Telefonnummern – Warum so ein Aufhebens?

Immer wenn es um Vergleiche von Messenger vs. XMPP bzw. E-Mail oder andere Nischenprotokolle geht kommt zuverlässig jemand, der die Bindung vieler Messenger-Accounts an eine Mobilfunknummer thematisiert. Warum erklärt man eigentlich eine Nummernfolge zum Heiligen Gral des Datenschutzes?

Die Telefonnummer ist eine Ziffernfolge mit dem Ziel jemanden anderes kontaktieren zu können. Sie unterscheidet sich in dieser Hinsicht in keiner Weise von einer zufällig generierten ID. Früher hatte jeder seine Telefonnummer in einem Telefonbuch stehen, damit andere einen kontaktieren konnten. Vorwiegend ältere Leute handhaben das noch heute so.

Um eine Mobilfunknummer zu erhalten benötigt man in der Regel ein offizielles Dokument. Seit 2017 kann man auch Prepaid-Karten nur noch mit Ausweis erhalten. Hier hat der Gesetzgeber aber faktisch nur die Gesetze den Gegebenheiten angepasst. Schon vor 20 Jahren musste man sich in der Regel ausweisen um eine Prepaid-Karte zu erhalten. Für Laufzeitverträge galt dies natürlich sowieso. Der Staat bzw. der Mobilfunkanbieter kann einer Nummer also eine reale Person zuordnen.

Das gilt aber für eine privat benutzte E-Mail Adresse oder Messenger-Kennung genau so. Mangels durchgehender Verschlüsselung wird man irgendwann in der E-Mail mal personenidentifizierende Daten finden. Sofern man diese bei der Registrierung nicht sowieso hinterlegt hat, da diese Daten bei den meisten Anbietern leider immer noch standardmäßig abgefragt werden. Ermittlungsbehörden können bei Bedarf zudem noch das ganze Arsenal an IP-Zuordnung etc. pp. auffahren.

Es liegt in der Natur einer Mobilfunknummer, dass man diese teilt. Wenn sie lange in Gebrauch ist und Dritte diese ebenfalls weitergegeben haben ist der Kreis derjenigen, die von der Nummer Kenntnis haben theoretisch unbegrenzt. Irgendjemand nutzt sicherlich WhatsApp oder verwaltet seine Kontakte mit einem der großen IT-Dienstleister. Die Mobilfunknummer ist also allgemein bekannt.

Also hört auf Mobilfunknummern zum Staatsgeheimnis zu erklären und so ein Aufhebens darum zu machen. Ob ein Dienst die Accounts der Nummer zuordnet ist bedeutungslos und ob eine Weitergabe der Nummer die Voraussetzung zur Kontaktaufnahme darstellt ist vollkommen egal – denn dazu ist sie da! Hört auf mit diesen Schattenkämpfen und widmet euch realen Problemen.

Es gibt nur eine Einschränkung: Mobilfunknummern eignen sich nicht wenn man vollständige Anonymität anstrebt. Ein komplett anonymes Szenario zu entwerfen ist allerdings viel Arbeit und setzt umfangreiche technische Maßnahmen und starke Selbstkontrolle voraus. Die wenigsten der „Aber die Handynummer“-Vertreter dürfte ein solches Szenario anstreben.

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