Android ist im Kern ein Linux, aber darüber liegen viele Schichten Google. Wenn man auf Google-Dienste weitestgehend verzichtet, ist die Integration von Android in ein Linux-Ökosystem auf den simplen Dateiaustausch beschränkt. Mit KDE Connect kann man dies ändern.

Ich hatte KDE Connect schon an vielen Stellen beiläufig erwähnt, aber nie eigens thematisiert. Dabei ist KDE Connect nicht nur wahnsinnig praktisch, sondern kann ein Gewinn für digitale Privatsphäre bedeuten.

Das mag jetzt nicht unbedingt naheliegend sein. Viele Google Dienste, aber auch viele andere Cloud-Angebote basieren auf der Bequemlichkeit der Anwender. Natürlich gibt es auch sinnvolle Einsatzszenarien, ich nutze ja selbst eine Cloud, aber oft wandern Daten in Cloud, die dort eigentlich nicht hin müssen. Bevor man Smartphone und Laptop per Kabel verbindet, lädt man doch lieber ein paar Bilder und Dateien zum Cloud-Dienstleister hoch und dann auf dem Notebook wieder herunter. Das Gleiche mit Chromecast und anderen Diensten.

KDE Connect schließt diese Lücke und vereinfacht die Interaktion zwischen Linux-Desktop und Android-Smartphone drastisch.

Installation & Einrichtung

Die Installation und Einrichtung ist denkbar einfach. KDE Connect befindet sich bei allen relevanten Distributionen in den Paketquellen. KDE-Anwender können direkt KDE Connect installieren, GNOME-Nutzer können zum vollwertigen Ersatz GSConnect greifen.

Beide Varianten arbeiten mit der gleichen Android-App zusammen, die sowohl via F-Droid als auch via Play Store installiert werden kann. Zusätzlich existieren Varianten für Sailfish OS und Plasma Mobile, die ich hier allerdings nicht getestet habe.

Sollte das Linux-System über eine Firewall verfügen (was nicht verkehrt ist) müssen zusätzlich Ports freigegeben werden.

Bei ufw wären die entsprechenden Befehle:

# ufw allow 1714:1764/udp 
# ufw allow 1714:1764/tcp 
# ufw reload

Fedora und openSUSE haben für KDE Connect vorgefertigte Profile für firewalld, die sich über die jeweiligen Konfigurationslösungen aktivieren lassen.

Befinden sich beide im gleichen WLAN, zeigt KDE Connect beim ersten Start das Notebook als verfügbares Gerät an. Theoretisch lässt sich die Verbindung aber auch via Linux-Desktop initialisieren.

Klickt man auf das Gerät, kommt der Button für „Kopplung anfordern“ erscheint auf dem Desktop eine Benachrichtigung.

Über die View Key Schaltfläche kann man den kompletten Key anzeigen und mit der Anzeige auf dem Smartphone vergleichen.

Die Android App erfragt nach der Koppelung zahlreiche Freigaben. Das liegt an den vielen Funktionen und da KDE Connect freie Software ist, kann man genug Vertrauen in die App aufbringen. Sollte man jetzt bereits wissen, dass man einige Funktionen nicht benötigt, kann man hier die Freigabe auch unterlassen.

Funktionen

KDE Connect bietet zahlreiche Module an, die einzeln an- und abgeschaltet werden können. Auf eine vollständige Auflistung verzichte ich hier und möchte stattdessen die zentralen Punkte zeigen.

KDE Connect erhält ein Symbol im Systemabschnitt der Kontrollleiste. Klickt man darauf, zeigt es den Akkustand an und ermöglicht das Smartphone anzuklingeln, das Dateisystem in Dolphin zu öffnen und die SMS auf dem Smartphone aufzurufen.

Vor allem die Integration in Dolphin ist sehr praktisch. SMS-Nachrichten nutze ich kaum noch, weshalb die Funktion eher nebensächlich ist.

Sehr praktisch ist auch die Trennung von Benachrichtigungen und Anrufen. Ich möchte auf dem Desktop nicht für jede Benachrichtigung eine Meldung erhalten und habe das Modul deshalb deaktiviert. Über eingehende Anrufe möchte ich dennoch informiert werden. Das Smartphone liegt schließlich manchmal in einem anderen Raum oder ist lautlos geschaltet.

Sehr gut funktioniert die geteilte Zwischenablage. Ich kann Texte auf dem Desktop markieren und im Smartphone in z. B. eine Messenger-Nachricht einfügen und umgekehrt.

Nette Spielereien sind die entfernte Mediensteuerung in beide Richtungen. Das ist vor allem praktisch, da Podcasts unter Linux nicht synchronisiert werden können und ich hier immer über das Smartphone hören muss.

Fazit

Mit KDE Connect erreicht die Integration der beiden Systeme fast das gleiche Niveau wie iPhone und macOS. Nur ohne proprietären Hersteller und Cloud-Bindung. Es gehört zu den wenigen Bereichen, wo ich unter Linux keine Komfortfunktionen vermisse und funktioniert auch nahezu fehlerfrei. Es ist einer der Hauptgründe; weshalb man direkt KDE Plasma oder GNOME nutzen sollte und keine der kleineren Alternativen.

Gerrit
Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

3 Ergänzungen

  1. Hallo Gerrit,

    würde KDEConnect -Indikator als Flatpak unter Opensuse-Pantheon vernünftig funktionieren?
    Vielleicht könntest du es beizeiten ausprobieren und darüber berichten; danke!

    • Ich habe es nicht getestet, aber das Projekt steht seit zwei Jahren still. Zumindest in der Vergangenheit war es nicht so gut, wenn sich Android-Entwicklung und Linux-Entwicklung bei KDE Connect voneinander entfernten.

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