Linux in der öffentlichen Verwaltung

Viele Lobby-Organisationen im Linuxumfeld würden es gerne sehen, wenn der Staat vermehrt auf freie Software zurückgreifen würden. Euphorische Anwender unterstützen dieses Anliegen in unzähligen Blogs und Kommentaren im Internet. Kaum eine Technik-Gemeinschaft widmet diesem Thema so viel medialen Raum.

Diese Woche waren das zwei vollkommen unterschiedliche, aber dennoch zusammen hängende Meldungen:

  1. Die Stadt Dortmund untersucht das Potenzial von Freier Software/Linux
  2. Bundesbehörden zahlen Millionen für Lizenzebühren an Microsoft

Natürlich wäre es absolut wünschenswert, wenn sich die öffentliche Verwaltung von Microsoft emanzipieren würde. Gar nicht so sehr aus monetären Gründen, sondern weil sich Windows 10 bei bestehendem Onlinezugang möglicherweise nicht an europäische Anforderungen in Sachen Datenschutz anpassen lässt. Schadsoftwaredruck etc. mal ganz außen vor gelassen.

Leider haben viele immer noch keine Konsequenzen aus dem LiMux-Debakel (siehe: Kommentar: Das Ende von LiMux – eine Nachbetrachtung) gezogen und blasen weiter in das gleiche Horn. Erstes und wichtigstes Argument ist das Geld.

Das sieht man sowohl in Dortmund, wo eine defizitäre Gemeinde nun krampfhaft nach sparpotenzial sucht, als auch in der Berichterstattung zu den Zahlungen an Microsoft.

Daher möchte ich hier zwei simple Tatsachen betonen: Erstens: Staatsverwaltung braucht Geld, zweitens: Linux ist nicht kostenlos.

Ein leistungsfähiger Staat benötigt finanzielle Mittel. Eine simple Feststellung, die nach Jahrzehnten neoliberaler Propaganda teilweise pseudowissenschaftlich argumentierterender so genannter „Experten“ leider nicht mehr selbstverständlich ist. Zu einem funktionsfähigen Staat gehört eine funktionsfähige IT. Hat der Staat kein Geld und kann rein organisatorisch seine Aufgaben nicht mehr wahrnehmen, landen wir in dysfunktionalen Systemen wie im angloamerikanischen Raum, wo der Staat erwiesenermaßen für seine Bürger nicht mehr da ist. Zwei populistische Abstimmungsergebnisse – Brexit und Trump – in den letzten Jahren sollten da Lehre genug gewesen sein.

Natürlich kann man sich fragen, ob der Staat zur Funktionsfähigkeit Windows braucht. Ohne Insiderwissen lässt sich diese Frage wohl nicht sicher beantworten. Nachdem man aber jahrzehntelang auf Microsoft-Produkte gesetzt hat, dürfte zumindest momentan eine gewisse Abhängigkeit von Microsoft-Produkten bestehen.

Diese ließe sich natürlich in einem Kraftakt beenden. Am besten in größerem Maßstab, also in einer Kooperation von Kommunen, Ländern und/oder des Bundes. Dieser Kraftakt würde jedoch zweifelsohne Geld kosten. Erstens weil man während der Umstellung auch weiterhin auf Microsoft-Produkte angewiesen ist und somit doppelt bezahlt. Zweitens weil man entweder eigene Entwicklungsabteilungen aufbauen muss oder externe Dienstleister bezahlen muss, die entsprechende Produkte entwickeln. Drittens, weil auch Linux nicht kostenlos ist. Man konnte in München sehr gut sehen, wie schwierig es ist eine eigene Linux-Distribution zu kreieren und auf Business-Niveau über viele Jahre zu pflegen, also das wofür man bisher Microsoft bezahlt. Dieses Niveau kann man auch bei Linux einkaufen, z. B. bei Red Hat oder SUSE, aber deren Lizenzmodelle sind auch nicht kostenlos. Im Fall von Red Hat würde man noch nicht mal die Abhängigkeit von US-amerikanischen Unternehmen beenden.

Ob man unterm Strich dann überhaupt Geld spart kann niemand seriös vorhersagen. Lobbyorganisationen, Medien und auch Kommentatoren täten also gut daran, endlich auf dieses Geld-Argument zu verzichten. Damit werden Erwartungen geweckt, die nicht zu halten sind und dann – siehe LiMux – zu einer Rückabwicklung mit erheblichem Flurschaden führen.

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