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Kommentar: Tor Browser unter Android

Das Tor Projekt traf vor einiger Zeit die Entscheidung den Tor Browser in der normalen Variante auch für Android anzubieten. Was sich wie eine gute Idee anhörte stellt sich in der Praxis als keine besonders gute Idee heraus.

Früher funktionierte Tor unter Android mittels einer Kombination aus Orbot und Orfox. Orbot ist dabei die immer noch gepflegte Mittlerstelle, über die auch andere Apps auf das Tor Netz zugreifen können. Orfox war ein Firefox-Fork als Ergänzung und wird nicht mehr gepflegt. Die Konstellation war zwar eher schwierig, funktionierte aber zumindest bei mir hinreichend stabil.

Der neue Tor Browser App basiert, genau wie am Desktop, auf Firefox. Während dieser mobil schon eher behäbig ist, kann man die Tor Variante getrost als sehr schwerfällig bezeichnen. Insbesondere für Low Budget Geräte und ältere Smartphones ist sie fast unbenutzbar. Sollte man zusätzlich noch Orbot benötigen (z. B. für andere Apps) läuft Tor zudem doppelt auf dem System. Damit schließt man einen ziemlich großen Nutzerkreis aus. Das ganze Konglomerat ist zudem immer noch nicht stabilisiert und steht immer noch nicht direkt im F-Droid Store zur Verfügung.

Angesichts der unklaren Zukunft von Firefox für Android war das sicherlich nicht die klügste Entscheidung. Firefox 68 ist die letzte Version mit einer Variante für Android und inwiefern die Neuentwicklung Fenix sich für Tor eignet muss man erst noch sehen.

Während Tor sich auf dem Desktop inzwischen sehr komfortabel nutzen lässt (von der reduzierten Geschwindigkeit mal abgesehen) ist das mobil unter Android immer noch eine wackelige Geduldsprobe. Die enge Anbindung an Firefox ist mobil auch eher kontraproduktiv, da Firefox hier nie einen Fuß auf den Boden bekommen hat.


Bilder:
Einleitungsbild und Beitragsbild von von ulleo via pixabay

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Tags: Android, TOR, Tor Browser Bundle, The Onion Router

Ergänzungen zum Artikel

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user
Diesen Artikel kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Das Zusammenspiel von Orbot und Orfox habe ich immer als umständlich und schwer vermittelbar empfunden, wenn es auch technische Vorzüge haben mag. Wenn jetzt der TOR Browser als mit Sicherheit meistgenutzt Tor Anwendung das in einer Anwendung bündelt, und das unter dem aus der Desktop Welt etabliertem Namen, sehe ich das nur als Vorteil an.

Unter F-droid ist der TOR Browser mit einem Klick installierbar, wenn man bei Quellen den Haken beim Guardian Projekt setzt. Für Tor Nutzer ohnehin unverzichtbar, da die Version in den F-droid Quellen schon immer veraltet war. Blöd ist, das sie da überhaupt verfügbar ist.

Und auf welchen Browser außer Firefox sollte der Tor Browser den sonst aufsetzen? Welchen gut gepflegte openssource Browser gibt es den sonst noch? Chromium für Anonyme Anwendungen kann doch nicht dein ernst sein? Zumal der Torbrowser eine Version mit langer Unterstützung benötigt, und das für Chromium nicht angeboten wird. Und auch Orfox hat doch auf Firefox aufgesetzt, wo ist der Unterschied? Ich finde den Firefox unter Android im übrigen sehr gut nutzbar, auch mit vielen Tabs und Extension. Mag sein, das Chrome etwas schneller ist, aber unbenutzbar ist Firefox definit nicht, und auch der Tor Browser nicht. Und Ich habe zwar kein absolutes Low End Gerät, aber definitiv auch kein aktuelles Flaggschiff.

Und den Punkt mit der unsicheren Entwicklung kann ich auch absolut nicht nachvollziehen. In dem Artikel steht doch klar, das der Fenix Browser den Firefox unter Android in Zukunft ablösen soll und bis das Reif ist, der Firefox weiter mit Sicherheitsupdates versorgt wird. Was ist daran unsicher? Der TOR Browser hat schon immer auf die Langzeit gepflegte ESR Version von FF aufgesetzt und kleine Versions Updates übersprungen. Wenn der Support für Firefox eingestellt wird, wird es schon einen Wechsle zu Fenix geben, falls das Problem gibt, wird es halt noch einen begrenzte Zeit den TOR Browser als Fork gebe. Mit dem TOR Browser jetzt schon auf eine Betaversion von Fenix zu wechseln, wäre wohl kaum die Lösung gewesen.

Gerrit
Zitat :
Und auf welchen Browser außer Firefox sollte der Tor Browser den sonst aufsetzen?

Das ist als Anwender nicht mein Problem. Wenn sie es ernst meinen müssen sie halt einen minimalistischen Browser selbst entwickeln.

Zitat :
In dem Artikel steht doch klar, das der Fenix Browser den Firefox unter Android in Zukunft ablösen soll und bis das Reif ist, der Firefox weiter mit Sicherheitsupdates versorgt wird. Was ist daran unsicher?

Und wer sagt dir, dass Fenix überhaupt für Tor geeignet sein wird?

Deine Argumente ändern nichts daran, dass die Tor Browser App auf einem Mittelklasse-Android schwerfällig bis unbenutzbar ist. Das war die alte Orbot/Orfox Kombination nicht, weil beim Start der App nicht jedesmal der ganze Torprozess mit starten musste.

Anonymous
Gerrit sagte :
Das ist als Anwender nicht mein Problem. Wenn sie es ernst meinen müssen sie halt einen minimalistischen Browser selbst entwickeln.

Jetzt wird es albern. Mit Orfox (auch Firefox mobil) hast Du kein Problem, aber wenn der Torbrowser auf Firefox aufbaut, soll besser mal eben ein eigener Browser entwickelt werden? Schnell und minimalistisch, aber ich Wette es sollen trotzdem alle Seiten korrekt angezeigt werden und ansprechend bedienbar soll er auch sein und Sicherheitslücken darf es natürlich auch nicht geben bzw. regelmäßige Updates.

Zitat :
Und wer sagt dir, dass Fenix überhaupt für Tor geeignet sein wird?

Das weiß ich nicht, aber es gibt ja seit einiger zeit previews, ich nehme an das sich das Tor Team damit beschäftigt hat. Aktuell ist jedenfalls Firefox von den aktuellen Browsern derjenige, der sich am besten für eine sichere Nutzung mit Tor konfigurieren lässt. Es ist aber auch nicht so ein Hexenwert, einen Browser für TOR zu konfigurieren, letztlich muss der useragent vereinheitlicht werden, tracking bestmöglich unterbunden werden und verhindert werden, das der Browser irgendwie noch eine andere Internetverbindung an TOR vorbei aufbaut. Das wird schon klappen.

Zitat :
Deine Argumente ändern nichts daran, dass die Tor Browser App auf einem Mittelklasse-Android schwerfällig bis unbenutzbar ist. Das war die alte Orbot/Orfox Kombination nicht, weil beim Start der App nicht jedesmal der ganze Torprozess mit starten musste.

Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Der Start des Torbrowser dauert bei mir 1-2 Sekunden, weil die Verbindung erst aufgebaut werden muss. Das ist nun wirklich zu verschmerzen. Bei Orbot hat man auch die Wahl, ob der immer im Hintergrund laufen soll, oder bei Bedarf gestartet wird. Da ich nichts davon halte, nicht benötigte Dienste ständig laufen zu lassen, habe ich mich für letztere Variante entschieden, damit hat es dann sogar länger gedauert, bis Orfox einsatzbereit war, da ich erst noch den Ortbot starten musste.

Bei Surfen kann ich keinen Unterschied zum normalem Firefox feststellen, außer das die Internet-Verbindung über TOR langsamer sein kann.

Mein Smartphone ist ein LG G6, das würde ich der Mittelklasse zurechnen. Firefox mobil nutze ich aber auch auf einem alten low end Tablet, da ist der in der Tat keine Rakete aber auch weit davon entfernt, unbenutzbar zu sein.

Den einzigen Kritikpunkt, den ich nachvollziehen kann, ist, wenn es stimmt, das man zwei Tor Instanzen startet, wenn man Orbot und Torbrowser parallel nutzt. Hast Du das ausprobiert? Oder ist es evtl. so, das der TOR Browser es mitbekommt, wenn Tor schon läuft?


Gerrit
Zitat :
Es ist aber auch nicht so ein Hexenwert, einen Browser für TOR zu konfigurieren, letztlich muss der useragent vereinheitlicht werden, tracking bestmöglich unterbunden werden und verhindert werden, das der Browser irgendwie noch eine andere Internetverbindung an TOR vorbei aufbaut.

Ich glaube du hast das Prinzip nach dem Tor funktioniert nicht begriffen. Es geht überhaupt nicht darum Tracking zu blockieren. Eher im Gegenteil.

user
Zitat :
Eher im Gegenteil.
Das Prinzip von Tor verstehe ich ganz gut, aber diese Aussage lässt mich ratlos zurück. Ich kann ja verstehen, das Du das blocken von tracking in Tor für überflüssig hälst, auch wenn es das ganz sicher nicht ist, aber warum sollte es deiner Meinung nach darum gehen, Tracking zu fördern?

Die Möglichkeit, Nutzer über mehrere Seiten hinweg zu tracken, ist der wichtigste Grund für den Tor-Browser. Um einfach nur Tor zu nutzen, braucht man keine speziellen Browser, man installiert einfach nur TOR und trägt den als Proxy im Browser ein.

Inzwischen übermittelt aber jeder Browser so viele individuelle Merkmale, das ein einzigartiger Fingerabdruck für jeden Browser besteht und Verfolgung im TOR Netz möglich wird und darüber ggf. auch eine Deanonymisierung. Der TOR Browser sorgt für einen möglich einheitliches Aussehen, dafür ist die Unterbindung gängigeren tracking Techniken entscheiden, einfach nur den User Agent zu vereinheitlichen reicht schon lange nicht mehr. Dadurch geht man dann in der Masse der TOR Nutzer mit gleicher Konfiguration unter (so die Hoffnung). Im wesentlichen ist es ein Firefox mit einheitliche Konfiguration, Noscript und HTTPS Everywhere. Es werden auch noch ein paar andere potentielle Lücken geschlossen, die verhindern das versehentlich eine Verbindung am Tor Netz vorbei aufgebaut wird, aber entscheiden ist das Einheitliche aussehen. In der Anfangszeit von Tor gab es noch Empfehlungen, sich selbst eine möglichst sichere und einheitliche Konfiguration einzurichten, aber das hat nicht funktioniert.




Gerrit
Zitat :
Das Prinzip von Tor verstehe ich ganz gut, aber diese Aussage lässt mich ratlos zurück. Ich kann ja verstehen, das Du das blocken von tracking in Tor für überflüssig hälst, auch wenn es das ganz sicher nicht ist, aber warum sollte es deiner Meinung nach darum gehen, Tracking zu fördern?

Nein scheinbar eben doch nicht!

Das Prinzip von Tor ist (neben einer wirksamen IP-Verschleierung und Nicht-Verfolgbarkeit für Provider und Endpunkt durch Routing) das Untergehen in der Masse. Das Tor Browser Bundle setzt deshalb allgemeingültige Standardwerte oder gaukelt diese wenigstens vor. Das Bundle startet schließlich auch nicht zufällig mit exakt dieser Fenstergröße. Genau aus diesem Grund enthält das Bundle auch keinen Werbeblocker. Ein Bundle-Nutzer sieht somit für die Tracker aus wie der andere. Tracking wird aber ganz dezidiert nicht unterbunden.

Mit einem eigenen Browser, den du über das Tor-Netz leitest, kannst du das nur sehr schwer nachbauen und bist eben doch wieder identifizierbar.

user
>Das Prinzip von Tor ist (neben einer wirksamen IP-Verschleierung und Nicht-Verfolgbarkeit für Provider und Endpunkt durch Routing) das Untergehen in der Masse.

Das ist doch genau das was ich geschrieben habe. Und wenn man getrackt werden kann, ist das das Gegenteil von Untergehen in der Masse. Dann ist der Browser wieder erkennbar. Deswegen wird beim Tor Browser viel Mühe investiert, um Trackings zu unterbinden. Von Werbeblocker habe ich nichts geschrieben. In der tat könnten individuell konfiguriert Werbeblocker dem Browser wieder einen einzigartigen Fingerabdruck verpassen.

Anders als du schreibst, geht es auch nicht darum, das der Browser nicht als Tor Browser erkennbar sein darf, das ist relativ egal, solange alle Tor Browser möglichst gleich aussehen.

Gerrit
Zuletzt bearbeitet am 03.03.2020 16:04 von Gerrit
Zitat :
Das ist doch genau das was ich geschrieben habe.

Dann haben wir aneinander vorbei geschrieben.

Zitat :
Anders als du schreibst, geht es auch nicht darum, das der Browser nicht als Tor Browser erkennbar sein darf, das ist relativ egal, solange alle Tor Browser möglichst gleich aussehen.

Prinzipiell schon aber Tor gibt sich immer noch Mühe "normal" auszusehen und ein Firefox auf einem Windows zu simulieren. Ansonsten könnten sie ja einfach einen Useragent "Tor Browser" erzeugen.

user
>Dann haben wir aneinander vorbei geschrieben.
Glaube ich mittlerweile auch. Evtl. verstehen wir auch unter tracking unterschiedliche Dinge.

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