Symbolbild "Lesen Laptop"

Der Desktop ist beherrscht von Microsoft Windows. Die Gründe für dieses Quasi-Monopol sind vielfältig und bedingen sich vermutlich gegenseitig. Wir verwenden Windows in der Ausbildung, im Job und eben auch privat. Die Bedeutung dieses Monopols sinkt zwar seit Jahren durch den Bedeutungsgewinn von Smartphones und anderen mobile devices. Nichtsdestotrotz eignet sich das Thema noch für die mediale Berichterstattung und als Vorlage für die leicht erregbare Netzgemeinschaft.

Die ARD hat dazu kürzlich eine sehenswerte Dokumentation „Das Microsoft-Dilemma“ veröffentlicht, in der es um die Abhängigkeit der (europäischen) öffentlichen Verwaltung von Microsoft, die zweifelhaften Ausschreibungspraktiken, sowie die Implikationen für Sicherheit und Datenschutz ging. Insgesamt ist die Dokumentation sehr sehenswert.

Vieles in der Dokumentation ist meiner Meinung nach zu plakativ dargestellt und die Open Source-Seite überwiegt, was aber auch daran liegen könnte, dass Microsoft sich zu keinem Gespräch bereit erklärt hat.

Für die Open Source-Gemeinschaft und insbesondere Linux auf dem Desktop wäre eine höhere Verbreitung in der Verwaltung die letzte Chance das Microsoft-Monopol zu brechen. Eine Verwaltung die Linux und andere Open Source Software einsetzt würde idealerweise nicht nur Verbesserungen nach dem Open Source-Gedanken an das Projekt zurückfließen lassen, sondern auch helfen freie Standards zu etablieren. Etwas simplifiziert ausgedrückt: Wenn der Staat nur noch freie OASIS-Dokumente, standardisierte PDF-Dateien und anderen Formate akzeptieren und ausliefern würde, käme Windows vermutlich unter Druck. Mal abgesehen von den Milliarden an Lizenzgebühren die Microsoft da fehlen würden. Möglicherweise ist das auch nur Wunschdenken der FOSS-Gemeinschaft, aber das kann man nicht absehen.

Dementsprechend hoch gejubelt werden Projekte, bei denen der Staat sich von Microsoft abwenden will. Beispiele für solche Pressemitteilungen gibt es zahlreiche:

Wenn man diese Meldungen über viele Jahren so folgt, dann müsste Microsoft inzwischen ein Nischenanbieter sein und ernsthafte wirtschaftliche Probleme haben. Dem ist aber nicht so. Viele der großspurig angekündigten Projekte werden nämlich genau so schnell wieder beerdigt. Mal breiter diskutiert, wie im Fall von LiMux, mal still und leise ohne größere öffentliche Aufmerksamkeit.

Man kann jetzt natürlich eine große Verschwörung des dominanten Weltkonzerns mit den Verwaltungen herbeireden. Bündelweise Bargeld in schicken Koffern, auf Autobahnraststätten übergeben, bezahlte Urlaube für Verwaltungsbeamte und Redmond. Der Fantasie der verschwörungstheorie-affinen Netzgemeinde sind da keine Grenzen gesetzt.

Oder man bleibt auf dem Boden der Tatsachen und stellt fest, dass eine Migration auf Open Source die öffentliche Verwaltung einfach überfordert. Es handelt sich hier immerhin um in Jahrzehnten gewachsene Systeme.

Nach Jahren der Stellenkürzungen, in Zeiten immer knapperer kommunaler Finanzen und schlecht ausgestatteter IT-Abteilungen, soll eine Abkehr von Microsoft meistens vor allem Geld sparen. Unabhängigkeit und Sicherheit sind dann eher zufällig mit dabei. Diese Fokussierung auf die Kosten sieht man in quasi jeder entsprechenden Berichterstattung. Die öffentliche Meinung findet ja sowieso, dass der Staat zu fett ist und zu viel Geld ausgibt. Eine Umstellung auf Open Source kostet aber erst einmal sehr viel Geld. Einsparungen sind höchstens mittel- bis langfristig drin – wenn überhaupt. Sobald das den Verantwortlichen klar wird sind die Migrationspläne schnell beerdigt.

Man darf die PR-Meldungen über den nächsten und übernächsten Umstieg auf Linux also nicht für zu wichtig nehmen. Meistens wird eh nichts draus und manchmal will die jeweilige Verwaltung vielleicht auch nur ihre Verhandlungsposition gegenüber Microsoft verbessern. Solche Projekte haben sowieso nur dann Erfolg, wenn es um Sicherheit, sowie Unabhängigkeit geht und die Kosten nachrangig sind. So lange Pressemitteilungen das nicht beinhalten kann man sie getrost ignorieren. Die Open Source-Medien täten gut daran, hier ein bisschen nachhaltiger zu berichten.


Bilder:

Einleitungs- und Beitragsbild von Megan_Rexazin via pixabay

Gerrit
Moin, meine Name ist Gerrit und ich betreibe diesen Blog seit 2014. Der Schutz der digitalen Identität, die einen immer größeren Raum unseres Ichs einnimmt ist mir ein Herzensanliegen, das ich versuche tagtäglich im Spannungsfeld digitaler Teilhabe und Sicherheit umzusetzen. Die Tipps, Anleitungen, Kommentare und Gedanken hier entspringen den alltäglichen Erfahrungen.

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