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Literaturverwaltungen sind ein recht spezielles Softwarefeld, da sie nur für verhältnismäßig wenige Menschen interessant sind. Vornehmlich Wissenschaftler und Leute, die beruflich viel lesen, daher hält sich das Angebot auch in engen Grenzen. Es eignet sich aber hervorragend um allgemeine Probleme aufzuzeigen, denn demnächst könnte es für datenschutzbewusste Nutzer noch deutlich düsterer aussehen.

EndNote, Citavi und Zotero sind die großen drei Anbieter auf den Markt. Insbesondere in Deutschland hat sich Citavi durch Verträge mit vielen Hochschulen einen fest Stand erarbeitet. Auf dem Mac noch relevant ist Papers und dann folgen mit großem Abstand Anbieter wie Mendeley und diverse Dienste mit reinen Weboberflächen. In den MINT-Fächern haben sich BibTeX-Frontends bisher noch behaupten können, aber es soll ja auch noch Professoren geben, die ihre Bücher mit der Schreibmaschine schreiben.

Literaturverwaltungsprogramme sind – richtig eingesetzt – das ausgelagerte Projektgehirn eines Wissenschaftlers. Sie sind keine tabellarische Übersicht der gelesenen Literatur (außer man quält sich noch mit BibTeX rum) sondern verwalten digitalisierte Texte, Abstracts, Kommentare, Schlagworte, Kategorien und Verknüpfungen. Manche Systeme kombinieren dies mit Aufgabenverwaltung und Wissensmangement. Man muss sich dies vor Augen führen um die Datenschutzproblematik klar zu machen.

Die klassischen Literaturverwaltungsprogramme leiden seit Jahren an Defiziten bei der Verwendung auf mehreren Geräten. Das ist kein spezifisches Problem von Literaturverwaltungen sondern betrifft so ziemlich alle Programme. Alle großen Anbieter sind entstanden bevor der Wissenschaftler einen Büro-Desktop, einen Laptop und eventuell noch Tablet und Smartphone mit sich führte. Das ist aber Vergangenheit und wenn man heute auf einer Konferenz ist oder in einem Archiv sitzt möchte man durchaus auf die Verwaltung zugreifen können und nicht warten müssen bis man das nächste Mal das Büro betritt.

Die Lösung heißt bei allen Anbietern Cloud. Das ist soweit nachvollziehbar, da alle anderen Synchronisationslösungen fehlerbehaftet sind und deshalb auf lange Licht nicht praktikabel erscheinen. Neu ist aber, dass ausnahmslos alle großen Anbieter wie EndNote, Citavi, Papers und Mendeley auf eine firmeneigene Cloud setzen.

Cloud muss ja nicht per se etwas schlechtes sein. Aufgesetzt auf einem Server unter eigener Kontrolle und mit starker clientseitiger Verschlüsselung spricht nicht mehr viel gegen einen Cloudeinsatz. Papers hat mit seiner Version 3 vorgemacht, dass solche Lösungen sich durchaus einsetzen lassen. Kurz gesagt: Jede Cloudlösung, die einen lokalen Synchronisationsordner hatte, ließ sich mit Papers 3 verwenden.

Anstatt solche Lösungen weiterzuentwickeln, setzen aber alle Anbieter auf firmeneigene Insellösungen, bei denen der Kunde/Anwender vollkommen dem Anbieter vertrauen muss. Selbst Papers begräbt vermutlich seine gelungene Multicloud-Lösung. Angesichts der Bedeutung für die Projektarbeit ist es absolut undenkbar die Literaturdatenbank auszuhändigen.

Was bleibt da noch als Lösung: Kurz- und mittelfristig nur die lokale Speicherungen auf einem Gerät ohne Synchronisation, so lange die Programme dies noch unterstützen. Angesichts des Entwicklungsverlaufs in anderen, dynamischeren Bereichen darf man anzweifeln das dies noch lange funktionieren wird.

Langfristig dann vermutlich der Rückschritt auf eine Lösung, die einem mehr Freiheit bietet. Leider bedeutet dies zwangsläufig Abstriche im funktionalen Bereich zu machen. Die meisten Open Source-Lösungen ohne entsprechenden Cloud-Zwang können verglichen mit EndNote oder Citavi nicht im entferntesten Funktionsparität bieten.

Etwas abstrahiert scheint sich hier ein neues Dualismus anzubahnen. Es stehen sich mehr (ausschließlich) quelloffene und proprietäre Programme gegenüber, sondern frei entwickelte und kommerzielle Lösungen. Letztere zeichnen sich zunehmend durch Abomodelle und Anbieterclouds aus, um einen möglichst großen Vendor-lock-in Effekt zu erzielen. Frei entwickelte Software leidet im Gegenzug an fehlenden Wirtschaftsmodellen und damit fehlender Professionalität.

Trübe Aussichten!


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Gerrit
Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

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