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Bild von Gellinger via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

macOS vs. Linux - Goldener Käfig gegen Freiheit?

Die Klassifizierung Apples Betriebssystems als "Goldener Käfig" ist eine geläufige Formulierung und insbesondere im Linux-Umfeld weit verbreitet. Apples macOS wird als unfreies System dargestellt, das aber durch seine schöne Optik und reibungslose Funktionsweise dem Anwender Freiheit suggeriert. Dem gegenüber ist Linux vermeintlich wirklich frei.

Entgegen landläufiger Meinungen ist dieses Bild älter als das iPhone-Betriebssystem iOS und kommt noch aus der klassischen Mac OS X-Zeit. Den ältesten Verweis auf diese Darstellung konnte ich bisher in einem Vortrag von James Bottomley auf dem Linux Kongress 2008 finden. Pro-Linux berichtete damals:

"An dieser Stelle gab Bottomley eine Gefängnis-Analogie der Betriebssysteme wieder. Bei Microsoft-Systemen sind die Benutzer in einem Gefängnis eingesperrt, und diese Tatsache ist für alle Insassen offensichtlich. Bei Apples Mac OS X sind die Benutzer ebenso weggesperrt, das Gefängnis ist aber so luxuriös, dass man nicht merkt, dass man gefangen ist. Bei freien Systemen hingegen gibt es keine Gefängnisse, und das System lässt sich in jeder Hinsicht anpassen und ändern."

Quelle: Pro-Linux - Der Wert von Open Source

Vermutlich lassen sich noch deutlich ältere Passagen dieser Art finden. Gerne wird dieses Bild zudem ergänzt mit dem Verweis, dass Apples Produkte gut funktionieren, so lange man im Apple-Ökosystem bleibt, aber sobald man es verlässt, funktioniert es nicht mehr. Der Käfig ist halt nur so lange luxuriös, bis man versucht auszubrechen.

Doch warum soll dem so sein?

macOS vs. Linux 

Schnittstellen

MacOS unterstützt standardmäßig sehr viele Protokolle und Schnittstellen zum Informations- und Datenaustausch. PIM-Informationen kann man für die hauseigenene Programme Mail, Kalender und Kontakte über die folgenden Protokolle abgleichen:

  • Apple
  • MS Exchange
  • IMAP/POP
  • CalDAV
  • CardDAV
  • LDAP

Sowie zusätzlich eine Reihe von sozialen Netzwerken, was aber laut jüngsten Presseberichten mit der kommenden Version macOS 10.14 eingeschränkt wird und daher hier nicht berücksichtigt werden soll. MacOS unterstützt damit alle verbreiteten proprietären und freien Protokolle.

Ein ähnliches Bild gibt es beim Dateiaustausch. Neben den abgekündigten Protokollen wie AFS (Apple File System) unterstützt das System standardmäßig folgende Protokolle:

  • SMB/CIFS
  • WebDAV
  • NFS
  • FTP (lesend)

Zusammengefasst ist es somit einfach möglich macOS in ein heterogenes Umfeld einzubinden und Datei- und PIM-Daten zu synchronisieren. Einen Vor- oder Nachteil gegenüber Linux gibt es nicht.

Programme und Dateien

Neben den macOS-Basisprogrammen liefert das Betriebssystem von Haus aus ein umfangreiches BSD-Basissystem aus. Bekannte Editoren wie nano oder vim stehen ebenso zur Verfügung wie SSH, die Bash und zig weitere Lösungen. Mittels bekannter Lösungen wie Homebrew oder MacPorts lässt sich dieses Repertoire beliebig ergänzen.

Die meisten bekannten Open Source Programme wie Firefox, Thunderbird, GIMP, LibreOffice etc. pp. gibt es selbstredend auch für macOS. Allerdings auch proprietäre Alternativen, sowie bekannte Standardsoftware wie Microsoft Office oder die Adobe Suite.

Gegenwärtig ist es auch immer noch möglich und mitunter erforderlich Programme mittels einer herkömmlichen Installationsroutine zu installieren. Sicherheitsfunktionen wie eine Signaturprüfung sind zwar von Haus aus aktiv, lassen sich aber abschalten. Man kommt sogar gänzlich ohne App Store und Apple ID aus.

Linux-Distributionen schränken ihre Programmauswahl ebenfalls ein. Problemlos lassen sich lediglich die Inhalte der Paketquellen installieren, ansonsten ist man auf passende Fremdquellen angewiesen. Proprietäre Drittprogramme sind nur in geringer Anzahl verfügbar und liegen teilweise nicht für jede Distribution vor. Jedoch meist in den beiden verbreiteten Formaten DEB und RPM.

Beide Systeme setzen in hohem Maße auf standardisierte Dateiformate. Proprietäres Vendor-LockIn gibt es eigentlich nur bei der iWork-Suite, dessen Dateiformate durch kein Drittprogramm unterstützt wird. 

Sowohl Linux, als auch macOS schneiden oft alte Zöpfe ab, weshalb Programme meist nicht zuverlässig über viele Versionen hinweg funktionieren, ohne das Anpassungen vorgenommen werden. Die Freiheit wirklich alte Programme zu nutzen haben Anwender also meist nur unter Windows.

Eingriffe in das System

Apple beschränkt den Zugriff auf das Basissystem durch eine Integritätsprüfung (SIP). Das ist durchaus sinnvoll, da hierdurch ungewollte Veränderungen durch z. B. Schadprogramme verhindert werden. Diese lässt sich aber abschalten und anschließend hat man alle gewohnten Freiheiten und kann bei Bedarf sein System sogar irreparabel beschädigen.

Im Gegensatz zu Linux sind zentrale Bestandteile wie das Initsystem, der Desktop und ähnliches bei macOS nicht austauschbar. Hier ist bei Linux - abgesehen vom Desktop - aber auch viel Illusion. Wenn man mal einen Blick über den Tellerrand zu FreeBSD wirft (siehe: FreeBSD 11 mit Plasma 5 installieren) merkt man, wie homogen die zahllosen Linux-Distributionen eigentlich sind. In den letzten Jahren haben sich um Linux-Umfeld immer mehr zentrale Bestandteile entwickelt, die sich nicht mehr ohne weiteres austauschen lassen oder deren Entfernung zumindest erhebliche Folgen hat. Beispiele hierfür sind systemd, udev und PolicyKit.

Peripherie-Schnittstellen

Einen regelmäßigen Aufschrei lösen die Veränderungen an den Hardware-Schnittstellen aus. Zuletzt der USB-C Anschluss in der jüngsten MacBook Pro-Serie. Diese Brüche sind für Anwender nervig, weil sie Adapter oder neue Peripherie erforderlich machen. Bis auf wenige Alleingänge wie beispielsweise Lightning sind das aber standardisierte Lösungen oder zumindest mit etablierten Standards kompatible Verfahren wie z. B. Thunderbolt.

Apple schreitet hier schneller voran als andere Hersteller, möglicherweise weil die Kundschaft treuer ist oder weil man weniger Kompromisse beim Design machen möchte. Die meisten radikalen Brüche bei den Schnittstellen haben aber die anderen Hardwarehersteller mit etwas zeitlichem Abstand ebenfalls vollzogen.

Propietär vs. Open Source

Die Lizenzfrage ist der Klassiker im Vergleich. Linux-Distributionen bestehen in der Regel fast nur aus quelloffener Software. Ausnahmen sind meist nur Firmware-Pakete und individuell zusätzlich installierte proprietäre Programme. MacOS ist eine Mischung aus proprietären und quelloffenen Bestandteilen. Der Betriebssystemkern Darwin ist quelloffen aber nicht eigenständig lauffähig. Das Userland stammt von FreeBSD und unterliegt den dortigen Lizenzen.

Die FSF nimmt für die GPL zwar in Anspruch Freiheit zu schützen, die GPL wird aber im Gegenzug zur MIT-Lizenz oder BSD-Lizenz nicht unter den freizügigen Lizenzen geführt. Es ist also ein sehr eingeschränkter Freiheitsbegriff, der hier zu Grunde liegt.

Zusammengefasst

MacOS ist in einigen Bereichen standardmäßig restriktiv, aber lässt erfahrenen Benutzern auch sehr viele Freiheiten. Es ist nicht so modular aufgebaut wie die meisten Linux-Distributionen, was einige Einschränkungen mit sich bringt. Linux ist hier durch vielfältige Interdependenzen aber auch nicht mehr so flexibel, wie noch vor einigen Jahren.

Bei den Schnittstellen zum Informations- und Datenaustausch gibt es es kaum Unterschiede, weshalb es vollkommen problemlos möglich ist von einem System zum anderen zu wechseln oder beide gleichzeitig zu nutzen. Beide Systeme setzen in hohem Maße auf standardisierte Dateiformate. Insellösungen sind einfach nicht mehr zeitgemäß.

Große Teile von macOS sind propietäre Software und nicht einsehbar, das schränkt die Freiheit theoretisch ein. Faktisch ist die GPL aber auch keine freiheitliche Lizenz. Die Freiheitlichkeit wird hier oft mit der Freiheit den Code zu lesen, zu verändern und weiterzugeben gleichgesetzt. Ein Privileg, das die meisten Anwender mangels entsprechender Kenntnisse faktisch nicht haben dürften.

Wenn macOS also der goldene Käfig ist, dann ist Linux der GPL-Käfig.

Wirklich geschlossen sind hingegen die Mobilsysteme und hier allen voran iOS, wobei viele Hardwarehersteller von Android-Smartphones momentan einige Anstrengung unternehmen um dieses Ideal auch zu erreichen.


Bilder:

Beitragsbild Käfig: Bild von Gellinger via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

Einleitungsbild Waage: Bild von Mediamodifier via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

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Tags: Open Source, Proprietär, Linux, macOS, Freiheit

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    Max · Vor 3 Monaten
    "Die Freiheitlichkeit wird hier oft mit der Freiheit den Code zu lesen, zu verändern und weiterzugeben gleichgesetzt." Genau das ist die Freiheit - inklusive der, das Programm zu jedem Zweck einsetzen zu dürfen. Und diese Freiheit und die der Weitergabe können auch jene nutzen, die keinen Quellcode lesen können. Die GPL ist definitiv kein Käfig und selbstverständlich schützt sie die Freiheit der Anwender. Der Punkt, wegen dem die Lizenz von der FSF nicht als freizügig angesehen wird, ist übrigens genau der, der den Fortbestand der Freiheiten des Nutzers auch an Weiterentwicklungen der Software sichert - das Copyleft. Und übrigens gehört auch zu jeder Freiheit, dass man frei ist, von ihr keinen Gebrauch zu machen. Daher liegst du mit deinen Einschätzungen bezüglich der Freiheiten durch die GPL völlig daneben. Die Schlussfolgerung, dass ungenutzte Freiheiten genau so viel Wert sind, wie nicht vorhandene ist einfach grundlegend falsch.
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      Cruiz
      • Administrator
      · Vor 3 Monaten
      Das ist deine Definition von Freiheit und sie wird im GNU/Linux-Umfeld sicher von vielen geteilt. Ich kann auch verstehen, dass sich eine Szene wie die Open Source-Gemeinschaft gegen missbräuchliche Nutzung ihres Werkes schützen möchte (missbräuchlich im Sinne von "gegen die eigenen Ideen verstoßend"). Viele Creative Commons Varianten gehen ja in ähnliche Richtungen.

      Ich persönlich sehe darin aber eine Beschränkung der Freiheit.
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        Dirk · Vor 3 Monaten
        Un mal Buter bei die Fische: Welche Freiheit fehlt Dir denn ganz praktisch und konkret - also was würdest Du als Linux-User mit Deiner Software gerne machen, woran Dich die GPL aber hindert?
        • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
          Cruiz
          • Administrator
          · Vor 3 Monaten
          ZFS zum Beispiel. Nutze ich unter FreeNAS sehr gerne und Btrfs ist dagegen mehr als bescheiden.
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    Dirk · Vor 3 Monaten
    Sudo apt install zfsutils-linux zfs-initramfs
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      Cruiz
      • Administrator
      · Vor 3 Monaten
      Wenn du das ernst meinst, hast du keine Ahnung. Ich vermute aber mal, dass du hier nur trollen willst. Auf diese Art kriegt man auf NTFS oder HFS+ unter Linux untergebracht, trotzdem gibt es einen Unterschied zu offiziell unterstützen Dateisystemen im Kernel.

      Dass eine anerkannt freie Lizenz wie die CDDL nicht "kompatibel" mit der GPL ist und deshalb das beste freie Dateisystem nicht im Linux-Kernel aufgenommen wird ist für mich so ein Beispiel für ein "Gefängnis". Andere Probleme sind die bescheidenen kommerziellen Vermarktungsfähigkeiten, wodurch freie Software immer mehr den Anschluss verliert aber das ist eine andere Baustelle.
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    Michael Thomas · Vor 3 Monaten
    Manchmal ist die Theorie schöner als die Praxis. Seit etwa 10 Jahren betreibe ich neben Linux auch MacOS-Rechner (zeitweilig auch als Server). Die Kompatibilität war jeweils nur unter den eigenen Systeme gut. Beispiele:

    - Apple hat die "schöne" Eigenschaft, immer wieder die Protokolle zu ändern und umzuwidmen. Plötzlich konnten die Apple-Rechner nicht mehr mittels CalDav auf Kalender zugreifen, weil Apple in einem Update Änderungen (natürlich ohne es mitzuteilen) eingepflegt hat...

    - Samba/cifs: die Zugriffe sind manchmal grottig (gehen nicht, Server werden nicht erkannt, Umlaute in Dateinamen waren trotz UTF8 fehlerhaft usw. - ich habe lieber AppleTalk eingeschaltet, was unter Linux grausam ist).

    Apple nutzt die darunterliegende OpenSource-Software nach absolut eigenem Gusto. Wenn sie das Geschäft nicht mehr unterstützt, wird sie erst einmal eingefroren (mal sollte sich die Versionen einmal anschauen, die einem- tw. sogar als "Server"-Software angeboten wird, weshalb ich MacOS-Server abgelöst habe) und dann wird sie von einer Version zur nächsten einfach weggelassen.

    Apple achtet auch nur bedingt auf Kompatibilität - dort wo es der Firma nützt. Letzten haben sie das XMPP/Jabber-Protokoll ausrangiert - es ist nicht das erste und wird nicht das letzte Protokoll sein, welches nach einer Phase der Status-Quo plötzlich unattraktiv wird und abgekündigt wird. Die Alternative sind meisten "in der Cloud" (d.h. bei den Apple-Dienstleistungen).

    Thunderbird, Gimp etc. sind Fremdkörper, die unter MacOS/macOS deutlich schlechter funktionieren als unter Linux. Beispiel: Foto aus Fotos per Mail verschicken: Mail wird aufgerufen, nicht Thunderbird. Fotos in Gimp weiter bearbeiten? Dann bitte das Bild exportieren, damit es unter Gimp funktioniert. macOS ohne Apple-Produkte nutzen, macht keinen Spaß. Wenn man sie nutzt, ist man aber in der proprietären Falle (Zugriff auf die Festplatte von einem anderen System? Vergiss es. Export Adressbuch? Nur mit Informationseinbußen bspw. Bilder. Export Kalender? nur über die Cloud ohne Datenverlust. Fotos? liegen in einer proprietären Datenbank. Musik? wenn es nicht das AAC-Format ist und im Store gekauft wurde... iMovies/Garageband/iDVD/Pages/Numbers...? in einem proprietären Format. Export bedeutet immer Informationsverlust und zusätzlichen Aufwand. Ja, ich habe es erfahren dürfen.)

    Die Apple-Produkte sind ein Käfig, aus dem man nur mit hohem Aufwand wieder raus kommt. Unter Linux kenne ich keine Probleme, meine Daten unter einem anderen Betriebssystem weiter bearbeiten zu können.
    • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
      Cruiz
      • Administrator
      · Vor 3 Monaten
      Vorweg: Mir wäre es nie in den Sinn gekommen macOS als Server einzusetzen. Das ist ein Bereich in dem Linux eigentlich nicht zu schlagen ist. Ggf. kann man auch auf FreeBSD zurückgreifen.

      Kompatibilität ist so ein Schlagwort. Meiner Meinung nach geben sich da Apple und Linux nicht viel. Auch beim Pinguin werden alte und nicht ganz so alte Zöpfe gerne mal abgeschnitten Und sei es nur, weil das entsprechende Programm keinen Entwickler mehr hat.

      Deine unten genannten Beispiele kannst du übrigens nur vom Hörensagen kennen oder deine Informationen sind nicht aktuell:
      - Linux unterstützt HFS+, man kann also macOS-Festplatten einbinden.
      - Adressbücher und Kalender lassen sich im ICS und VCARD exportieren. Enthalten sind natürlich nur die Informationen, die diese Standards unterstützen.
      - Fotos liegen innerhalb der Datenbank als Originaldatei vor und man muss diese auch nicht in die Datenbank kopieren lassen. Kann man einstellen.
      - Im iTunes Store kauft man m4a Dateien. Diese werden selbstredend auch durch Linux mit entsprechendem Codec unterstützt.
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    Michael Thomas · Vor 3 Monaten
    Zum MacOS-Server ("Mir wäre es nie in den Sinn gekommen macOS als Server einzusetzen"): wenn man mehrere Macs verwalten muss, konnte man damit recht gut Einstellungen, Berechtigungen und Benutzer verwalten. Weiterhin waren die Dienste auf die Programme auf dem Mac ausgerichtet, d.h. man konnte ohne Probleme sie in allen Funktionen nutzen. Das ist trotz der standardisierten Protokolle bei Linux-Servern ggü. Macs nicht der Fall (u.a. Berechtigungsverwaltung, Freigabe von Kalendern und mehrere Kalenderebenen).

    Zu den Punkten: "Deine unten genannten Beispiele kannst du übrigens nur vom Hörensagen kennen oder deine Informationen sind nicht aktuell:"

    - Linux unterstützt HFS+, man kann also macOS-Festplatten einbinden.

    Das ist seit High Sierra nicht korrekt. Apple nutzt APFS und stellt langsam die Rechner um. Neue Rechner können nur noch mit APFS betrieben werden. Encrypted HFS+ (File Vault) kann Linux nicht lesen u.v.m. (Sorry: aber woher hast Du die Infos? Ich habe sie mir hart mit Macs erarbeiten müssen. Ja, ich administriere diese Teile sogar, binde sie ins Netz ein etc. Und nutze die Geräte nicht nur persönlich.).

    "- Adressbücher und Kalender lassen sich im ICS und VCARD exportieren. Enthalten sind natürlich nur die Informationen, die diese Standards unterstützen."

    Die fehlenden Informationen schmerzt einen Anwender sehr. Und wenn du sie als Admin nicht beiholen kannst, hast Du viel Ärger. Ich spreche nicht davon, als eigener Nutzer die Daten zu verlieren, da kann mir einiges egal sein.

    "- Fotos liegen innerhalb der Datenbank als Originaldatei vor und man muss diese auch nicht in die Datenbank kopieren lassen. Kann man einstellen."

    Das ist mir bekannt. Aber wenn die mühselig geänderten Metadaten nicht vorhanden sind, die in der Datenbank liegen und nicht im File... Naja, siehe Punkt 2. Weiterhin darf man nicht mit einem anderen Programm - auch wenn man macOS überlistet bekommt - nicht in die "Datenbank"-Filesystem eingreifen. Danach hatte ich noch mehr Ärger, wenn man Fotos/iPhoto weiter nutzen möchte.

    "- Im iTunes Store kauft man m4a Dateien. Diese werden selbstredend auch durch Linux mit entsprechendem Codec unterstützt."

    Sofern keine DRM darauf liegt... Ich exportiere sie im privaten Umfeld sigentlich schnellstens in MP3 und aus dem Store raus, da ich schon durch fehlerhafte Anmeldungen am Store nicht mehr auf die Dateien zugreifen konnte. (Gekaufte) Filme und Bücher sind außerhalb des Apple-Reiches nicht nutzbar, da sie durch DRM verschlossen sind.

    Meine Infos sind aktuell (ich kann sie aktuell gut "erleben") und bestehen nicht auf "Hörensagen". Ich kenne MacOS seit 10.3 mit unterschiedlichsten Rechnern und Ausprägungen!
    • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
      Cruiz
      • Administrator
      · Vor 3 Monaten
      Ich sehe schon worauf deine Kritik abzielt. Letztlich geht es aber halt doch darum, dass die freien Standards nicht alle Funktionen perfekt unterstützen und damit letztlich ein Export immer unvollständig ist.

      Natürlich wäre es anders schöner, aber das Problem habe ich bei jedem System. Meine DigiKam MySQL Datenbank ist beispielsweise auch mit nichts anderem kompatibel und eingefügte Meta-Informationen sind sehr fehleranfällig - je nach Programm. LUKS/dm-crypt verschlüsselte Laufwerke lassen sich außerhalb von Linux-basierten Systemen auch nicht öffnen usw. usf.

      Du siehst worauf ich hinaus will? Jedes System ist bei dieser strikten Auslegung abgeschottet, weil kein freier Standard jede Spezialfunktion abdecken kann. Sollen die Systeme dann nun noch anbieten, was sich in freien Standards exportieren lässt? Das kann sehr traurig enden. Deshalb bin ich der Meinung, dass man etwas erst dann als wirklichen Käfig bezeichnen kann, wenn freie Exportfunktionen gar nicht oder kaum vorhanden sind. Das trifft für macOS nicht zu.
      • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
        Michael Thomas · Vor 3 Monaten
        Klar, kann ich erkennen, worauf Du hinaus willst, weswegen ich von dem "ersten Blick" gut aussehenden Funktionen etwas warnen möchte. Meine zentrale Aussage ist, dass Apple macht, was sie wollen und gern Funktionen beschneidet, ändert oder gar wegfallen lässt. Seit Snow Leopard ist dies in vielen Programmen erfolgt. Insofern widerspreche ich der Aussage "Bei den Schnittstellen zum Informations- und Datenaustausch gibt es es kaum Unterschiede, weshalb es vollkommen problemlos möglich ist von einem System zum anderen zu wechseln oder beide gleichzeitig zu nutzen."

        Ein paar Beispiele, warum auch nach der obigen Erläuterung der Vergleich mit GPL-Betriebssystemen weiterhin hinkt:

        - Die Export-Funktion ist eben auch nur so lange vorhanden, wie das Programm vorhanden (und lauffähig) ist. Seit etwa Mountain Lion bekommt man OS X nur noch Online über den Store für das System, welches man gerade betreibt. Es ist somit nicht mehr möglich, ein unter High Sierra nicht mehr lauffähiges Programm in einer alten Betriebsumgebung zum Export der Daten zu installieren. (Ja, ich weiß, dass man das Installation-Image auf einen USB-Stick sichern kann und habe das auch gemacht). Unter Linux (und Windows) installiere ich einfach eine VM und komme (bei Windows mit viel Glück) an das Programm und die Daten heran. Unter Mojave dürfte es noch schlimmer werden... Welche Programme nicht mehr unter modernen macOS lauffähig sind? Alle MacOS 7.x, Mac OS X PowerPC-Programme (bspw. Apple Works, ältere iLive/iWork-Programme) und ab Mojave++ wahrscheinlich die 32-Bit Applikationen. Apple (und einige andere Hersteller) hat mehrfach die Formate und Funktionen geändert - mit entsprechenden Folgen (bspw. iMovie).

        - Wenn man die Hardware nicht mehr hat (defekt etc.), wenn man kein Betriebssystem irgendwo installiert bekommt, kommt man nicht an die Daten heran. Selbst mein Suse Linux 4.2 bekomme ich immer noch zum Starten und kann so bspw. das alte Applixware Office starten. Mein altes iBook ist schon lange tot (und somit die PowerPC-Unterstützung/Programme sowie die Kompatibilitätsschicht zu 68000-Software). Man kann es mit einem Emulator probieren, was aber bisher nicht zuverlässig (ich will an die Daten!) funktionierte (die Patente von Apple und die Durchsetzung sind sehr hart).

        - Die Hardware von Apple ist seit ca. 5 Jahren (angefangen mit MacBook Air) zunehmend abgeschottet. Die praktische Firewire-Schnittstelle und dem Zugriff auf das Laufwerk als Laufwerk funktioniert mit modernen Macs genauso wenig wie grundsätzlich davon ausgehen kann, dass man noch erfolgreich die Laufwerke ausbauen und zur Datensicherung an andere anschließen kann. Linux (und Windows-)-Rechner nutzen meistens Standard-Hardware, weswegen das deutlich einfacher (ist/sein kann - eben auch nicht immer).

        - Wenn bei GPL-Software andere auch Probleme beim Zugriff auf die Daten haben, so kann man davon ausgehen, dass eventuell sich jemand die Mühe macht, einen Konverter oder ähnliches zu programmieren. Bei MacOS ist dies mangels Informationen quasi ausgeschlossen.


        De facto besteht nach einigen Jahren und eventuell alter Hardware kein Zugriff auf die Export-Funktion. Der goldene Käfig schnappt endgültig zu.

        Die Hardware von Apple finde ich genauso wie das Betriebssystem sehr schön. Häufig funktioniert es im eigenen Öko-System sehr viel zuverlässiger als Linux und Windows. Die Benutzerführung ist aus meiner Sicht immer noch ungeschlagen (wobei sie auch einmal logischer war). Und das Trackpad erst... ;-) Aber man sollte nicht dem Glauben verfallen, dass man mit seinen Daten einfach und mit wenig Aufwand zu einem anderen System wechseln kann. Die Theorie ist einfach, die Praxis ist aber minenverseucht. Und Apple und Standards? Genauso falsch wie bei Microsoft.

        P.S. Wer Anwender dazu bringen kann, vorausschauen immer in einem offenen Format (zusätzlich) zu speichern, dürfte wohl auch keine Probleme mit Backups haben...
        • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
          Cruiz
          • Administrator
          · Vor 3 Monaten
          In der Theorie hast du sicherlich recht. Bei Open Source besteht halt immer die Chance, dass sich jemand findet, der das Projekt weiterführt oder wenigstens einen nahtlosen Ex-/Import zu einer neuen Lösung schreibt.

          In der Praxis hapert es da leider doch erheblich. Insbesondere durch den niedrigen Busfactor vieler Projekte werden da auch gerne mal Lösungen eingestellt oder laufen sich tot, ohne das es einen nahtlosen Export gibt. Weil Linux auf dem Desktop eine Nische ist und viele Programme sich in einer Supernische befinden, gibt es dann halt auch keinen Nachfragedruck, der in irgendeiner Art ausreicht. Mein Lieblingsbeispiel dafür ist BasKet, ein Notiztool, das mit OneNote vergleichbar ist.
          • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
            Michael Thomas · Vor 3 Monaten
            zum Einstellen von Software: Das ist kein Phänomen von Linux. Im Prinzip finde ich es immer wieder interessant, wie sich doch noch welche finden, die ein Software-Produkt weiterentwickeln oder wenigstens pflegen (sc wird nun sc-im, aus ttytter wurde oystter, jove, bsd-mailx etc.).

            Schade finde ich es bei kommerzieller Software, und die mich betreffende Liste an Software, die eingestellt wurde, ist lang. Von Quick Pascal der Firma Microsoft über MS Money (fand ich anfänglich wirklich gut) und über Windows Phone bis nun iWeb und iDVD - für letzteres gibt es immer noch keinen adäquaten Ersatz. Für mich schmerzhaft ist, dass nun auch die Pebble-Software eingestellt wird. (wie heißt es so schön im heise forum: unter OSS wäre das nicht passiert ;-). Soviel Enttäuschung habe ich bei quelloffener Software noch nicht erlebt (erst recht, wenn man dafür auch noch Geld ausgegeben hat, was bei iLife am Anfang noch der Fall war). elm bekomme ich im Gegensatz zu iDVD auf einem aktuellen System zum Laufen. Und einen Datenaustausch mit dem Palm Pilot bekomme ich unter Linux - trotz eingestellter Software - immer noch hin. Unter macOS nicht mehr...
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