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Kommentar: Defizite und Perspektiven im Open Source Ökosystem

Open Source bot mal ein komplett freies alternatives Ökosystem. Dieses Versprechen kann die Gemeinschaft immer weniger bedienen. Kern des immer größer werdenden Problems sind: Mobile, Smart Home und intelligente Assistenzsysteme.

In vielen Artikeln bemängle ich beiläufig die Defizite im Open Source Ökosystem. Gemeint mit "Open Source" sind in diesem Kontext die Entwickler- und Anwendercommunity, sowie die wenigen Firmen rund um freie Software und die von ihnen (maßgeblich) geschaffenen Produkte. Es geht nicht um freie Kerne wie bei Android oder IoT, eingebettet in ein proprietäres undurchdringbarens Dickicht, denn dann wäre macOS auch Open Source.

Grundsätzlich darf an natürlich fragen warum Defizite in manchen Bereichen überhaupt ein Problem sein sollen. Open Source und proprietäre Produkte harmonieren schließlich leidlich miteinander. Meiner Erfahrung nach verfolgen viele eingefleischte Open Source Nutzer allerdings einen ganzheitlichen Ansatz und möchten proprietäre Produkte so weit wie möglich aus ihrem Umfeld verbannen. Wenn in immer mehr Lebensbereichen nur die Wahl zwischen Verzicht und proprietären Produkten besteht könnte man dazu übergehen gleich auch die letzten Open Source Refugien zu eliminieren.

Defizite und Perspektiven

Smartphones

Android war wie schleichendes Gift! Als Apple 2007 mit dem iPhone die Handy-Welt umkrempelte das Smartphone aus der Business-Ecke holte gab es durchaus verschiedene vielversprechende Ansätze. Die ganze Welt startete quasi bei Null. Alte Ansätze wie Symbian oder Black Berry OS entwerteten sich binnen weniger Monate. Der Markt war offen für neue Player und davon gab es einige. Man erinnere an MeeGo oder PalmOS. Diese scheiterten natürlich nicht allesamt an Android sondern hatten viele weitere Begrenzungen Probleme und Fehlentscheidungen.

Linux am Desktop zeigt jedoch wie genügsam die Community sein kann. Man benötigt nicht jede App, man braucht keine 50% Marktanteil. Die Basis war da, nur sammelten sich die interessierten Open Source Entwickler im Android-Ökosystem. Da war ja irgendwie Open Source und irgendwie Linux. Dort arbeiten sie nun um die Android Restriktionen herum und versuchen krampfhaft den zunehmend proprietären Kurs von Google zu kompensieren. Von einer transparenten und offenen Mitwirkung am Entwicklungsprozess mal ganz zu schweigen. Es erinnert an OpenOffice.org und Oracle. Nur ist die Android-Community zu zerfasert und unorganisiert um den Sprung zu wagen, den damals die Office-Entwickler machten. Der Versuch von Cyanogen scheiterte kläglich, nachdem man sich einem anderen IT-Großkonzern an den Hals geschmissen hatten.

Den Mobile-Zug hat man vollständig verpasst. Ubuntu Touch und Meego sind kaum mehr als Experimentalstudien und kommen trotz des leidenschaftlichen Einsatzes der wenigen Entwickler kaum vom Fleck. Purisms Librem ist vor allem ein Beispiel für ausgezeichnete PR-Arbeit und wie verzweifelt die Community inzwischen ist.

Tablets

Tablets waren mal große Smartphones und mit diesem Konzept wurden viele Millionen Geräte verkauft. Die Absatzzahlen gehen nun aber schon länger zurück und die Firmen reagieren mit einer zunehmenden Professionalisierung der Geräte. Ein Microsoft Surface oder das iPad Pro richten sich nicht an den Sofa-Surfer. Die zugedachten Tätigkeiten werden auch immer weiter ins Produktivitätsumfeld geschoben und mit alternativen Eingabemethoden wie dem Pencil versehen.

Das ist erst einmal für Open Source eine Chance. Auf einer Surface Hardware läuft prinzipiell auch Linux. Während manche Desktops wie die GNOME Shell das Spagat zwischen Tastatur und Maus, sowie einer Finger- und Gestenbedienung ganz passabel meistern, gilt dies für viel Software im Produktivbereich - man denke nur an LibreOffice - überhaupt nicht.

Ganz abgefahren ist der Zug hier aber noch nicht. Das ist schon mal ein Unterschied zu Smartphones.

Smarte Assistenten

Smart Assistenten sind das Megathema der Gegenwart. Amazon, Apple, Google - alle spielen sie mit. Sonderlich smart sind diese Lösungen eigentlich immer noch nicht. Selbst die Produkte der Marktführer sind - um im Begriffsschema zu bleiben - ziemlich "dumm". Die Tendenz ist aber eindeutig. Waren sie ursprünglich nur in Smartphones und Autos, finden sie sich nun in Lautsprechern und weiteren Produkten. Sie sind Teil der Zukunft.

Am Beispiel der smarten Assistenten zeigt sich ein Problem in der Open Source Entwicklung. Geldmangel und Organisationsmangel. Einen smarten Assistent entwickelt kein Entwickler nebenbei in seiner Freizeit, hier reicht auch keine kleine Entwicklergruppe. Solche Organisationsformen sind aber Nukleus fast alles Open Source Projekte - bis hin zum Linux Kernel. Diese Lücke füllte zumindest ansatzweise eines der wenigen echten Open Source Unternehmen - Mozilla - mit Common Voice und Deep Speech. Zwei Projekte in den Kinderschuhen aber mit Perspektive. Jedenfalls hatten sie diese bis Mozilla aus Geldnot vor kurzem den Stecker zog. Unklar sind die Auswirkungen auf die einzige wirkliche freie AI Mycroft.

Zukunftsträchtige Unterfangen hängen oft von einigen Firmen ab, wenn diese sich zurückziehwen war es das. Das ist auf dem Desktop mit Red Hat so, am Browser mit Mozilla und eben auch bei exotischeren Projekten wie Spracherkennung. Ironie: Auch hier hängt es letztlich an Google. Nun sagt man immer, dass kein Parasit den Wirt zerfrisst von dem er lebt - aber auch das bleibt abzuwarten.

Smart Home

Smarte Assistenten und ein smartes Zuhause sind zwei Seiten der gleichen Medaille bzw. greifen oft ineinander. Genau wie bei den Assistenten spielt nahezu jede infrage kommende Firma mit. Neben Startups sind das auch etablierte Marken wie - das zwischenzeitlich ausgegliederte - Philips Hue oder gar IKEA. Als Schaltzentralen etablieren sich zunehmend Sachen wie Apples HomeKit oder Googles Home-Lösung. Die proprietären Anbieter versuchen mit zweifelhaften Maßnahmen ihre Standards für allgemeingültig zu erklären.

Open Source hat hier openHAB zu bieten. Das viel mehr als nichts, aber wie so oft ist die Einarbeitungszeit immens. Die Berichte zeigen die Möglichkeiten, aber auch den Arbeitsaufwand. Die damit gesteuerten Endgeräte sind allerdings nahezu immer proprietär. Trotzdem ist hier noch ein wenig Potenzial für die zukünftige Entwicklung enthalten.

Vernetzte Geräte

Vernetzte Geräte sind irgendwie Teil des Smart Home, aber ich möchte sie hier dennoch separat ansprechen. Ein verbreitetes Beispiel sind kabellose Multiroom-Lautsprecher. Bekannte Marken sind hier SONOS, BOSE und Teufel. Was eint sie alle? Es sind letztlich proprietäre Systeme und man ist für den langfristigen Betrieb auf den guten Willen der Hersteller angewiesen. Wenn man auf diese Systeme verzichten möchte bleiben einem ggf. noch die integrierten Protokolle von Apple- allerdings ist auch dieses nicht offen.

Bei Open Source sind hier leider nur Leerstellen. Miracast ist weitestgehend Theorie geblieben. Multiroom bedeutet bei Open Source immer noch ein zentrales raspberry oder einen Server und dann Kabel ziehen.

Viele weitere Leerstellen

Die Liste lässt sich beliebig fortführen, weil immer mehr Bereiche unsere Lebens digitalisiert werden. Offene und transparente Steuersysteme für Autos und andere Mobilitätssysteme? Smart-TVs und Smartwatches? Die ganzen aufkommenden Dienste wie das Mobile Payment? Streaming? Alles nicht mal angedacht, von Dienstleistern ohne DRM und freien Protokollen nichts in Sicht

Fazit

Abseits des eigentlichen Desktops und Notebooks spielt Open Source höchstens die Rolle eines Zulieferers. Man darf halt den Firmen den Kernel oder ein paar Protokolle liefern, aber freie Systeme gibt es nicht. Ausgehend von einem fiktiven Startdatum 2007 - also kurz bevor Smartphones das Licht der Welt erblickten, aber Linux schon quasi massentauglich war - ist das ein erheblicher Rückschritt aus Anwendersicht.

Dafür gibt es viele Gründe und man sollte sich hüten Schuldige zu benennen. Entwickler arbeiten woran sie Spaß haben und die zunehmende Komplexität des digitalen Umfelds als Herausforderung für die Open Source Entwicklungsstrukturen haben schon vor Jahren Entwickler erkannt.

Nur sollte man meiner Meinung nach die vielschichtigen Defizite und wenigen Perspektiven im Blick behalten, wenn mal wieder irgendeine Initiative Open Source auf irgendwelchen Staats-Desktops fordert oder Schulen mit Linux versorgen möchte. Angesichts der Gesamtentwicklung erscheint mir das gelegentlich als Zombiedebatte.


Bilder:
Einleitungsbild und Beitragsbild von von Pixaline via pixabay

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Tags: Open Source, Schnittstellen, Protokolle, Smart Home, Ökosystem

Ergänzungen zum Artikel

Weitere Informationen können den Nutzungsbedingungen entnommen werden.

Thomas S.
Viele schöne und richtige Kommentare hier, die Defizite im FOSS-Bereich benennen. Aber wo bleiben konstruktive Vorschläge oder gar Taten?
Ich persönlich kann zur Entwicklung nichts beitragen, engagiere mich aber etwas im Support und versuche auch finanziell zu unterstützen. Vor allem bin ich aber bereit hier und da Einschränkungen hinzunehmen, wenn ich dafür ein (mehr oder weniger) "freies" System bekomme, das ich nach meinen Wünschen benutzen und anpassen kann.
Du erweckst immer den Eindruck FOSS unterstützen zu wollen. Am Ende heißt es dann aber meist, dass propritäre Lösungen (macOS) doch leider überlegen seien.

Gerrit
Zuletzt bearbeitet am 12.09.2020 15:58 von Gerrit
Ich arbeite seit Jahren bei ubuntuusers.de mit. Zuletzt als Supporter, Moderator und in der Projektleitung. Das "frisst" jede Woche mehrere Stunden meiner Zeit. Ich glaube nicht, dass ich mir vorwerfen lassen muss nichts aktiv beizutragen.

In diesem Blog finden sich übrigens nicht nur solche Kommentare sondern auch Artikelserien zum Einsatz von z. B. Nextcloud oder Smartphones mit Custom ROMs. Auch kein Beitrag?

Patrick
Hey Gerrit,

ich hoffe es geht Dir gut.


Gerrit sagte :
Ich arbeite seit Jahren bei ubuntuusers.de mit. Zuletzt als Supporter, Moderator und in der Projektleitung. Das "frisst" jede Woche mehrere Stunden meiner Zeit. Ich glaube nicht, dass ich mir vorwerfen lassen muss nichts aktiv beizutragen.


Dein Engagement in Ehren, dabei handelt es sich jedoch nicht um ein Open-Source Software-Projekt. Und diese werden in regelmäßigen Abständen von Dir ganz böse „abgewatscht“. Und das ist noch positiv ausgedrückt. Die Kritik ist teils unsubstantiiert.

Es werden oft absolute, unumstößliche, jeder Kritik erhabenen Aussagen getätigt.
Beispiele:
"... vollständig verpasst."
"... überhaupt nicht."
"... nur Leerstellen."
"Alles nicht mal angedacht ..."

Von daher musst Du schon mit Vorwürfen und Kritik rechnen.

Zu Tablets:

„ … sowie einer Finger- und Gestenbedienung ganz passabel meistern, gilt dies für viel Software im Produktivbereich - man denke nur an LibreOffice - überhaupt nicht.“

Getestet auf Surface 4 Pro mit Writer Version 5.4.7.2 (x64)
Fingerbedienung funktioniert deutlich besser als „überhaupt nicht“!
Gestenbedienung funktioniert deutlich besser als „überhaupt nicht“!
Das ist doch eine schöne Formulierung, die nicht absolut, unumstößlich und jeder Kritik erhabenen ist, oder?

Zu Vernetzte Geräte:
„Bei Open Source sind hier leider nur Leerstellen.“
„… nur Leerstellen.“ kann man so nicht sagen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Logitech_Media_Server
Funktioniert via WLAN! Z.B. mit Squeezbox; Multiroom sowieso untereinander kein Problem und auch in Kombination mit anderen Herstellern wie z.B. Yamaha.
Und was man alles mit Drittanbieter Add-ons hier alles machen kann darf man im Netz gar nicht schreiben (unbelievable). * RESPECT * an die OpenSource Community

Viele weitere Leerstellen
Smart TV:
Man nehme ein Dumb TV + z.B. einen Raspberry PI + z.B. LibreElec

Streaming:
Musik, Video, DVD und Bluray streaming gibt es das nicht? Doch gibt es, oder?

Ach und ein Mix aus Opensource und Closesource ist doch nicht schlimm. Wieso soll man das Rad neu erfinden.
In Microsoft One Note kann ich Fotos nur dank einer Opensource Software fotografieren.
*RESPECT* an die OpenSource Community

Gerrit sagte :
In diesem Blog finden sich übrigens nicht nur solche Kommentare sondern auch Artikelserien zum Einsatz von z. B. Nextcloud oder Smartphones mit Custom ROMs. Auch kein Beitrag?


Den Artikel über Custom ROMs brauche ich nicht zu lesen wenn der Zug, laut Dir, doch ohnehin schon abgefahren ist.

Nimm es nicht persönlich. Ich meine es nicht böse ;-)

Gruß
Patrick

Gerrit
Zitat :
Dein Engagement in Ehren, dabei handelt es sich jedoch nicht um ein Open-Source Software-Projekt.

Ohne Community sind OSS Projekte gar nichts. Ich finde die Mitarbeit in solchen (unabhängig von mir und ubuntuusers) daher wertvoll und enorm wichtig.

Zitat :
Es werden oft absolute, unumstößliche, jeder Kritik erhabenen Aussagen getätigt.

Du wünscht dir also mehr relativierende Sätze und mehr Konjunktiv, damit ich in bester Politiker-Manier immer sagen kann "falsch verstanden" worden zu sein? Ich finde da stellst du falsche Erwartungen an das Medium "Blog" und die Beitragsform "Kommentar".

Thomas S.
Der Beitrag war nicht überhaupt nicht gegen Deine Person gerichtet, sondern bezog sich ausschließlich auf den Blog hier. Da würde ich mir halt mehr "Konstruktives" wünschen. Bei vielen Deiner Beiträge macht sich bei mir eher ein "wird ja doch nichts, geht alles den Bach runter"-Gefühl breit.
Was Du ansonsten tust kann ich nicht beurteilen und geht mich auch nicht wirklich etwas an. Aber es freut mich, zu erfahren, dass Du Dich auch für Freie Software engagierst.
Also bitte die Kritik nicht persönlich sondern konstruktiv nehmen. Ich wünsche mir, dass FOSS auch in Zukunft für Menschen attraktiv bleibt. Solche Blogs, wie der hier, tragen da zur Meinungsbildung bei.

Gerrit
Zitat :
Bei vielen Deiner Beiträge macht sich bei mir eher ein "wird ja doch nichts, geht alles den Bach runter"-Gefühl breit.

Da ist sicherlich was wahres dran, weil ich es oft so empfinde. Viele der medial geführten Debatten und allgemeinen Entwicklungen haben "und täglich grüßt das Murmeltier" Qualität. Siehe z. B. gerade aktuell um OSS im Bildungssektor.

Deisi
Bei Smartphones und Tablets gebe ich dir völlig recht. Bei Smarten Assitenten ist das letzte Wort vielleicht noch nicht gesprochen. Ja, Amazon ist da übermächtig. Selbst Google und erstecht Apple sind Jahre hinterher und freie Alternativen sind noch weiter weg. Aber Projekte wie Mozzilla Common Voice können hier vielleicht zumindest die Grundlage für eine Änderung bringen.

Am Ende bin ich der Meinung, dass das starren auf Marktanteile für OpenSource Projekte nicht sinnvoll ist. Ein OpenSource Projekt lebt nicht von seinen Benutzern, sondern von seinen Entwicklern. Ich habe lieber einen Entwickler mehr und dafür 10000 Benutzer weniger. Zurecht stellt sich immer die Frage, wie bezahlen. Aber solange es einen Stamm an bezahlten Entwicklern gibt kann es gut gehen.

Wo ich absolut nicht deiner Meinung bin ist SmartHome. Ich verstehe echt nicht warum im deutschsprachigen Raum alle auf OpenHAB gucken? Das ist IMO nicht halb so dolle und groß wie Heise und Co es machen. HomeAssistant ist das mit Abstand bessere und sich schneller entwickelnde System und im Gegensatz zu OpenHAB auch wirklich Community driven. Home assistant ist das Projekt auf Github mit den 10 meisten Entwicklern:

https://www.heise.de/developer/meldung/Das-GitHub-Universum-waechst-auf-ueber-40-Millionen-Entwickler-4580680.html

und guck dir einfach mal die umliegenden Projekte an. VSCode, Azur, Tensorflow. Das sind alles keine Community Projekte, sondern kommt alles von den Big 5. Warum immer OpenHAB als einziges freies Smarthome Projekt erwähnt wird ist mir schleierhaft. Der OpenHAB Core hat laut github ganze 63 Conrtributor. Bei HomeAssistant sind es 2133.

Alle zwei Wochen gibt es bei HomeAssistant einen neuen release mit über 100 Beitragenden und es werden stetig mehr. Wenn bei OpenHAB mal zwei Neue mit machen, dann machen die doch gleich ne Flasche Sekt auf. Der Unterschied ist, das OpenHAB ein paar mehr fest angestellte hat. Wie genau sich ObenHAB finanziert weiß ich nicht.

Der Gründer von HomeAssistant hat eine Firma gegründet und es gibt einen Cloudzugang den man sich für 5EUR im Monat kaufen kann. Der Effekt ist, dass man sich einiges an Konfiguration sparen kann, aber man muss es nicht kaufen. Wer Zeit und Geduld hat, braucht das nicht. Ich sehe es eher als regelmäßige Spende mit Benefits. Soweit ich weiß haben sie inzwischen 3 Voll zeit Entwickler und eben tausende Hobby Leute wie mich.

PS: Ich bin vielleicht etwa biased, weil ich schon so lange bei HomeAssitant mit mache, aber es entwickelt sich wirklich gut. Die Community ist super freundlich und es macht einfach Spaß. Mich ärgert immer dieser Fokus auf OpenHAB, die gefühlt seit 2 Jahren nix anderes machen als die Features von HomeAssistant zu kopieren.

Gerrit
Danke für den Hinweis auf HomeAssistant. Das ist zu 100% an mir vorbei gegangen.
Deisi
Aso Thema Multiroom-Audio. Guck dir mal snapcast an.

https://github.com/badaix/snapcast

Extrem stabil meiner erfahrung nach. Wenn du statt FLAC den Opus encoder nimmst geht es auch gut über WLAN.

Snapcast ist allerdings keine Lösung für jeden. Man kommt nicht um die Kommandozeile rum. Wenn du was mit Klickibunti und 0 Konfiguration suchst, dann ist das leider nix.

user
Gerrit sagte :
Zitat :
Bei vielen Deiner Beiträge macht sich bei mir eher ein "wird ja doch nichts, geht alles den Bach runter"-Gefühl breit.

Da ist sicherlich was wahres dran, weil ich es oft so empfinde.

Das Gefühl habe ich beim lesen des Blog auch oft, und neige dann auch zu mehr oder weniger empörten Kommentaren. Wohl teilweise auch, weil ich fürchte es könnte ein Nerv getroffen worden sein.

Richtig ist zweifellos, das Software Entwicklung immer komplexer wird, und immer mehr auch auf eine dahinter stehende Server und Cloud Infrastruktur voraussetzt, sei es um die Vernetzung (z.B. Messenger oder zentrale Backups bzw. Geräte übergreifende Konten) zu gewährleisten oder auch komplexe Berechnungen (Spracherkennung, AI, etc.) auf zentrale Server auszulagern. Für kleine OpenSource Projekte kaum zu stemmen, erst recht nicht wenn dann noch eine ausgefeilte UI für alle Plattformen und eine intuitive Bedienung zum Maßstab werden.

Allerdings möchte ich zu bedenken geben, das OpenSource Projekte auch früher selten Innovationstreiber waren. Meist wurden bestehen Entwicklungen "befreit" und dabei höchstens teilweise auch behutsam verbessert, häufig aber "nur" im Hinblick auf Verfügbarkeit und Interoperabilität und Datenschutz, weniger im Hinblick auf die Funktionalität.

Ähnliches kann man immer noch beobachten, nur das der zeitliche Versatz zu erfolgreichen kommerziellen Lösungen immer größer wird. Das hat natürlich auch damit zu tun, das sich aktuelle Lösungen nicht mehr ohne ausreichend finanzielle Ressourcen Lösen lassen. Das macht die Entwicklung aufwändiger und die Projekte größere, außerdem kommen andere Abhängigkeiten dazu. Auch wenn man sich nicht von einem einzigem kommerziellen Sponsor abhängig macht, sondern die Finanzierung über Stiftungen, Community-Spenden oder andere Finanzierungsmodelle läuft. Man braucht dann nicht nur Entwickler, sondern auch Projektmanager, Buchhalter und Leute für die Öffentlichkeitsarbeit.

Trotzdem entwickeln sich in diesen Bereichen Alternativen, und es wird auch immer deutlicher, was der Preis ist, wenn man seine Daten ausschließlich kommerziellen Unternehmen überlässt. Ich bin daher trotzdem verhalten optimistisch, das sich auch in diesem Bereichen mit der Zeit nachhaltige Ökosysteme entwickeln werden. Niemals als Speerspitze der Entwicklung, aber als offen alternativen für einen digitalen "Grundbedarf".

Dieter R.
Zitat :
Nur sollte man meiner Meinung nach die vielschichtigen Defizite und wenigen Perspektiven im Blick behalten, wenn mal wieder irgendeine Initiative Open Source auf irgendwelchen Staats-Desktops fordert oder Schulen mit Linux versorgen möchte. Angesichts der Gesamtentwicklung erscheint mir das gelegentlich als Zombiedebatte.

Ich finde das Fazit was du hier ziehst nicht ganz fair. Ein Staats-Desktop sollte ja nicht von einer freiwilligen OpenSource-Gemeinschaft entwickelt werden sondern könnte ja durchaus auch von privaten Firmen unter einer OpenSource-Lizenz entwickelt werden. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen und es kostet Geld (evt. sogar erstmal mehr). Aber so wie das Limux-Projekt politisch initiiert worden ist, ist es auch wieder abgesägt worden. Ich wage mal zu behaupten, dass, wenn man Konsequent in der öffentlichen Verwaltung zumindest offene Schnittstellen fordern würde, dann offene Projekte auch eine deutlich größere Wahrnehmung bekommen und deutlich stärker aktiv entwickelt würden. Der Staat hat hier eine Sonderstellung und könnte den Markt durchaus steuern. Beispiel: Hätte man statt docx vor X-Jahren die freien OpenOffice-Formate vorgeschrieben, würde heute sich vermutlich niemand mehr über nicht funktionierenden Import von Microsoftformaten in LibreOffice beschweren. Über die Nutzeroberfläche ließe sich jetzt trotzdem noch streiten ^^. Ähnliches mit den Cloudprodukten für Bildungseinrichtungen. Natürlich muss man da einen langen Atem haben, aber ich denke es wäre schon möglich auf Bundesebene ein funktionierendes System zu entwickeln und bereitzustellen mit offenen Schnittstellen für private Anbieter statt jetzt überall Teams auszurollen. Ein schönes Beispiel ist doch die Entwicklung der Corona-App. Staatlich finanziert, gesellschaftlich akzeptiert auch weil OpenSource und sie funktioniert.
Lange Rede kurzer Sinn: Ich denke die politische Forderung nach offenen Systemen oder zumindest Schnittstellen ist immer legitim und wird auch nicht dadurch obsolet, dass die IT-Landschaft komplexer und höher integriert wird.

Gerrit
Ich habe nicht gesagt, dass die Forderung illegitim wäre.

Ich finde diese Einstellung ("Hauptsache der Staat hat Linux auf dem Desktop") angesichts der Herausforderungen der Gegenwart nur einfach ein wenig altbacken. Außerhalb der OSS-Community rezipiert das auch kaum jemand. Es hat manchmal den Eindruck man blendet die vielen Probleme aus und bewegt sich in einer Zeitschleife von 2003-2006 (Testphase LiMux).

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