Die IT Welt unterliegt einem steten Wandel, aber manches bleibt gleich. Dazu gehört bei Linux die Trennung in Rolling Release Distributionen und solche mit festen Releases und Supportzeiträumen. Sind diese entsprechend lang, spricht man meist von Enterprise-Distributionen oder LTS-Distributionen.

Traditionell empfehle ich nur Letztere für den produktiven Einsatz. Der Kanon der relevanten Distributionen ist dabei über die Jahre sehr konstant geblieben. Mich erreichen häufig Kommentare und E-Mails mit der Bitte, doch mal Manjaro, Arch Linux, openSUSE Tumbleweed oder Ähnliches vorzustellen.

Momentan setze ich selbst eine RR-Distribution ein, weil mein Notebook erst ab Kernel 5.8 unterstützt wird und keine verfügbare LTS Variante diesen Kernel aktuell führt. Ich freue mich aber schon darauf, wenn ich auf dem Gerät auf eine LTS Distribution wechseln kann. Ich hatte alleine in den letzten zwei Monaten genug Scherereien damit. Beim Wechsel auf Linux 5.10 startete beispielsweise das System erst mal nicht, weshalb ich händisch 5.9 starten musste. Ein späteres Update bereinigte das dann. Ähnliches passierte beim Update des NetworkManager-Stacks. Alles kein Drama, aber es kostete Zeit, die ich sonst für anderes gehabt hätte.

Es gibt im wesentlichen zwei Gründe warum ich LTS-Distributionen den Vorzug gebe:

Der erste ist die Stabilität. Ein Ubuntu, Debian, openSUSE Leap oder bis vor kurzem auch CentOS System konnte ich aufsetzen, danach die Updates auf den Automodus einstellen und das Gerät dann für die nächsten 3, 5 oder sogar 10 Jahre vergessen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich in dieser Zeit ein Problem durch Updates bekomme, geht meiner Erfahrung nach gegen null. Anhänger von RR-Modellen führen dagegen die verhältnismäßig aufwendigen Upgrades zwischen den Versionen an und dass sie lieber jeden Tag oder jede Woche ein bisschen Arbeit in das System stecken (sofern notwendig). Das funktioniert aber halt auch nur, wenn man selbst die Zeit, Lust und Expertise hat dies zu tun. Für betreute Systeme fällt das weg und bei kritischen Systemen, die unbedingt funktionieren müssen, eigentlich auch. Mir ist aber durchaus klar, dass viele Anwender von openSUSE Tumbleweed oder Arch Linux Installationen haben, die Jahre alt sind.

Deshalb ist der zweite Punkt für mich deutlich relevanter: Updates bringen Arbeit ohne Mehrwert. Mir ist das gerade wieder sehr deutlich vor Augen geführt worden. Aktuell müssen hier ein paar Kubuntu 18.04 Installationen aktualisiert werden. Die Systeme sind von den Versionsständen gut drei Jahre alt. Eine Aktualisierung bringt nahezu keinen funktionalen Mehrwert. Mir ist das erst völlig klar geworden, als ich den Upgrade-genervten Anwendern die Vorzüge der neuen Version wenigstens ansatzweise schmackhaft machen wollte. Ein paar Schaltflächen wurden durch die Gegend geschoben und das war es auch schon. Das gilt ebenso für GNOME und erst recht für Desktopumgebungen wie MATE und Xfce. Klar kann man nun argumentieren, dass es mehr als den Desktop gibt, aber auch dort gibt es keine relevanten Neuerungen. Firefox Updates gibt es bei jeder LTS-Version auch im Supportzeitraum und sonst so? LibreOffice bringt in jedes neue Release genau so viele neue Bugs ein, wie es alte schließt. Kontact, Evolution, Thunderbird, FileZilla, Mediaplayer, GIMP – überall kann man relevante Neuerungen mit der Lupe suchen. Warum soll man sich also die Instabilität eines RR Systems antun? Es sind doch Updates um der Updates willen.

Das sind die beiden Gründe, weshalb hier nie RR Distributionen empfohlen werden.

Gerrit
Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

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