Geteilte Mobilität – Geteilte Daten?

Carsharing-Anbieter gehören in deutschen Städten schon lange fest zum Stadtbild. In jüngster Zeit kamen dazu noch andere Formen geteilter Mobilität wie Velosharing-Anbieter. Der Trend nimmt sicherlich noch zu, weil immer mehr Menschen nicht das Bedürfnis haben (oder den Platz) alles zu besitzen, sondern eine Mietoption ausreicht.

Obwohl die Anbieter bereits seit längerem expandieren, bin ich erst mit dem kürzlich gestarteten Frelo-System in Freiburg darauf aufmerksam geworden. Das System gehört zum örtlichen ÖPNV-Betreiber und wird von nextbike betrieben.

Der Mobilitätstraum der Zukunft birgt leider ein großes Datenschutz-Risiko. Bereits bei der Registrierung muss ein künftiger Kunde Telefonnummer, Name, Anschrift hinterlegen. Hinzu kommen dann noch die Informationen zur Abrechnung wie Kontonummer etc. Das ist natürlich zur Erbringung des Dienstes notwendig. Alle Fahrräder sind mit einem GPS-Modul ausgestattet. Über dieses Modul kann der Anbieter und Kunde die Fahrräder orten und gucken ob in seiner Nähe etwas verfügbar ist. Theoretisch lässt sich aber natürlich über das GPS Modul und die Verknüpfung mit den Kundendaten ein exaktes Bewegungsprofil erstellen. In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau hat der Chef von Nextbike eine solche Datenauswertung allerdings ausgeschlossen. Lediglich Start und Ziel, sowie Dauer werden erhoben. Auch schon nicht wenig, aber noch nachvollziehbar.

Nextbike ist immerhin ein deutsches Unternehmen und unterliegt DSGVO und deutschen Datenschutzgesetzen. Auf dem Markt tummeln sich aber zunehmend undurchsichtige Anbieter aus Fernost. Diese unterliegen zwar durch die Angebotserbringung in Deutschland theoretisch auch der DSGVO, aber wer viel das schon einfordern. Bei der Pleite eines dieser Anbieter im letzten Jahr hat man nicht mal die Entsorgung der Fahrräder regeln können. In China stand bei einigen dieser Anbieter wohl ziemlich offensichtlich das Sammeln von Daten im Zentrum des Interesses.

Der Traum von der Sharing-Economy könnte unter diesen Bedingungen in einem Datenschutz-Albtraum enden. Das eigene Fahrrad ist da leider immer noch die datenschutzfreundlichste Alternative. Jedenfalls sofern man sein Verhalten nicht selbst trackt und mit zweifelhaften Apps auf dem Smartphone verbindet. Sollte man trotz dieser Bedenken zu einem dieser Sharing-Modelle greifen wollen, muss man genau schauen wer hinter dem Angebot steht.

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