Kommentar: Sicherheitsmaßnahmen fördern Tracking

Symbolbild Sicherheit

Im Internet kursieren zahllose Hinweise und Tutorials wie man seinen Browser absichert. Geheime Einstellungen, Addons wie NoScript und Adblocker. Die Liste kann man beliebig fortsetzen. Beim Schutz vor Tracking sind sie aber kontraproduktiv, weil sie den individuellen Fingerabdruck des Anwenders schärfen.

Die Werbe- und Datensammlungswirtschaft erfindet permanent neue Wege um dem Anwender durch das Netz (und auch außerhalb) zu folgen. Ist eine Möglichkeit hinreichend bekannt und beginnen genug Nutzer sich dagegen zu wehren – wie beispielsweise in der Vergangenheit bei Cookies – ersinnt „Big Data“ neue Mittel und Wege.

Der einzige langfristig wirksame Schutz besteht daher im Untertauchen in der Masse. Genau das ist – neben der Umleitung des Traffics durch da Zwiebelnetz – die Methode von Tor. Das Tor Browser Bundle simuliert ein Allerweltssystem zu sein: Windows 7, Firefox, 1280×1024 Auflösung. Einen Werbeblocker gibt es gar nicht und NoScript ist standardmäßig auf eine sehr schwache Stufe eingestellt. Hinzu kommen natürlich Härtungsmaßnahmen an der Firefox-Basis. Der einzelne Tor-Anwender geht dadurch in der Masse der Tor-Nutzer unter und bei vielen Merkmalen sogar in der Masse der Internetnutzer. Die einzelne Tor-Session versucht gar nicht tracking zu verhindern, sondern lässt diese ins leere laufen, da sie so beliebig ist.

Wenn man also einen Browser mit allerlei Addons anreichert, betätigt man sich also zuerst einmal als Dienstleister für die Trackingindustrie. Ein abgeschaltete JavaScript ist eben beispielsweise nicht sonderlich häufig und steigert den Wiedererkennungswert. Gleiches gilt für einen Werbeblocker und die Do-Not-Track-Einstellung. Abgeschaltetes JavaScript minimiert zwar die technischen Möglichkeiten der Tracking-Wirtschaft, verhindert sie aber nicht vollständig und reichert sie zugleich um einen weiteren Faktor an.

Manche Addons sind natürlich unumgänglich, trotzdem sollte man immer mal wieder den Sinn hinterfragen. Surfen ohne Werbeblocker ist auf vielen Seiten eine Zumutung und je nach Hardware auch eine Herausforderung für den Rechner. Hier ist auch berücksichtigen, ob nicht der Verzicht auf einen Werbeblocker inzwischen schon besonders ist und den eigenen Fingerabdruck schärft. Anders sieht das beispielsweise bei NoScript aus. Die Befürworter wollen sich vor Schadsoftware schützen (die es unter Linux und macOS ja bekanntermaßen sehr reichhaltig gibt…) und Trackingmethoden vorbeugen. Gleichzeitig erzeugen sie einen sehr individuelles Identifikationsmerkmal.

Nicht jede Sicherheitsmaßnahme verbessert also nur und ausschließlich die Sicherheit.


Bilder:

Einleitungs- und Beitragsbild von Mudassar Iqbal via Pixabay 

Mehr aus dem Blog

Firmware Updates (BIOS) mit fwupd

Mein privates Hauptgerät ist schon länger ein HP EliteBook G7. Firmware-Updates für einzelne Hardwarekomponenten gab es schon länger via fwupd, aber nun geht darüber...

Boxcryptor von Dropbox übernommen

Ein bisschen untergegangen ist bei mir und vielen anderen vermutlich die Meldung, dass Dropbox von der Secomba GmbH deren Produkt Boxcryptor erworben hat. Das...

Firmen benötigen kein „zweites Leben“ mit Linux

Heise bringt mal wieder eine Serie zum Umstieg auf Linux. Dieses mal für Unternehmen im Angesicht der Windows 11-Migration. Das geht völlig am Thema...

Warum man „Face unlock“ mit einem Google Pixel 7 nicht nutzen sollte

Biometrische Entschlüsselung ist ein Thema für sich. Selbst wenn man dem nicht gänzlich ablehnend gegenüber steht, sollte man nicht leichtfertig jede Lösung nutzen. Gesichtserkennung...