Folgen der Kostenlos-Mentalität

Foto: © CrazyCloud / Fotolia.com

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Seit einigen Monaten arbeite ich mobil auf einem MacBook Air mit macOS. Eine Kaufentscheidung, die ursprünglich vor allem aufgrund der exzellentren Hardware getroffen wurde und nicht für das Betriebssystem. Nach einigen Monaten mit macOS muss man leider einige Vorzüge erkennen. Weniger beim Betriebssystem bzw. der Desktopshell, sondern vielmehr bei der Auswahl und Qualität der verfügbaren Programme.

Im Verhältnis von Linux zu Windows wird gerne argumentiert, dass Windows aufgrund seiner enorm hohen Verbreitung lukrativer für Entwickler sei und daher das Programmangebot von Linux aufgrund des niedrigen Marktanteils nicht mithalten kann. Der Haken bei dieser Argumentation ist, dass der macOS-Marktanteil auch im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegt - wenngleich wenige Prozentpunkte höher als Linux auf dem Desktop. Trotzdem ist die Auswahl und Qualität der verfügbaren Programme in vielen Bereichen deutlich besser als im Linux-Ökosystem.

Linux ist fest verwurzelt in einem ideologischen Open Source-Umfeld, das immer auch eine (sozial-)politische Komponente hatte. Die Idee frei zugängliche Software zu schreiben hat immer altruistische Entwickler und Personen angezogen. Die Qualität des gegenwärtigen Linux-Systems wurde aber nicht durch altruistische Entwickler erreicht, sondern durch den Erfolg von Linux in vielen Bereichen. Namhafte Firmen tragen heute die Hauptlast der Entwicklung des Kernels und zentraler Komponenten. Vor allem durch die Bedeutung Linux im Serverbereich und im aufkommenden IoT-Markt wird die Entwicklung hier voran getrieben. Das gilt mit Abstrichen auch für den Desktop in seinen Ausformungen KDE Plasma und GNOME. Beide wären in ihrem gegenwärtigen Umfang ohne die Beteiligung von RedHat (GNOME) und bluesystems (KDE) undenkbar. Die wachsende Bedeutung im Spiele-Markt wäre ohne Valve höchst unwahrscheinlich.

Im Anwendungsbereich dominieren aber immer noch die von Freiwilligen entwickelten Projekte. Meist mit einer niedrigen Entwicklerzahl und hoher altruistischer Motivation. Nicht selten wurzeln diese Projekte im Ansatz, dass der Entwickler primär erst einmal für den eigenen Bedarf angefangen hat zu entwickeln. In einigen Bereichen hat Linux auf dem Desktop dadurch eine hohe Qualität erreicht. Das betrifft besonders Sparten, aus denen viele Linux-Nutzer und -Entwickler kommen. Die Zahl und Qualität der Entwicklungsumgebungen ist hoch. Das gleiche gilt für Anwendungsbereiche, die für MINT-Fächer wichtig sind und natürlich Programme von allumfassender Bedeutung wie Browser & Co.

In anderen Bereichen sieht die Situation deutlich weniger gut aus. Das betrifft neben Sparten wie Literaturverwaltung & Co auch Bereiche wie WYSIWYG-Textverarbeitung und Bildbearbeitung. Hier gibt es zwar mit GIMP, LibreOffice und einigen kleineren Projekten namhafte Vertreter, aber das Entwicklungstempo und die Entwicklerzahl ist niedrig und man verliert zur kommerziellen proprietären Konkurrenz zusehends den Anschluss.

Dabei gibt es keinen Zwang Software für Linux unter eine freie Lizenz zu stellen. Es ist theoretisch problemlos möglich proprietäre und kommerziell verfügbare Software für Linux zu vertreiben. Nur geschieht das kaum. Die Diskussion in der Linux-Blase konzentriert sich in diesem Zusammenhang seit Jahren auf die Themen AppStore und Paketierung. Man glaubt, dass eine zentrale Installationsinstanz und distributionsübergreifend verfügbare Programme dieses Problem lösen werden.

Diese Ansätze werden jedoch fundamental scheitern, weil sie am Problem vorbei gehen. Viele mediale Diskussionen drehen sich um AppStores und insbesondere Apples AppStore-Politik wird gerne thematisiert. Das verstellt jedoch den Blick darauf, dass der AppStore bei macOS (noch) nicht die zentrale Vetriebs- und Installationsinstanz ist. Immer noch werden große und wichtige Teile der für macOS verfügbaren Programme am AppStore vorbei vertrieben und auf herkömmliche Art installiert. Versionsübergreifende Kompatibilität ist auch keine besondere Stärke von macOS, weshalb Programme - ähnlich wie bei Linux - oft angepasst werden müssen.

Das Kernproblem ist, dass macOS-Software Käufer findet. Der Markt ist zwar viel kleiner als der von Windows und deutlich weniger von Businesskunden bestimmt, die vorhandenen Anwender sind aber bereit für gute Software zu bezahlen. In der Open-Source Community wird zwar immer gepredigt, dass Freiheit nicht Freibier bedeutet, nur sehen das die Anwender vollkommen anders. Viele Desktopnutzer wechseln auf Linux, weil es preiswerter und besser als Windows ist. Da hilft keine predigt der Open Source-Gemeinde. Die Bereitschaft für Programme Geld auszugeben ist bei den Linux-Desktop-Nutzern sehr gering. Hinzu kommen die Anfeindungen gegenüber proprietärer Software aus einem Teil der Community. In diesem Umfeld ist es weder attraktiv, noch sinnvoll kommerzielle Programme zu vertreiben.

Es wird gerne dagegen gehalten, dass man Software nicht über ein Lizenzmodell monetarisieren muss, sondern auch über Supportverträge, Crowdfunding und Spenden arbeiten kann. Mit ersterem Modell fahren einige Distributoren wie RedHat und SUSE ganz gut, zweiteres Modell hatte einige sehr erfolgreiche Leuchtturmprojekte in den vergangenen Monaten, letzteres gilt als quasi gescheitert. Problematisch ist, dass die Supportvertragsmodelle besonders dort funktionieren, wo Linux bereits erfolgreich ist: Im Firmen- und Serverbereich. Am Desktop ist damit kein Geld zu verdienen. Das merkt zur Zeit auch Canonical, die ihr Engagement im Desktopbereich kontinuierlich zurückfahren und ihre Expertise in anderen Bereichen stärken. Crowdfunding-Projekte funktionieren wiederum nur bei zentralen Projekten mit einer hohen Breitenwirkung. Insbesondere Softwarebereiche, die nicht aus dem Alltagsgebrauch/Multimedia-Bereich kommen können sich so nicht finanzieren.

Die Aussicht ist deshalb zwiespältig. Linux wird weiterhin dort stark sein, wo es bereits jetzt seine Qualitäten hat. Auf dem Desktop bedeutet dies neben dem Dienst als Surfstation für Anwender mit wenig Anforderungen an den Desktop vor allem der MINT-Bereich und daraus hervorgehende Berufsfelder. Die Aussicht, dass man quantitativ und qualitativ in anderen Bereichen wachsen kann, ist hingegen deutlich weniger gut, zumal der Desktopmarkt insgesamt unter Druck gerät. Man muss deshalb die Hoffnung nicht aufgegeben, dass bestehende Lücken geschlossen werden, sollte aber auch nicht zu viel Hoffnung haben, dass dies in naher Zukunft passiert.

Kommentare

Thomas Do

Ich glaube nicht, dass Linux-Nutzer grundsätzlich weniger bereit sind, für Software zu zahlen. Bei den "Humble-Bundles" wird regelmäßig die freiwillige Zahlung von Win-, Mac- und Linux-Nutzen verglichen. Das läuft mal so mal so und tut sich nichts. Es ist allerdings so, dass die Verbreitung von OS X immer noch weit über der von Linux liegt und die Softwareentwicklung daher lukrativer ist. Außerdem ist die Apple-Hardwares o teuer, dass man von einer Käuferschaft ausgehen kann, die sich selbst teure Nischensoftware leisten kann.

Anon

Diese 2-3 % sind aber aufgeteilt zwischen einigen bedeutenden und dutzenden kleinen Distros, in verschiedenen Versionen, teilweise mit verschiedenen installierten Paketversionen. Wären Linux-Distros eine zuverlässige und stabile Basis für die Software-Entwicklung, die nicht Anpassungen sowohl für verschiedene Systeme als auch nach bestimmten Zeiten erforderten, sähe die Situation ganz anders aus.

(Unter Windows kann ich noch heute viele Programme für Windows 98 benutzen, einem 20 Jahre alten Betriebssystem! Das bringt aber natürlich eine ganze Reihe von Problemen mit sich, die Linux so nicht unbedingt hat.)

Cruiz

Genau diesen Mythos habe ich versucht mit dem macOS-Beispiel zu entkräften. Bei den jährlich erscheinenden Releases muss oft Dritt-Software angepasst werden. Die Entwickler machen das einfach, teilweise schon während der Beta-Phase und damit für den Anwender "unsichtbar". Trotzdem nehmen die Entwickler das hin und kehren nicht etwa der Plattform den Rücken.

Das Problem der Aufteilung auf eine Vielzahl von Distributionen und Versionen ist jedoch nicht von der Hand zu weisen.

Thoys

Hallo,

du sprichst mir komplett aus der Seele. FOSS braucht ein Qualitätsmanagement. (Ich habe keine Lösung, wie das aussehen soll.)
Mein Gefühl sagt mir sogar, dass genügend Programmierer in der Open-Source-Welt verfügbar wären, doch leider sind die meisten Projekte fünfmal geforked und Menschen haben sich verstritten. (So viele Linuxdistributionen, Open- vs. Libreoffice)
Ich fände es gut, wenn wir die Vielfalt verringern (es gäbe immernoch genug) und dafür auf Qualität setzen.

Schöne Grüße

Jürgen

Die Qualität ist teilweise da - zumindest für über 90 Prozent der Anwender.

Viele kennen nur die Alternativen oder deren Namen nicht. Die Masse glaubt immer noch, dass sie Photoshop brauchen, um ein Bild zu beschneiden. Genauso glauben viele, dass man unbedingt Word braucht, um einen Brief zu schreiben.

Auch das muss aus den Köpfen der Leute oder es muss rein, dass es kostenlose Alternativen gibt, die für deren Anforderungen mehr als ausreichen.

Ich gebe Dir aber beim Qualitätsmanagement Recht. Viele Leute wollen einen Desktop, der nicht nur funktioniert, sondern auch nach etwas aussieht. Für Pragmatiker mag Fluxbox toll sein, aber Lieschen Müller will halt ein bisschen mehr Desktop haben.

Cruiz

zitiere Jürgen:
Die Qualität ist teilweise da - zumindest für über 90 Prozent der Anwender.

Ja, das würde ich auch so sehen und ich glaube auch das oben so dargestellt zu haben. Problematisch wird es beim Gang in die Nische, wo einfach das Reservoir potenzieller Entwickler nicht so groß ist. Niemand entwickelt aus altruistischen Motiven etwas, das er selbst nicht braucht. Kommerzielle Anreize etwas für die Nische zu entwickeln existieren bei Linux aber leider nicht.

TiB

Ich möchte mich Thomas Do anschließen: meiner Meinung nach sind Mac-produkt-Käufer zahlungskräftiger. Ich hab auch mal was gehört, dass viele kostenpflichtige Apps zuerst fürs Iphone rauskommen, weil dort mehr kaufwillige Kunden sitzen...
Außerdem kauft man bei einem Mac immer ein fertiges Komplettpaket. Da sind Linux-Nutzer einfach mehr bereit, rumzubasteln und evtl. eine nicht perfekte Lösung in Kauf zu nehmen. Ich glaube die Ziele der einzelnen OS-Nutzer sind einfach sehr verschieden.

Cruiz

zitiere TiB:
Ich möchte mich Thomas Do anschließen: meiner Meinung nach sind Mac-produkt-Käufer zahlungskräftiger. Ich hab auch mal was gehört, dass viele kostenpflichtige Apps zuerst fürs Iphone rauskommen, weil dort mehr kaufwillige Kunden sitzen...

Ja und nein. Grundsätzlich glaube ich auch, dass Mac-Nutzer kaufwillig sind. Immerhin haben sie sich auch mal für ein recht teures Gerät entschieden. Linux ist aber kein Transferleistungssystem oder wird primär in unteren Einkommensschichten eingesetzt. Viele Linux-Nutzer haben eine gewisse IT-Affinität oder arbeiten sogar in solchen Berufen. Die Kaufkraft dieser Beschäftigten ist nicht so schlecht.

zitiere TiB:
Außerdem kauft man bei einem Mac immer ein fertiges Komplettpaket. Da sind Linux-Nutzer einfach mehr bereit, rumzubasteln und evtl. eine nicht perfekte Lösung in Kauf zu nehmen. Ich glaube die Ziele der einzelnen OS-Nutzer sind einfach sehr verschieden.

Was nutzt einem die gebastelte Lösung, wenn man letztlich damit nicht gut arbeiten kann? ;-)

abbc

Zitat:
Viele Desktopnutzer wechseln auf Linux, weil es preiswerter und besser als Windows ist.
Ich würde sagen, weil es scheinbar preiswerter und besser als Windows ist. Ich nutze Windows, MacOS und Linux. Als Desktop ist Windows einfach ungeschlagen und gewinnt jede Featureliste, die sich nicht auf Ideologie stützen. Eine sehr gute Alternative kann Apple sein, wenn es um einige spezielle Punkte geht, wie Mobilität und Zusammenspiel bestimmter Produkte. Linux auf dem Desktop ist nicht besonders attraktiv. Aus vielen Gründen.

Michael Thomas

Mmhhh... ob bei MacOS/macOS tatsächlich so viel eher für Software bezahlt wird, halte ich für schwer zu beurteilen. Ich selber habe über mehrere Jahre mehrere Macs betrieben und bin auch weiterhin von der Hardware sowie von der Betriebssystemoberfläche begeistert. Am Anfang habe ich sogar eine Aktualisierung für die iLife/iWork-Produkte sowie für die neuere MacOS-Version bezahlt. Sehr viele weitere Produkte habe ich nicht gekauft (Graphics Converter, SoundStudio, Anti-Virensoftware etc.). Zum Arbeiten sind die Standard-Produkte beim Mac schon meist ausreichend. Von anderen Mac-Anwender ist mir ein ähnliches verhalten bekannt, sofern nicht spezielle Software - z.B. Adobe-Produkte - benötigt wird. Unter Linux habe ich ebenfalls Software gekauft - und nicht unbedingt weniger (z.B. Softmaker Office, nur keinen Virenscanner ;-).
Mein Weg "zurück" zu Linux hat den Grund, dass die Software - insbesondere von Apple - immer wieder so verändert wird, dass man gezwungen ist, alles mögliche "nachzubessern" - die Benutzung, andere Software-Produkte usw (Beispiel: das CardDav/CalDav von Kalender/Adressbuch mit Owncloud). Man ist (zunehmend) gezwungen zu aktualisieren. iPhoto bspw. funktioniert unter macOS nicht mehr richtig, man muss zu Fotos wechseln. Dazu kommt der ins Internet offene "Käfig". Fast alle Datenformate sind proprietär (iWorks, die Speicherung der Fotos usw.), wobei eine ständige Verbindung ins Internet besteht (bzw. versucht wird). Ein Wechsel (bzw. eine parallele Nutung) zu einem anderen Betriebssystem ist noch schwerer als bei Windows (z.B. eine UTF-8-Verschandelung bei Speicherung auf einem Samba-Server).
Letztlich lebt Apple von dem Kult des Unternehmens, Microsoft von der angeblichen tollen Einsetzbarkeit in Unternehmen und Linux leidet unter dem angeblichen Ruf der Kostenlos-Kultur. Am Ende interessiert den Anwender nur, dass es funktioniert. Da ist der Ruf der kommerziellen Software manchmal besser als sie tatsächlich ist (ohh.. habe ich klasse Abstürze unter MacOS gehabt, korrupte iPhoto-Libraries, Keynote-Abstürze im Stundentakt usw. Proprietäre Datenformate fängt man dann an zu "lieben").

Cruiz

zitiere Michael Thomas:
Mmhhh... ob bei MacOS/macOS tatsächlich so viel eher für Software bezahlt wird, halte ich für schwer zu beurteilen.

Es gibt zumindest ein großes Angebot an qualitativ hochwertiger "Kauf-Software". Deren Entwicklung muss sich also logischerweise lohnen.

zitiere Michael Thomas:
Mein Weg "zurück" zu Linux hat den Grund, dass die Software - insbesondere von Apple - immer wieder so verändert wird, dass man gezwungen ist, alles mögliche "nachzubessern" - die Benutzung, andere Software-Produkte usw (Beispiel: das CardDav/CalDav von Kalender/Adressbuch mit Owncloud). Man ist (zunehmend) gezwungen zu aktualisieren.

Gilt das nicht für jedes Betriebssystem? Auch die Linux-Desktops waren in den letzten Jahren von massiven Umbrüchen geprägt und der Nutzer muss seine Systeme und Verhaltensweisen anpassen.

zitiere Michael Thomas:
wobei eine ständige Verbindung ins Internet besteht (bzw. versucht wird).

Das ist in der Tat einer der großen Vorzüge von Linux. Kein Clouddienst ist vorab in das System konfiguriert und muss aufwändig abgeschaltet bzw. bei jedem Update erneut kontrolliert werden.

Michael Thomas

zitiere Cruiz:
Es gibt zumindest ein großes Angebot an qualitativ hochwertiger "Kauf-Software". Deren Entwicklung muss sich also logischerweise lohnen.


macOS/Windows-Software dürfte wegen der einen Benutzeroberfläche und einer grafischen Library sowieso günstiger zu entwickeln sein. Unter Linux muss man sich für Gtk-/Gnome- oder qt/Kde-Libraries entscheiden, was bei der einen oder anderen Benutzergruppe eher ungewohnt aussieht. Das hat man bei macOS nicht. Hinzu kommen die ebenfalls kostenfreien, professionellen Entwicklungsumgebungen (bei Windows wenigstens als Einstieg) und recht günstigen Gebühren für die Veröffentlichung.

zitiere Cruiz:
Gilt das nicht für jedes Betriebssystem? Auch die Linux-Desktops waren in den letzten Jahren von massiven Umbrüchen geprägt und der Nutzer muss seine Systeme und Verhaltensweisen anpassen.


Nein, darauf wollte ich (weniger) hinaus. Am Anfang durfte ich viele Kaufsoftware neu kostenpflichtig updaten (was teuer ist), zum anderen ändert Apple gern den Funktionsumfang, Dateien und Protokolle. Wenn man plötzlich nicht mehr auf die alten Dateien richtig zugreifen kann (AppleWorks auf iWorks) oder der Funktionsumfang (und somit die Anbindung an Drittsoftware) bei iPhoto/iMovie/iWeb geändert wird, nicht mehr funktioniert etc. dann ärgert man sich schon über das eigenmächtige Verhalten. Dadurch dass man nur recht kompliziert zurück kann, kann es echten Datenverlust (bzw. die Formatierung stimmt nicht mehr, die mühsame Gesichts-/Personenzuordnung in iPhoto ist futsch etc.) bedeuten. Beim letzten Update von MacOS auf El Capitan funktioniert plötzlich und ohne Vorwarnung der Sync mit Owncloud nicht mehr. An das Rauskicken von GPG-PlugIn sowie Trim-Support habe ich mich gewöhnt.

zitiere Cruiz:
Das ist in der Tat einer der großen Vorzüge von Linux. Kein Clouddienst ist vorab in das System konfiguriert und muss aufwändig abgeschaltet bzw. bei jedem Update erneut kontrolliert werden.


Es ist nicht nur der Cloud-Dienst, den wir (auch) abgeschaltet haben... Was aber die ständigen Zugriffe verursacht, habe ich nur zum Teil feststellen können (z.B. bei Hilfe wird immer auch eine Internet-Verbindung geöffnet, weiterhin natürlich die ständige Prüfung nach Updates, Zeit Sync, Zertifkatsprüfung etc.).

Cruiz

zitiere Michael Thomas:

Es ist nicht nur der Cloud-Dienst, den wir (auch) abgeschaltet haben... Was aber die ständigen Zugriffe verursacht, habe ich nur zum Teil feststellen können (z.B. bei Hilfe wird immer auch eine Internet-Verbindung geöffnet, weiterhin natürlich die ständige Prüfung nach Updates, Zeit Sync, Zertifkatsprüfung etc.).

Zustimmung zum Rest, aber dieser Punkt gilt doch für die meisten Linux-Distributionen auch.

Jürgen

Der Artikel ist mir teilweise etwas zu blauäugig gedacht. Einigen Branchen bleibt nicht viel mehr übrig als sich für Pest oder Cholera zu entscheiden. Viele Designer, Grafiker und Publisher kommen um Adobe eben nicht rum und die entwickeln nur für Windows oder Mac.

An dieser Stelle zeigt sich auch sehr schön das Drama mit den goldenen Käfigen. Die werden alles versuchen, den Anwender so gut wie möglich an proprietäre Formate zu prügeln.

Meine Fotos bearbeite ich alle mit Open Source und ich habe mir auch Photomatix gekauft, seitdem es für Linux verfügbar ist. Ich habe mehrere Programme, für die ich Geld ausgegeben habe - warum auch nicht?

Die tolle Hardware von Macs zu loben ... hmmm ... also es gibt auch sehr hochwertige Notebooks anderer Hersteller (habe mir gerade erst ein InfinityBook von Tuxedo geholt), die wesentlich günstiger sind und für die man nicht für jeden Dreck nun einen völlig überzogenen Adapter braucht.

Ich kenne etliche Leute, die nicht in der IT oder Design oder was auch immer arbeite, für die ein Mac einfach ein Status-Symbol ist. Die benutzen es eigentlich auch nur als Surf-Station, aber als eine mit einem angebissenen Fallobst drauf.

Kay

Ein wesentliches Merkmal deiner Artikel ist extreme (teilweise unbegründet oder mithilfe dubioser Argumente untermauert) Schwarzmalerei. Du bildest dir eine Meinung, was dir durchaus auch zusteht, und verkaufst diese Meinung in deinen Artikeln als Fakten. Alles in allem viel Text mit wenig Inhalt.

Cruiz

zitiere Kay:
Ein wesentliches Merkmal deiner Artikel ist extreme (teilweise unbegründet oder mithilfe dubioser Argumente untermauert) Schwarzmalerei. Du bildest dir eine Meinung, was dir durchaus auch zusteht, und verkaufst diese Meinung in deinen Artikeln als Fakten. Alles in allem viel Text mit wenig Inhalt.

Das hier ist ein Blog, wenn du objektive Wahrheiten suchst oder Leute, die behaupten solche zu kennen, musst du dich in andere Bereiche begeben. ;-)

Ich habe ein These aufgestellt und diese ein bisschen argumentativ begründet. Teile der Argumentation für unstimmig zu halten, steht dir definitiv zu, aber als "Fakten" wurde hier nichts verkauft. Fakten wären durch entsprechende Verweise belegt gewesen.

Dasfiete

Sehr kontroverser blogpost, bei dem man unweigerlich antworten möchte...

Und was sind jetzt die folgen der kostenlos Mentalität? Qualitativ schlechtere Software im OSS Bereich? Rückzug der grossen Distributoren vom Linux Desktop?
Es ist doch so, dass MS Office, one note, Adobe Suite, Photoshop, etc einfach gar nicht erst angeboten werden.
Unter de Voraussetzung kann man aber keine kostenlos Mentalität bemängeln.

Mich würde eher interessieren wie viele Leute bereit sind aufgrund ihrer kostenlos Mentalität Raubkopien auf ihren Rechnern zu betreiben. Das sind bestimmt mehr als 2 Prozent.

Cruiz

zitiere Dasfiete:
Und was sind jetzt die folgen der kostenlos Mentalität? Qualitativ schlechtere Software im OSS Bereich? Rückzug der grossen Distributoren vom Linux Desktop?

Die Folgen hatte ich doch beschrieben: Linux stagniert auf dem aktuellen Level.

Zitat:
Linux wird weiterhin dort stark sein, wo es bereits jetzt seine Qualitäten hat. Auf dem Desktop bedeutet dies neben dem Dienst als Surfstation für Anwender mit wenig Anforderungen an den Desktop vor allem der MINT-Bereich und daraus hervorgehende Berufsfelder. Die Aussicht, dass man quantitativ und qualitativ in anderen Bereichen wachsen kann, ist hingegen deutlich weniger gut, zumal der Desktopmarkt insgesamt unter Druck gerät.
zitiere Dasfiete:
Mich würde eher interessieren wie viele Leute bereit sind aufgrund ihrer kostenlos Mentalität Raubkopien auf ihren Rechnern zu betreiben. Das sind bestimmt mehr als 2 Prozent.

Mit Sicherheit!

Venner

LibreOffice als Beispiel für "zu niedriges Entwicklungstempo" zu benennen halte ich für eine merkwürdige Idee. Zum einen ist WYSIWYG-Textverarbeitung nun wirklich kein Feld, das sich besonders schnell weiterentwickelt, zum anderen macht LO seit Jahren mächtig Fortschritte. GIMP hängt ein bisschen hinterher, aber dort wird eine klaffende Lücke ja mit dem bald anstehenden großen Update geschlossen werden.

Du scheinst auch einiges durcheinander zu werfen - geht es dir um Anwendungen für professionelle Nutzer (QuarkXPress, InDesign, Photoshop)? Dass du "Bildbearbeitung" als Beispiel erwähnst, legt diesen Verdacht nahe - dann geht deine Argumentation bezüglich der Kostenlos-Mentalität von "Linux-Desktop-Nutzern" allerdings komplett am Thema vorbei: Die genannten Profi-Programme werden nicht wegen der Heerscharen von kaufwilligen Privatnutzern für macOS angeboten, sonder weil der Mac eine lange Geschichte im Publishing-Bereich hat und deshalb entsprechende Firmenkunden vorhanden sind.

Falls es dir aber um Anwendungen für den typischen Heimnutzer geht, hast du keine Beispiele für Software genannt, die für Linux nicht oder nur in minderwertigerer Qualität vorhanden ist. Klar gibt es die - und was vorhanden ist, ist oftmals deutlich weniger poliert als (speziell) macOS-Software. Aber du solltest schon Beispiele nennen, wenn du eine so steile These formulierst ;-)

Jörg

Danke für diesen wichtigen Beitrag!

Ich arbeite seit 3 Jahren mit Ubuntu Desktop und habe auch mehrere Server am Laufen. Auch ich muss leider feststellen, dass Linux-Desktop immer mehr ins Hintertreffen gerät. Ich sehe die Zukunft nicht rosig:
  • Die Möglichkeiten der Eingabe werden vielfältiger. Touch Input, Multitouch Input, Stylus, Gestures.... ich kenne keine Distribution und kein Anwendungspaket auf Linux, welches vernünftig damit umgehen kann.
  • Die Möglichkeiten der Ausgabe werden ebenfalls vielfältiger: Full HD, 2K, 4K.... und noch nicht einmal die standardmäßig in Ubuntu installierten Programme skalieren alle gleich vernünftig.
  • Peripherieprobleme: (1) bei Android selbstverständlich: ein Bluetooth Headset koppeln und wohlfühlen. Bei Ubuntu muss man manuell zwischen Handsfree Profile und A2DP hin- und herwechseln, sich manchmal mit Pulse Audio beschäftigen etc.... vor 15 Jahren wäre das OK gewesen, heute nicht mehr.
  • Ergonomie: selbst wenn z.B. in GIMP alle relevanten Funktionen vorhanden sind; benötigt

    Linux scheint da sehr schlecht vorbereitet zu sein.


zitiere Jürgen:
Die Qualität ist teilweise da - zumindest für über 90 Prozent der Anwender.
[...]
Ich gebe Dir aber beim Qualitätsmanagement Recht. Viele Leute wollen einen Desktop, der nicht nur funktioniert, sondern auch nach etwas aussieht. [...]


Leider ist die Qualität der Linuxprogramme sogar im Closed-Source oder im Legacy-Bereich viel schlechter. Habe z.B. VueScan gekauft. Eine Million Einstellungsmöglichkeiten, und doch sind die Scans sind x-fach schlechter als bei dem Standard-Windowstreiber am Rechner meiner Frau.
Oder KMyMoney. Man vergleiche das mal mit dem Funktionsumfang von WISO MeinGeld!


Ich für meinen Teil hoffe darauf, dass Bürgerrechtler den Datenkraken die Tentakeln stutzen und gehe so schnell wie möglich wieder zu Windows, Chrome, oder wenn es sein muss macOS.

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