Kommentar: Was ist "Linux" und wohin geht die Reise?

Bild von andries48 via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

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Der klassische Desktop steckt in der Krise, das betrifft Linux genau so wie Windows und macOS. Die Absatzzahlen von stationären und mobilen Geräten wie klassischen PCs, Notebooks & Co stagnieren in guten Jahren und brechen in schlechten Jahren massiv ein. Gleichzeitig boomen die Absatzzahlen von mobilen Geräten wie Smartphones & Co. Apple hat mit iOS mehr als nur einen Fuß in der Tür, Microsoft hat neben dem wenig erfolgreichen Windows Mobile eine App-Landschaft für Android und iOS veröffentlicht und Linux?

Klassische Linux-Anhänger sagen oft, dass Linux erfolgreicher denn je sei, wegen "Android" ode IoT. Dahinter steckt die simple Feststellung, dass Android und viele IoT-Produkte auf einem Linux-Kernel basieren und das reicht schließlich um von Linux zu sprechen.

Doch reicht Android um die Zukunft von Linux zu sichern? Google könnte theoretisch jederzeit einen eigenen Kernel entwickeln und Linux in Android ersetzen. Der dort eingesetzte Linux Kernel ist zudem stark modifiziert und wird seit Jahren versionsstabil gehalten, weshalb die Verbindung zur Linux-Entwicklung eher als lose bezeichnet werden muss.

Doch was ist eigentlich Linux? Meiner Meinung nach ist Linux in einer weniger eng geführten Definition eine Kombination von verschiedenen Produkten und Ideen. Linux sind neben dem Kernel auch die GNU-Werkzeuge, durch die fast alle Distributionen auf der Konsole so ähnlich sind. Wer mal mit FreeBSD und seinen Abkömmlingen gearbeitet hat, merkt diese Unterschiede. Hinzu kommen die klassischen Linux-Desktops und die Idee eines modularen Systems, das eben z.B. jene Desktops nicht fest mit dem Basissystem verbindet, wie das bei macOS oder Windows der Fall ist.

Linux ist aber auch eine Idee wie Software entwickelt wird. Quelloffen und transparent, gegliedert in unterschiedliche Projekte, die aufeinander aufbauen und teilweise auch konkurrieren. Zusammen gestellt von Distributoren, die eine Betriebssystemvariante aus diesem riesigen Pool an Möglichkeiten erschaffen. Sei es für den klassischen Desktop oder für Server unterschiedlicher Leistungsfähigkeit. Alles aus von und für eine riesige Community, in der neben vielen hauptberuflichen Menschen auch viele ehrenamtlich tätig sind.

Android ist dagegen ein Google-Geheimnis. In regelmäßigen Abständen schmeißt man der Community eine neue Version AOSP vor die Füße, die diese dann mühsam lauffähig bekommen muss. Dazwischen gibt es wolkige PR-Meldungen. LineageOS arbeitet nicht von ungefähr immer noch an Android 8.0 "Oreo", welches bereits im vergangenen August das Licht der Welt erblickte. Das Verhältnis von Android zur Community gleicht daher eher dem von macOS/Darwin zu FreeBSD.

Wenn Linux mehr ist als der Kernel - und das ist wie gesagt definitionssache - ist Android weder die Zukunft, noch die Rettung. Gleiches gilt für den boomenden IoT-Bereich.

Linux ist momentan wie ein Lebewesen auf einer Eisscholle. Die Ränder brechen unaufhaltsam weg, viele nennenswerte statische Daten weisen nach unten, aber bisher hat die zerfaserte Community keine Idee entwickelt, wie es weitergehen könnte.

it-frosch
Was ist "Linux" und wohin geht die Reise?
Hallo Gerrit,

ich würde den Erfolg oder nicht Erfolg von Linux nicht von der Verbreitung bei Steam bewerten wollen.
Zum Beispiel habe ich mir eine PS gekauft, um nicht immer den 10 Jahre alten Rechner für Spiele aufrüsten zu müssen.
Schon wieder ein 0,00001 % weniger. ;-) Stimmt aber nicht, denn ich nutze nach wie vor Linux als Desktop.

Wenn man sich andere Quellen ansieht
https://www.netmarketshare.com
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/157902/umfrage/marktanteil-der-genutzten-betriebssysteme-weltweit-seit-2009/
dann ist Linux von Januar bis Dezember fast unveränderlich bei 1,4 - 2,1 %.

In Deutschland sieht es übrigens besser aus:
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/158102/umfrage/marktanteile-von-betriebssystemen-in-deutschland-seit-2009/
Fast 3,6% und ein ständiger Anstieg seit 2009.
Linux ist eine Nische und es wird sich langsam entwickeln.
Mit jeder guten Anleitung oder gutem Blog (so wie deinem) geht es wieder ein kleines Schrittchen vorwärts. ;-)


Cruiz
Linux hat in den von dir genannten Erhebungen einen so geringen Marktanteil, dass es sich innerhalb der Fehlertoleranz befindet. Der Anstieg erfolgt außerdem nur innerhalb des Marktbereichs, während der gesamte Desktopbereich ggü. Smartphones massiv verliert. Real schrumpft der Marktanteil also.

Eben deine Schlussfolgerung zur Nische, die sich langsam entwickelt, teile ich daher nicht.

it-frosch
Prima,
nach dem Senden war der ganze Beitrag weg. :(

Also noch mal Kurzform.
Ich würde nicht Steam als relevante Quelle für die Verbreitung von Linux heranziehen.
z.B. habe ich auf PS gewechselt, da ich es unökonomisch finde, einen 10 Jahre alten Rechner, mit dem ich super unter Linux arbeiten kann,
der für Spiele aber zu schwach ist, ständig aufzurüsten und die Leistung eigentlich nicht zu brauchen.

Ich würde lieber diese Quellen bevorzugen:
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/157902/umfrage/marktanteil-der-genutzten-betriebssysteme-weltweit-seit-2009/
https://www.netmarketshare.com/operating-system-market-share.aspx

Wenn du in der Statista bei Deutschland schaust ist ein ständiger Trend nach oben sichtbar. Momentan steht Linux bei fast 3,6%.

Mit jedem guten Blog (wie deinem) und jeder guten Anleitung oder jeder Hilfestellung (u.a. ubuntuusers.de) geht es wieder ein Schritt vorwärts.
;-)

Cruiz
Zitat :
Prima,
nach dem Senden war der ganze Beitrag weg. :(

Alle Beiträge müssen hier vor der Veröffentlichung moderiert werden. Darüber sollte man eigentlich benachrichtigt werden. Ist dein JavaScript evtl. geblockt?

MalSaulusMalPaulus
Linux ist da erfolgreich, wo es gut ist und nicht erfolgreich, wo es schlecht ist. Das ist halt der Desktop. Man weigert sich immer noch stabile Treiber APIs und ABIs einzuführen und meint man könne die Hersteller dazu zwingen, dass sie alle ihre Treiber als OpenSource bereitstellen und in den Kernel einpflegen.


Tja das wollen halt viele nicht, aber das liegt eben auch an die Kernelentwickler, die sich weigern, solche Schnittstellen zu schaffen, weil es ja viel schöner ist, wenn man alles umwerfen kann, ohne Rücksicht auf irgendwelche stabilen APIs nehmen zu müssen.


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