Ubuntu – Ein bisschen mehr Liebe wagen

Symbolbild "Ubuntu"

Vergangene Woche veröffentlichten die Entwickler von elementaryOS ihre Version 5.0 „Juno“. Dabei handelt es sich um einen Ubuntu-Ableger mit eher begrenzter Reichweite (siehe auch: elementaryOS – Wenigstens eine Vision für den Desktop). Die Veröffentlichung legt aber den Finger in die Wunde, was bei Ubuntu momentan schief läuft.

Heise schrieb in der Veröffentlichungsnachricht:

Beim Desktop passt alles zusammen; er ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet und bringt Programme mit, die sich optisch perfekt einpassen. […]

Das ist eine Aussage, die man so über Ubuntu nicht mehr schreiben würde. ElementaryOS hat sicherlich viele Schwächen, das haben viele Kommentatoren zu recht bemängelt und das muss hier nicht erneut thematisiert werden. Man merkt der Distribution aber an, dass die Entwickler sich intensiv mit dem ausgelieferten Desktop und Programmset beschäftigen, es aufeinander abstimmen und dem Anwender eine tolle Benutzererfahrung bieten wollen.

Früher konnte man über Ubuntu genau das sagen. Die eigenen Wege haben immer viel Kritik ausgelöst, aber es gab sie immerhin. Vom Design, über die Schrift und die hochgradig durchdachte Zusammenstellung des Desktops war jede Version ein Schlaglicht auf die Möglichkeiten des Linux Desktops. Die LTS Versionen galten als Zielmarken, zu denen etwas fertig gestellt sein sollte, was vorher in einer STS eventuell noch unfertig war.

Ubuntu fehlt inzwischen genau das! Zur Veröffentlichung der wichtigen LTS-Version im Frühjahr hat man nicht mal ein neues Design fertig bekommen. Vieles am GNOME Desktop wirkt lieblos zusammen gefügt. Dass sich Thunderbird nicht in die Kontenverwaltung einfügt scheint man gleichgültig hinzunehmen. Den Wirrwarr von Snaps und klassichen Paketen im App Store scheint egal zu sein, für die STS-Version 18.10 hat man das auch nicht behoben. Gleichzeitig lässt man erheblich bei der Qualitätssicherung der Updates nach. Bei wirklich zentralen Bestandteilen wie Firefox oder Thunderbird prüft man scheinbar vor einem Update nicht, ob Sprachpakete funktionieren oder der Kalender Lightning einwandfrei übertragen wird.

Das ist bedauerlich, da die Linux-Desktops vom Funktionsumfang und der allgemeinen Qualität noch nie so weit waren wie in diesem Jahr. Was fehlt ist nur eine Distribution, die aus einem oder mehreren dieser Desktops ein wirklich stimmiges Desktoperlebnis kreiert.

Natürlich kann man all dies beheben, die Pakete funktionieren ja im Grunde genommen und Designs lassen sich individualisieren. Dann kann man aber gleich zum universellen Baukasten Debian greifen und braucht kein Ubuntu.


Bilder:

Einleitungs- und Beitragsbild von guaxipo via pixabay

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