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Wann ist etwas "Open Source" - Argumentationen mit Schlagseite

Quelloffener Code ist grundsätzlich ein gewichtiges Argument in jeder Sicherheitsdebatte. Jeder kann den Code ansehen und überprüfen und im Idealfall führt dieses Mehr-Augen-Prinzip zu einer größeren Sicherheit, als geschlossener Code je erreichen kann. Es gibt aber kaum Betriebssysteme, die ausschließlich auf quelloffenem Code basieren. Die Argumentation ist dadurch oft durch Vorentscheidungen beeinflusst.

Die Problematik der nicht gänzlich quelloffenen Betriebssysteme ist bei weitem kein Geheimnis. Im Linux-Umfeld sind vor allem unfreie so genannte "Firmware-Blobs" immer wieder ein Thema, weshalb die FSF auch eine Liste der wirklich freien Linux Distributionen pflegt. Das Ausmaß das Problems zeigt das Missverhältnis zwischen dieser Liste und der z. B. auf Distrowatch geführten Liste aller aktiv entwickelten Linux Distributionen.

Nun kann man sicherlich argumentieren, dass dies im Linux-Bereich lediglich ein Luxusproblem darstellt. Die Positionen der FSF sind innerhalb der Community auch alles andere als unumstritten und gemeinhin herrscht die vertretbare Auffassung vor, dass die meisten Linux Distributionen guten Gewissens als freie Software klassifiziert werden können. Immerhin ist der ganz überwiegende Bereich der Software Open Source und auch bei den Hardwaretreibern kann man Fortschritte verzeichnen. 

Wirklich interessant sind daher die Systeme, bei denen freie und unfreie Software gemischt werden. Besonders bekannt ist hier natürlich Android, aber auch macOS oder ein Nischensystem wie SailfishOS gehören dazu. Hier offenbart sich eine interessante Schlagseite in der Argumentation vieler Open Source Enthusiasten. Diese soll im folgenden am Beispiel Android und macOS / iOS verdeutlicht werden.

Android

Android ist eine Mischung aus quelloffener Software, die im so genannten AOSP (Android Open Source Project) von der Open Handset Alliance entwickelt wird. Hört sich schön kooperativ an, steht aber letztlich für eine direkte Entwicklung durch Google. Kein im Handel verfügbares Endgerät nutzt ein reines AOSP-System. Zum einen weil die Hersteller vertraglich durch Google verpflichtet werden die proprietären Google Apps zu installieren (dies ist Thema in den laufenden Auseinandersetzungen mit der EU, siehe auch: Kommentar: Strafe gegen Google - Chancen für freiere Systeme & Kommentar: Googles neue Lizenzpolitik - Eine letzte Chance für Android) und zum anderen weil viele Hersteller zusätzlich noch eigene Dienste und Modifikationen zur Abgrenzung von der Konkurrenz etablieren.

Der Kunde muss für ein vollständig freies System auf so genannte Custom ROMs ausweichen. Die AOSP-Entwickler legen hier der Community aber immerhin keine größeren Steine in den Weg. Die bekannteste Variante firmierte früher als CyanogenMOD und nun als LineageOS. Gegenwärtig hat man nach eigener Zählung bei LineageOS ca. 1,7 Mio. aktive Installation. Gemessen an der Gesamtzahl der aktiven Android-Smartphones von über 2,5 Milliarden ist das sehr wenig. Hinzu kommt, dass mutmaßlich viele dieser Installationen die proprietären GApps nachinstalliert haben und somit kein vollständig freies System sind.

Trotzdem wird für Android von vielen Experten Quelloffenheit als Argument für Android angeführt.

macOS / iOS

Die beiden Betriebssysteme von Apple teilen sich die gleiche Basis und können daher hier zusammen behandelt werden. Das System wird ausschließlich von Apple für die Apple-Hardware (iMac, Mac pro, MacBook, iPhone, Apple TV und iPad) entwickelt. MacOS und dessen Derivat iOS basieren dabei auf Darwin, einem freien Unix-Betriebssystem, das Apple als Basis beständig weiterentwickelt. Darwin spielt faktisch keine relevante Rolle, da alle im Handel verfügbaren Geräte direkt mit macOS oder iOS ausgeliefert werden und Versuche Darwin als eigenständiges Betriebssystem weiter zu entwickeln seit ca. 2012 als endgültig gescheitert angesehen werden müssen. Apple hatte entsprechende Community-Ambitionen auch nie wirklich unterstützt.

Trotz der freien Basis gilt macOS / iOS als proprietäres System und wird gerne als hochgradig geschlossen beschrieben.

Argumentationsmuster

Natürlich soll hier nicht argumentiert werden, dass macOS oder iOS freie Software wären. Allerdings unterscheiden sich Android und die beiden Apple-Systeme strukturell gar nicht so sehr von einander. Sowohl Android, als auch iOS basieren auf einem Kern freier Software (mehr oder minder selbstständig funktionstüchtig) und werden in der Realität durch proprietäre Bestandteile ergänzt an die Endkunden verteilt.

Wenn man trotzdem Android als freie Software hoch schreibt und iOS als proprietäre Software verdammt, dann nicht, weil die Argumente das hergeben, sondern weil man dies von vornherein als Argumentationsziel erreichen wollte. So etwas nennt man teleologische Argumentationsführung. Seriös und sachdienlich ist das nicht!

Fakt ist: Es gibt keine freien mobilen Betriebssysteme - ob man Android oder iOS nimmt ist einerlei. Selbst das in der OSS-Szene beliebte Sailfish OS ist nicht komplett quelloffen. Lediglich Ubuntu Phone und demnächst vielleicht die angepasste PureOS-Variante für das Librem 5 heben sich da positiv ab.


Bilder:
Einleitungs- und Beitragsbild von Siez18 via pixabay

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Tags: Open Source, Proprietär, Quelloffen, Android, Smartphone, iOS

Ergänzungen zum Artikel

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Michael
Die Kritik an der - meist in positivem Sinne - genutzten Argumentation, dass etwas "Open Source" sei, finde ich sehr nachvollziehbar. Software ist weder sicherer noch "gut", wenn sie "Open Source" ist.

Ein viel größeres Problem als die Zusammenstellung von Open Source mit proprietärer Software in Distributionen sehe ich eher in anderer mehr oder weniger kommerzieller Software, die meistens zwar den Sourcecode offenlegt, aber eine geänderte Version als betriebsfähig heraus gibt. Visual Studio Code ist nur eines von vielen Beispielen (weitere OTRS, Chrome). Dem Nutzer wird suggeriert, dass er offene Software verwendet, doch ist ihm weder bekannt, was wirklich auf seinem Rechner läuft (tracking) noch ob mit dem prüfbaren, eventuell offenen Lizenz sich tatsächlich das Produkt stabil erstellen lässt.

Noch fataler ist es, wenn Hersteller proprietärer Software sicherheitssensiblen Kunden den Einblick in den Sourcecode erlauben. Hier wird etwas vorgegaukelt, was keinen Deut an Sicherheit bringt, solange nicht die geprüfte und dann im eigenen Umfeld übersetzte Version verwendet wird.

Thomas S
Ich halte das Ganze für ein "Strohmannargument". Die meisten Menschen würden sicher macOS und iOS als "geschlossen" einstufen. Aber wer schreibt ernsthaft Android als freie Software hoch?
Sicher keine FOSS-Enthusiasten.

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