Das Tauziehen um den Marketingplan von LibreOffice zeigt die Sollbruchenstellen in der Open Source Community zwischen Entwicklern und Firmen, die von ihrer Arbeit leben wollen und müssen und Aktivisten, die in Kampagnenarbeit Open Source verbreiten wollen.
Die Köpfe hinter der neuen Marketingausrichtung kritisieren, dass Firmen im Fahrwasser der Open Source Entwicklung schwimmen ohne aktiv etwas beizutragen oder gar zigtausende Arbeitsplätze durch Institutionen ohne Supportverträge eingerichtet werden. Jene Firmen, die bisher die Hauptlast der Entwicklung stemmen und die Vollzeit-Entwickler bezahlen würden davon zu wenig abbekommen und könnten nicht wirtschaftlich arbeiten.
Initiativen wie Public Money, Public Code steuern in der Außendarstellung hingegen oft in eine gegenteilige Richtung. In entsprechenden Broschüren ist gerne von lokalen Unternehmen die Rede, die von einer Hinwendung der öffentlichen Hand zu Open Source profitieren würden. Das klingt zwar immer so schön, aber ist nach meiner Lesart genau das Gegenteil von dem was Michael Meeks erreichen möchte. Lokale Supportfirmen haben nämlich aufgrund von Wirtschaftlichkeitserwägungen kaum die Kapazität um die eingesetzte Software substanziell weiter zu entwickeln. Allenfalls könnten aufgetretene und behobene Fehler in Form kleiner(er) Patches zurück gereicht werden. Die Autoren der neuen Marketingstrategie von LibreOffice wünschen sich hingegen Supportverträge mit zentralen Firmen wie Collabora. Damit würde aber letztlich nur ein sehr großer Konzern aus den USA, gegen einen kleinen Konzern aus Großbritannien ersetzt werden. Der von Initiativen wie Public Money, Public Code behaupteten Effekte für die lokale Wirtschaft wären dahin.
Hier zeigen sich die Sollbruchstellen zwischen Kampagnen und Entwicklerfirmen, deren Interessen vordergründig gleich sind – nämlich Open Source zu stärken – aber im Detail doch ziemlich inkompatibel erscheinen.
Ich prophezeie mal, dass solche Probleme zunehmen, wenn die Entwicklungsfirmen immer kleiner und spezialisierter agieren (so wie Collabora) und nicht intern quer subventionieren (wie Red Hat) und Einnahmen aus den Serviceverträgen für RHEL in die LibreOffice Entwicklung umschichten könn(t)en.