abschaltet.

N-Modus und Warteschlangenüberwachung lässt sich mit folgendem Eintrag abschalten:

echo “options iwlwifi 11n_disable=1 wd_disable=1″ | sudo tee /etc/modprobe.d/iwlwifi.conf

Dieser Workaround ist allerings mit neueren Kernelversionen meiner Erfahrung nach nicht mehr unbedingt notwendig.

Danach neustarten und das WLAN sollte hinreichend stabil laufen. Wer natürlich im Westflügel des heimischen Anwesens sein Büro hat, während der Router in der Gesindeküche im Ostflügel steht, sollte sich evtl. nach einem anderen Notebook umsehen.

Exkurs: Debian Netinstall ohne Ethernet-Port

Auf der Debian-Webseite versprechen die Debian-Maintainer allerdings, dass eine Netinstall (mit Einschränkungen) auch via WLAN möglich ist. 

Debians Installationsroutine (natürlich nach einbinden der unfreien firmware-Pakete) erkennt das WLAN und richtet es ein. Die Installation danach ist Routine, UEFI und LUKS/LVM werden zufriedenstellend eingerichtet. Bei der Task-Auswahl entscheidet man sich natürlich nur für eine Minimalinstallation.

Nach dem Neustart in das installierte System hat man erst einmal kein WLAN, da die Daten aus der Installationsroutine nicht automatisch übernommen werden. Also muss doch wpa_supplicant und ifup ran. Wenigstens ist beides in der Minimalinstallation enthalten.

Die Zugangsdaten trägt an in /etc/interfaces/network ein.

auto wlan0
iface wlan0
inet dhcp
wpa-ssid <Meine SSID>
wpa-psk <Mein Passwort>

Dann noch das WLAN aktivieren mit:

# ifup wlan0

Danach kann man wie gewohnt die notwendigen Pakete installieren. Sofern man auf den NetworkManager wechselt, muss man die Einträge in der network-Datei wieder entfernen.

KDE SC Einstellungen

Die Intel HD 4400 ersetzt zwar keine dezidierte Grafikkarte, aber für den Einsatzzweck des Subnotebooks reicht es. Allerdings muss man noch einige Einstellungen in den Desktopeffekten einstellen, weil die Grafikkarte wesentlich mehr kann, als Kubuntu bei den Standardeinstellungen festlegt. Unter Systemeinstellungen | Arbeitsflächen-Effekte im Reiter Erweitert kann man den Composit-Typ auf OpenGL 3.1 verändern und das Qt-Grafiksystem auf nativ. Wer den aktuellen HWE Stack (X-Server 1.16) installiert hat, kann den Composit-Typ auch auf OpenGL 4.0 festlegen. Weil das für meine Einsatzzwecke aber keinen substanziellen Vorteil bringt, aber die Stacks immer nur 9 Monate Support erhalten, während die Originalpakete bis zum EOL von 14.04 unterstützt werden bleibe ich bei selbigen.

Unter Systemeinstellungen | Eingabegeräte | Touchpad hat KDE seit einiger Zeit eine wirklich gute grafische Touchpadverwaltung. Hier kann es sich lohnen das Touchpad beim tippen und bei einer angesteckten externen Maus automatisch abzuschalten.

Akku

Der Akku lässt einen bei eingeschaltetem WLAN, auf 60% gedimmtes Display und leichten Schreib- und Surftätigkeiten auch unter Linux 5-6 Stunden arbeiten.Die Leistungsaufnahme schwankt zwischen 5,7 und 9W und damit genau in dem Rahmen, der auch bei Tests mit Windows erreicht wurde. Besondere Einstellungen müssen mit Linux also nicht durchgeführt werden, zumal viele meiner Ansicht nach eher einen Placebo-Effekt haben.

Fazit

Das Lenovo IdeaPad U330p ist ein Subnotebook mit dem man nicht viel falsch machen kann. Obwohl der Kauf ohne vorherige Recherche durchgeführt wurde läuft eine aktuelle Linux-Distribution out of the Box. Da fragt man sich schon was manche immer für Hardware anschleppen um zu ihrem Frickelproblem zu kommen…

Tags: Linux, Lenovo, IdeaPad, 330p

Ergänzungen zum Artikel

Weitere Informationen können den Nutzungsbedingungen entnommen werden.

5000 Buchstaben übrig


  • Betriebssystem wählen

    Das Betriebssystem mit dem Desktoprechner, Notebooks und Mobilgeräte wie Smartphones und Tablets betrieben werden, dient einerseits als Grundlage jeder weiteren Weiterlesen
  • Daten verschlüsseln

    Verschlüsselung von Daten ist eine der wichtigen Erstmaßnahmen um Datenabfluss zu vermeiden. Externe Festplatten oder Speichermedien kann man verlieren, Notebooks Weiterlesen
  • Kommunikation schützen

    Im Zuge der Digitalisierung haben sich auch die Kommunikations-Kanäle vervielfältigt. Videotelefonie, Instant Messenger, sowohl für den Desktop, als auch im Weiterlesen
  • Anonymisierung

    Anonymität gehört im Zeitalter von Werbetracking und Bestandsdatenabfragen der Vergangenheit an. Mit einigen speziellen Programmen wie TOR oder spezialisierten Systemen Weiterlesen
  • 1

Über [Mer]Curius

Immer größere Teile unseres Lebens haben sich in den vergangenen Jahren digitalisiert. Es gibt heute unzählige Dienste und jeder Mensch hinterlässt permanent Spuren. Die Datensätze, die hier entstehen wecken viele Begehrlichkeiten. Es besteht aber auch die Möglichkeit durch gezielte Maßnahmen die eigene Datenspur zu minimieren und Daten effektiv und sicher zu schützen. Damit entgeht man zwar nicht jeder Überwachungsmaßnahme, erlangt aber zumindest teilweise die Kontrolle über die eigenen Daten zurück.

→ Mehr über [Mer]Curius