Datenschutz im digitalen Alltag

Damit Privates privat bleibt

Bild von andries48 via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

Linux in der öffentlichen Verwaltung

Bild von andries48 via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

Viele Lobby-Organisationen im Linuxumfeld würden es gerne sehen, wenn der Staat vermehrt auf freie Software zurückgreifen würden. Euphorische Anwender unterstützen dieses Anliegen in unzähligen Blogs und Kommentaren im Internet. Kaum eine Technik-Gemeinschaft widmet diesem Thema so viel medialen Raum.

Diese Woche waren das zwei vollkommen unterschiedliche, aber dennoch zusammen hängende Meldungen:

  1. Die Stadt Dortmund untersucht das Potenzial von Freier Software/Linux
  2. Bundesbehörden zahlen Millionen für Lizenzebühren an Microsoft

Natürlich wäre es absolut wünschenswert, wenn sich die öffentliche Verwaltung von Microsoft emanzipieren würde. Gar nicht so sehr aus monetären Gründen, sondern weil sich Windows 10 bei bestehendem Onlinezugang möglicherweise nicht an europäische Anforderungen in Sachen Datenschutz anpassen lässt. Schadsoftwaredruck etc. mal ganz außen vor gelassen.

Leider haben viele immer noch keine Konsequenzen aus dem LiMux-Debakel (siehe: Kommentar: Das Ende von LiMux - eine Nachbetrachtung) gezogen und blasen weiter in das gleiche Horn. Erstes und wichtigstes Argument ist das Geld.

Das sieht man sowohl in Dortmund, wo eine defizitäre Gemeinde nun krampfhaft nach sparpotenzial sucht, als auch in der Berichterstattung zu den Zahlungen an Microsoft.

Daher möchte ich hier zwei simple Tatsachen betonen: Erstens: Staatsverwaltung braucht Geld, zweitens: Linux ist nicht kostenlos.

Ein leistungsfähiger Staat benötigt finanzielle Mittel. Eine simple Feststellung, die nach Jahrzehnten neoliberaler Propaganda teilweise pseudowissenschaftlich argumentierterender so genannter "Experten" leider nicht mehr selbstverständlich ist. Zu einem funktionsfähigen Staat gehört eine funktionsfähige IT. Hat der Staat kein Geld und kann rein organisatorisch seine Aufgaben nicht mehr wahrnehmen, landen wir in dysfunktionalen Systemen wie im angloamerikanischen Raum, wo der Staat erwiesenermaßen für seine Bürger nicht mehr da ist. Zwei populistische Abstimmungsergebnisse - Brexit und Trump - in den letzten Jahren sollten da Lehre genug gewesen sein.

Natürlich kann man sich fragen, ob der Staat zur Funktionsfähigkeit Windows braucht. Ohne Insiderwissen lässt sich diese Frage wohl nicht sicher beantworten. Nachdem man aber jahrzehntelang auf Microsoft-Produkte gesetzt hat, dürfte zumindest momentan eine gewisse Abhängigkeit von Microsoft-Produkten bestehen.

Diese ließe sich natürlich in einem Kraftakt beenden. Am besten in größerem Maßstab, also in einer Kooperation von Kommunen, Ländern und/oder des Bundes. Dieser Kraftakt würde jedoch zweifelsohne Geld kosten. Erstens weil man während der Umstellung auch weiterhin auf Microsoft-Produkte angewiesen ist und somit doppelt bezahlt. Zweitens weil man entweder eigene Entwicklungsabteilungen aufbauen muss oder externe Dienstleister bezahlen muss, die entsprechende Produkte entwickeln. Drittens, weil auch Linux nicht kostenlos ist. Man konnte in München sehr gut sehen, wie schwierig es ist eine eigene Linux-Distribution zu kreieren und auf Business-Niveau über viele Jahre zu pflegen, also das wofür man bisher Microsoft bezahlt. Dieses Niveau kann man auch bei Linux einkaufen, z. B. bei Red Hat oder SUSE, aber deren Lizenzmodelle sind auch nicht kostenlos. Im Fall von Red Hat würde man noch nicht mal die Abhängigkeit von US-amerikanischen Unternehmen beenden.

Ob man unterm Strich dann überhaupt Geld spart kann niemand seriös vorhersagen. Lobbyorganisationen, Medien und auch Kommentatoren täten also gut daran, endlich auf dieses Geld-Argument zu verzichten. Damit werden Erwartungen geweckt, die nicht zu halten sind und dann - siehe LiMux - zu einer Rückabwicklung mit erheblichem Flurschaden führen.

"

Tags: Linux, Microsoft, Verwaltung, Staat

Die Kommentarfunktion auf [Mer]Curius soll allen interessierten Leserinnen und Lesern einen Austausch ermöglichen. Kritische Meinungen zum Artikel selbst oder anderen Kommentaren sind ausdrücklich erwünscht. Gleichwohl werden Kommentare vor ihrer Veröffentlichung geprüft. Sie erscheinen daher nicht im unmittelbaren Anschluss nach dem Verfassen.


Die Angabe einer E-Mail Adresse ist optional und lediglich notwendig, wenn ein Abonnement zukünftiger Kommentare gewünscht ist.


Informationen zu verarbeiteten personenbezogenen Daten entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung. Mit dem Verfassen eines Kommentars akzeptieren Sie diese Datenschutzbedingungen.

Lade Kommentar... Das Kommentar wird neu geladen in 00:00.

Verfasse den ersten Kommentar.

Schreibe etwas...
Sie sind Gast
oder als Gast schreiben
  • Betriebssystem wählen

    Das Betriebssystem mit dem Desktoprechner, Notebooks und Mobilgeräte wie Smartphones und Tablets betrieben werden, dient einerseits als Grundlage jeder weiteren Weiterlesen
  • Daten verschlüsseln

    Verschlüsselung von Daten ist eine der wichtigen Erstmaßnahmen um Datenabfluss zu vermeiden. Externe Festplatten oder Speichermedien kann man verlieren, Notebooks Weiterlesen
  • Kommunikation schützen

    Im Zuge der Digitalisierung haben sich auch die Kommunikations-Kanäle vervielfältigt. Videotelefonie, Instant Messenger, sowohl für den Desktop, als auch im Weiterlesen
  • Anonymisierung

    Anonymität gehört im Zeitalter von Werbetracking und Bestandsdatenabfragen der Vergangenheit an. Mit einigen speziellen Programmen wie TOR oder spezialisierten Systemen Weiterlesen
  • 1