Betriebssysteme – Verbreitung und Marktanteile

Im Blog schreibe ich regelmäßig über unterschiedliche Betriebssysteme und versuche gerne den normalen Nutzer im Blick zu behalten. In der Community kursieren dazu manchmal komische Vorstellungen. Deshalb man ein Blick auf die Fakten.

Nicht nur beim Thema Betriebssysteme gibt es bei vielen “gefühlte Wahrheiten”, die sich aus dem persönlichen Nutzungsverhalten und dem, was man so in seinem Umfeld sieht, ergibt. In der Linux-Community kursieren da manchmal lustige Annahmen, wenn einige behaupten, Linux müsste doch bestimmt 10 % Marktanteil haben oder mobil wären Custom ROMs eine relevante Größe. Solche verzerrten Wahrnehmungen gibt es aber natürlich auch in anderen Communitys.

Eine Möglichkeit an Zahlen zu kommen, bietet Statista. Dabei handelt es sich um ein deutsches Unternehmen, das Daten zu vielen verschiedenen Themen zusammen trägt und aufbereitet. Einige Informationen sind kostenlos, für andere benötigt man eine kostenpflichtige Lizenz. Wer hier als Mitarbeiter oder Student Angehöriger einer Universität ist, kann mal schauen, ob es dafür eine Campuslizenz gibt.

Die Zahlen sind nicht perfekt, sondern werden unter anderem über Millionen Page Views erhoben und aus Lizenzgründen kann ich die genauen Zahlen und Grafiken hier im Blog nicht übernehmen, aber möchte mal eine Trends verdeutlichen und mit Zahlen aus anderen Quellen anreichern, um mal eine gemeinsame Diskussionsgrundlage herzustellen.

Desktopsysteme

Alle Hersteller arbeiten an konvergenten Systemen und Desktop und Smartphone / Tablet nähern sich sukzessiv an, aber noch macht es Sinn, in Desktop- und Mobilbetriebssystem zu trennen.

Am Desktop hält Microsoft mit Windows knapp 75 % des weltweiten Marktanteils, gefolgt von macOS mit ca. 15 % und dann erst Linux mit knapp über 2 % (Statista). Deutschland ist da erstaunlich nahe an den weltweiten Werten (Statista), anders als beispielsweise die USA. Dort hält Windows nur noch knapp 60 %, dafür kommt macOS auf fast 25-30% und Googles ChromeOS kommt hier auf ca. 8 %. Linux hat weniger als 2 % und ist sogar leicht rückläufig (Statista), wobei man das bei so kleinen Marktanteilen sicher schwer zu erheben ist.

Alles Humbug? Mit Steam erhebt eine weitere Stelle umfassend Daten und da sieht das sogar noch besser für Windows aus. Zuletzt kam Microsofts Betriebssystem auf knapp 96 % und macOS kommt auf lediglich 2,70 % und Linux nur auf 1,16 %.

Bei Statista kann man die Erhebung kritisieren, bei Steam den Fokus auf Gamer mit ihrer Präferenz für Windows. Man kann aber auch einfach konstatieren, dass Linux in keiner mir bekannten Erhebung auf mehr als 2-4 % kommt und dieser Marktanteil konstant bis rückläufig ist.

Mobile Geräte

Der Markt an mobilen Betriebssystemen war mal sehr vielfältig. 2010 tummelten sich dort zwar schon iOS und Android, aber daneben gab es noch BlackBerry, Windows Phone, Nokia Symbian und andere Nischensysteme. Das war eigentlich ein idealer Zustand. Heute gibt es hingegen nur noch Apples iOS und Googles Android.

Die Verteilung ist je nach Land aber sehr unterschiedlich. Da spielt vermutlich die unterschiedliche Kaufkraft und unterschiedliche Traditionen eine Rolle. In den USA ist der Markt z. B. fast 50/50 zwischen iOS und Android geteilt, während in Spanien Android komplett dominant ist (Statista). Deutschland nimmt da eine Zwischenposition ein, verzeichnet aber tendenziell einen steigenden Marktanteil für iOS (Statista).

Innerhalb von Android hat Google nach wie vor Probleme mit der Updateverteilung. Ein substanzieller Teil der Nutzer hängt auf älteren Android-Versionen, selbst das jetzt schon wieder veraltete Android 11 kommt erst auf knapp 1/3 Marktanteil (Statista). Custom ROMs spielen dabei überhaupt keine Rolle. Die bekannteste und größte Custom ROM LineageOS hat laut eigenen Angaben 1.865.014 aktive Gerät (Stand 04.12.2021). Zum Vergleich: Pro Quartal werden weltweit knapp 300 Mio. Smartphones verkauft (Statista).

Andere Systeme wie SailfishOS oder die Linux-Systeme (wenn man Android nicht dazu zählt) spielen keine messbare Rolle.

Schlussfolgerungen

Warum diese Zahlenorgie? Manchmal gibt es in Communitys eine verzerrte Binnenwahrnehmung und je kleiner die Community, desto eher entsteht eine geschlossene Blase. Daraus folgen dann bei manchen “gefühlte Wahrheiten”.

Die Marktanteile zeigen, dass Linux nicht sonderlich erfolgreich (Desktop) oder gar nicht existent (Mobil) ist. Viele Linux-Anwender werden das nicht mal als Manko wahrnehmen. Apple geling es hingegen seinen Marktanteil langsam aber stetig zu steigern, das Beispiel ChromeOS in den USA zeigt übrigens, dass die Marktanteile nicht so fest gefügt sind, wie manche es als Grund für den ausblenden Erfolg von Linux anführen. Das sagt übrigens nichts über den Erfolg von Open Source, denn freie Software kommt auch bei Windows oder macOS eine herausragende Bedeutung zu. Nicht umsonst widmen Projekte wie KDE der Windows Plattform mehr Aufmerksamkeit.

Diese Zahlen sollte man aber im Hinterkopf haben, wenn man sich über den Erfahrungsraum und Erwartungshorizont normaler Nutzer Gedanken macht und sich überlegt, wo man diese beispielsweise bei den Themen Datenschutz oder Privatsphäre abholen muss.

Cruiz
Cruizhttps://curius.de
Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.
  1. “Linux hat weniger als 2 % und ist sogar leicht rückläufig” – ich wünschte, das würde sich im Kommunikationsverhalten seiner wenigen Anwender widerspiegeln. 😉

  2. Die Daten von “Statista” sind wenig nachvollziehbar: Einerseits wird z.B. im Januar 2024 Linux in der weltweiten Statistik ein Anteil von ca. 3% zugestanden, in der Statistik für Deutschland ebenfalls ca. 3%. Andererseits wird im Text zur Weltweiten Statistik ein Unterschied darin erkannt, daß der Anteil in Deutschland etwa doppelt so hoch sei.
    -Man fragt sich was denn nun richtig ist.

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