Datenstreuung für mehr Datenschutz?

Symbolbild "Smartphone Daten"

Unter dem Prinzip der Datenstreuung oder auch der Datenverteilung versteht man eine Vorgehensweise, bei der man nicht alle Dienste eines einzelnen Anbieters nutzt, sondern seine Daten auf viele Dienstanbieter verteilt oder sogar mehrere Anbieter für die gleiche Dienstleistung, wie beispielsweise die Cloudspeicherung, nutzt. Diese Vorgehensweise wird immer wieder aus Datenschutzgründen empfohlen. Doch bringt das wirklich etwas?

Auf den ersten Blick erscheint das Prinzip einleuchtend. Der Dienstanbieter erhält nur einen Bruchteil der Daten bzw. nur jenen Ausschnitt, den man mit ihm teilt. Beispielsweise nur die Aufgabenverwaltung in Form einer ToDo-Liste, während Kalenderdaten bei einem anderen Anbieter verwaltet werden und die Kontaktdaten bei einem weiteren Dienstleister.

Wer sich auf dieses Prinzip verlässt hat jedoch zwei Probleme. Erstens ist das Milieu der Dienstleister und Start Ups nicht sonderlich stabil. Hat man beispielsweise gestern noch seine Aufgaben bei einem kleinen deutschen Start Up wie Wunderlist gespeichert, liegen diese heute bei Microsoft. Zweitens sind Daten eine handelbare Ware, wie jüngste Recherchen des MDR mal wieder eindrucksvoll zeigen. Ein Dienstanbieter kann sowohl – entsprechende Passagen in den AGBs vorausgesetzt – die Daten verkaufen, als auch durch Zukäufe sein Datenprofil vervollständigen.

Der Zugewinn an Datenschutz und Privatsphäre durch die Verteilung seiner Daten auf viele Dienstleister ist somit nicht garantiert. Gemessen an dem Aufwand, den die Pflege zahlreicher unterschiedlicher Dienste mit sich bringt, sowie die Effizienzverluste in der Zusammenarbeit, dürften deutlich sinnvollere Formen des Datenschutzes in greifbare Nähe kommen.

Mit wenig mehr Aufwand lassen sich heute auf einem heimischen Server viele Dienste selbst betreiben. Dort liegen die Daten wirklich unter der eigenen Kontrolle, alles andere dient lediglich der eigenen Beruhigung und bringt keinen dauerhaften Vorteil mit sich.


Bilder:

Einleitungs- und Beitragsbild von mohamed Hassan via Pixabay 

Mehr aus dem Blog

Firmware Updates (BIOS) mit fwupd

Mein privates Hauptgerät ist schon länger ein HP EliteBook G7. Firmware-Updates für einzelne Hardwarekomponenten gab es schon länger via fwupd, aber nun geht darüber...

Boxcryptor von Dropbox übernommen

Ein bisschen untergegangen ist bei mir und vielen anderen vermutlich die Meldung, dass Dropbox von der Secomba GmbH deren Produkt Boxcryptor erworben hat. Das...

Firmen benötigen kein „zweites Leben“ mit Linux

Heise bringt mal wieder eine Serie zum Umstieg auf Linux. Dieses mal für Unternehmen im Angesicht der Windows 11-Migration. Das geht völlig am Thema...

Warum man „Face unlock“ mit einem Google Pixel 7 nicht nutzen sollte

Biometrische Entschlüsselung ist ein Thema für sich. Selbst wenn man dem nicht gänzlich ablehnend gegenüber steht, sollte man nicht leichtfertig jede Lösung nutzen. Gesichtserkennung...