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Kommentar: Verschwörungen, Ressentiments, Reaktionärer Konservativsmus

Wer bei dieser Überschrift an eine politische Partei denken mag liegt zumindest hier falsch. Diese drei Begriffe bezeichnen meiner Meinung nach die öffentlich in den (deutschen) Kommentarspalten (z. B. bei Pro-Linux, Heise und Golem), sowie in diversen Foren auftretende Linux-Gemeinschaft.

Ich hatte mich dazu kürzlich schon mal geäußert (siehe: Linux Anwender - Nörgeln bis das Ende kommt) und daher in den letzten Wochen die Kommentarspalten in dieser Hinsicht überflogen. Das jüngste Beispiel fand sich im Artikel zu Veränderungen bei Flatpak. Die neuen Paketformate gehören neben allem was von Lennart Poettering stammt zu den größten Hassobjekten einer reaktionären Nutzergemeinschaft, die im Internet immer zahlreicher auftritt.

Ich möchte an dem Beispiel mal kurz auflisten was man alles in den Kommentaren lesen darf:

Hinter Veränderung wird Zentralismus und Abkehr von den Idealen freier Software gewittert, gepaart mit schönen Verschwörungstheorien, weil Red Hat jetzt zu IBM gehört. Aber nicht nur Red Hat und IBM sind böse, nein die GNOME Foundation ist es auch. Gelder würden schließlich in irgendwelchen gerichtlichen Auseinandersetzungen versinken oder die Software gleich von der NSA unterwandert werden. Nebenei wird man natürlich wie Windows und bekommt deshalb wahlweise eine DLL Hölle oder noch schlimmer: Ein Mainstream-taugliches System. Schutzmaßnahmen der Software sind nur für Idioten, echte Linux-Anwender haben das nicht nötig etc. pp.

Dahinter stehen Verschwörungstheorien, sowie Denkweisen und Argumentationsmethoden, die vor allem im Rechtspopulismus seit Jahren Konjunktur haben. Viele Linux Nutzer lehnen große soziale Netzwerke ab, aber die Diskussionskultur ist teils schlimmer, als in den schlimmsten braunen Schlammgruben auf Facebook oder Twitter. Ich muss mich daher leider selbst korrigieren. Die online sichtbar auftretende Linux Community nörgelt nicht nur, sie ist von Hass zerfressen. Es fehlt in der Breite lediglich das persönliche Element, wobei die Anfeindungen gegen Personen wie Lennart Poettering nicht mehr weit davon entfernt sind.

Diese Kommentare sind nicht neu, aber seit einigen Jahren gibt es zunehmend weniger Gegenrede in den öffentlichen Diskussionen. Die Plattformbetreiber haben es durch die Abwesenheit einer Moderation größtenteils erfolgreich geschafft ihre Portale zu Plattformen des Hasses, der Überheblichkeit, unreflektierten Ablehnung des Fremden und Neuen und absoluter Selbstbezogenheit einer schrumpfenden Gemeinde werden zu lassen. Neuerungen, Änderungen oder jede Form von Entwicklung wird meist rundheraus abgelehnt. Ikonen der GNU- und Linux Szene - gleich welche Verfehlungen sie begangen haben - in den Himmel geschrieben. Ein unmöglicher Umgangston gar zu einem Stil verklärt. Entwickler und Anwender, die das anders sehen ziehen sich scheinbar zunehmend zurück oder wechseln gar zu anderen Plattformen um sich dem nicht mehr auszusetzen.

Das öffentliche Auftreten der Linux Gemeinde ist - gelinde gesagt - abstoßend (intern sieht das in vielen Projekten nicht anders aus). Entwickler wandern ab, Blogger ziehen ihre Artikel aus großen Planeten ab, Kommentatoren stellen das Kommentieren ein.

Nur mal so zum Nachdenken.


Bilder:
Einleitungsbild und Beitragsbild von von geralt via pixabay 

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Tags: Linux, Community

Ergänzungen zum Artikel

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teleborian
Da hast du zumindest in Teilen recht.
Das Problem, vor dem wir stehen ist in der IT Welt nun mal neu. Es ist das erste Mal, dass in der IT Menschen Alt werden. Wir stehen vor 30-Jahren Entwicklungsgeschichte.

In all den Jahren haben sich Tools, Kultur und Werte geändert. Kaum ein Projekt ist noch das, was es mal war.

Das müssen wir aushalten. Wir dürfen uns der Tatsache auch nicht verschliessen. Wir müssen die Leistung unserer Vorgänger würdigen und Respektieren. Gleichzeitig dürfen wir darauf auch keine Rücksicht nehmen, wenn wir feststellen, dass neue Technologie notwendig ist.

Das Problem mit Pöttering zeigt das super auf. Er hat tolle Ideen und auch tolle Projekte. Leider wird bei all denn Diskussionen nur über die alte Software gesprochen und in Erinnerungen geschwelgt. Dabei hätten es revolutionäre Ansätze wie Pulseaudio nötig, dass man sie diskutiert, verbessert und das Gelernte in neue Entwicklungen giesst. So wie man das mit Upstart gemacht hatte, welches dann in Systemd zur Folge hatte.

Auch hier sollten wir nicht stehen bleiben.

In Foren hört man häufig das Argument, dass Software Feature Complete sei oder das man gute Software nicht neuer komplexer und unfertiger Software opfern sollte.

Mit Feature Complete bin ich voll dabei, ...wenn das nicht mit stillstand gleichgesetzt wird, sondern der Unterbau regelmässig erneuert wird. Das Problem haben wir mit Thunderbird. Es wird noch dauern, bis die Software den langen Stillstand überwunden hat.

Opfern als Wort ist Falsch. Opfern bedeutet das man etwas bewusst tötet, um was anderes zu fördern. Das Ziel sollte eine ehrenvolle Ablöse sein. Bei einer Ablöse wird alt mit neu regelmässig verglichen und geschaut was man besser machen kann.

Und diese hasszerfressene Linux Gemeinde findet sich wo? Hast Du auch 2, 3 Belege für die Behauptung?

Ich bin sehr bei Ubuntuusers.de unterwegs. Da gibt es zwar einzelne, die schon mal stark vereinfachen und sich einer rabiaten Ausdrucksweise bedienen, aber ein häufiger Typus ist das nicht, die Mehrheit schon gar nicht.

Gerrit
Beispiele sind oben drei genannt und zusätzlich noch ein Link zu einem exemplarischen Beispiel.
postlet
UbuntuUsers.de ist absolut nicht repräsentativ für das, was Gerrit hier anprangert. Selbst die zu Beginn des Artikels genannten Kommentarspalten finde ich noch harmlos im Vergleich zu dem, was man gerade in der Masse englischsprachiger Quellen zu lesen bekommt. Das ist aber kein Problem, welches Linux (als Sammelthema) alleinig betrifft. Wir haben insbesonderen in den "sozialen Netzwerken" eine katastrophale und hochgradig asoziale Diskussionkultur entwickelt, bei der es nur noch darum geht, wer am lautesten seinen Bullshit herausschreien kann. Ich will Gerrit da auch in diesem Punkt wiedersprechen, weil es für mich hier kein Hass ist, sondern es sind die peinlichen Befindlichkeiten einzelner, die ihre persönliche Scheiße zum Thema jeder sachlichen Diskussion machen.

Dadurch gibt es aber auch eine verzerrte Wahrnehmung, weil die schweigende Mitte sich nicht mehr an diesen Diskussionen beteiligt. Insgesamt steht es um die Linux Community durchaus besser, als das öffentliche Auftreten im Internet vermuten lässt.

Gerrit
Zitat :
Insgesamt steht es um die Linux Community durchaus besser, als das öffentliche Auftreten im Internet vermuten lässt.

Genau das ist die Frage. Existiert die Linux Gemeinschaft nicht primär im Netz?

Natürlich gibt es noch die einzelnen Entwicklergemeinschaften mit ihren Konferenzen aber Linux Anwender Konferenzen/Treffen mit mehr als 10-20 Teilnehmern sind in den meisten Regionen doch inzwischen ausgestorben?! Einige wenige Leuchtturmprojekte mal ausgenommen.

postlet
Das Netz besteht zum Glück nicht nur aus Kommentarspalten und den sogenannten sozialen Medien. Dort entwickelt sich aber leider primär die öffentliche Wahrnehmung. Ich kann nur nicht bestätigen, dass sich in den letzten 10 Jahren irgendwas groß am Umgangston in Support-Foren, IRC oder Bug-Trackern geändert hätte - weder zum Negativen noch zum Postiven. Das ist eigentlich, wo die Community wirklich zählt. Diskussionskultur andererseits ist prinzipiell auch immer Zeitgeist.

Das Zusammenkommen im „Real Life“ ist tatsächlich etwas auf der Strecke geblieben. Die Gründe dafür würde ich aber eher in einer anderen Art von Vernetzung sehen. Und vielleicht auch der Vermischung verschiedener Communities (FOSS, Linux, BSD, Maker, Hacker usw.), weil das scheint mir alles weniger strikt getrennt, als es mal war.

Torsten
Mich wundert das Ganze eigentlich nicht. Die sprachliche Verrohung unserer Gesellschaft hat in den letzten 7-10 Jahren stark zugenommen, teilweise sind auch politische Unzufriedenheiten in der Bevölkerung mitverantwortlich. Heute meint wohl fast jeder, je weiter er seine Klappe aufmacht, desto mehr Gehört wird ihm geschenkt. Und wenn das nicht fruchtet, wird man schnell aggressiv, beleidigend oder wirft mit Drohnungen um sich. Die braunen Kohorten von Pegida, AfD und Co. sind da nur ein Beispiel von vielen.

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