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Kommentar: Apple überrascht doch noch

Das war schon ein ganz schöner Paukenschlag gestern bei der WWDC. Neben all den anderen großen und kleinen Neuigkeiten lässt Apple macOS (ehemals Mac OS X) nach 15 Versionen enden und veröffentlicht macOS 11. In Zeiten von Leaks und PR-Durchstechereien kann Apple also immer noch überraschen.

Die Basis hat man natürlich noch nicht gesehen, aber ich prognostiziere mal, dass es weiterhin eine unixoides Darwin sein wird. Es wird sicherlich keinen technologischen Umbruch wie von Mac OS 9 zu Mac OS X geben. Den Wechsel der Versionsnummer rechtfertig aber der Übergang zu ARM und die Abkehr von Intel.

Ehrlich gesagt: Ich bin sehr gespannt!

Natürlich gibt es mal wieder die üblichen Vorbehalte. Alle Vorurteile, Ängste und "früher war alles besser" kann man geballt bei Heise lesen. Aber da fragt man sich sowieso ob das noch ein ernst zu nehmendes journalistisches Medium sein will oder nur noch Stichwortgeber für ihre Hassplattform ihren Kommentarbereich.

Ich kann dieses Gemeckere alternder PC-Urgesteine einfach nicht nachvollziehen. Intel steckt so offenkundig in einer Sackgasse, dass es schon weh tut. Viele der in den letzten Jahren publik gewordenen Sicherheitslücken kommen aus dem verzweifelten Versuch der Plattform mehr Leistung abzuringen. Die Sicherheitsfixes kosteten dementsprechend je nach Szenario Performance. Der Weg zu leistungsfähigen, stromsparenden und ggf. sogar lüfterlosen Endgeräten war mit Intel einfach nicht zu machen. Viel zu lange hat man sich dort auf der Rolle als Quasi-Monopolist ausgeruht. Zeit sich zu lösen.

Dann dieses ewige "macOS wird immer geschlossener" - ich kann das nicht mehr hören. Wenn das wahr wäre, müsste das System inzwischen ja einem Bunker gleichen, so lange wird das schon erzählt. SIP, GateKeeper, ReadOnly-Dateisysteme? Kann man alles abschalten. Wer das nicht weiß braucht es auch nicht. Für die meisten Anwender verbessern diese Funktionen die Sicherheit und das ist gut so! Kernel-Extensions? Ja klar mach mein System unsicher. Vielleicht hat man das unter dem Stein bei Heise noch nicht gehört, aber es gibt moderne APIs, die sehr viele Kernel Extensions ersetzen können. Professionelle Software wie z. B. Parallels unterstützt das längst, Little Snitch wird seinen Netzwerkfilter auch umstellen. Dazu muss man natürlich professionell-aktiv entwickelte Software verwenden und nicht irgendwelche uralten Bastellösungen oder mit heißer Nadel portierte Open Source Software. Natürlich ist man bei macOS den Entscheidungen von Apple ausgeliefert. Ist man beim ach so freien Linux doch auch. Oder wie kann ich noch mal RHEL mit KDE Plasma nutzen?

Noch lächerlicher sind aber die Kommentare zum Design. Dieses ewige macOS wird wie iOS ist nicht mehr zum aushalten. Mal ehrlich: Die haben die Fensterleiste bei einigen Programmen weggenommen und ein paar Designänderungen vorgenommen. Das haben Linux-Desktops wie die GNOME Shell schon lange. Sind die jetzt auch wie iOS? MacOS ist und bleibt eine Arbeitsplattform. Bis die wirklich anfangen dem Finder Funktionen weg zu nehmen (beim ach so freien Linux/GNOME ist das übrigens passiert) bleibe ich vom Gegenteil überzeugt.

Gar keine Bedenken? Doch natürlich!

  • Erstens sollte man gerade keinen neuen Mac brauchen. Zwar versprechen sie eine lange Intel-Unterstützung, aber mir fehlt der Glaube. Ein MacBook Air von 2012 hier im Haushalt hat letztes Jahr noch 10.15 "Catalina" bekommen und erhält folglich bis ca. 2022 Sicherheitsupdates. Ich glaube nicht, dass dem MacBook Air 2020 der gleiche Segen bis 2030 zukommen wird.
  • Zweitens kontrolliert Apple nun alle Kernbestandteile der Geräte. Das macht Vergleiche immer schwierig und erleichtert eine geplante Obsoleszenz. Bei Intel konnte man bisher immer vergleichen was geht und was nicht und Apple konnte sich dort nur in geringem Maße "Kompatiblitätsbrüche" bei der Hardware erlauben. Anders gesagt: MacBooks mit 10 Jahren Upgrades könnte es vielleicht nicht mehr geben.
  • Dritten sehe ich die Verfügbarkeit von iOS-Apps für Mac mit Sorge. Die Catalyst-Software lässt sich aktuell nicht gut bedienen. Bei der Karten oder Messenger-App ist das egal. Bei professionellerer Software wird das aber ärgerlich. Die Bereitschaft extra für macOS mit seinen überschaubaren Marktanteilen zu entwickeln dürfte sinken, wenn man einfach per Klick die iOS oder iPadOS-App zur Verfügung stellen kann.

Bilder:

Einleitungs- und Beitragsbild von ar130405 via Pixabay 

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Tags: Apple, macOS, Big Sur

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