Datenschutz im digitalen Alltag

Damit Privates privat bleibt

Jami

Jami (ehm. Ring / SFLphone) ist eine freie und quelloffene Lösung für Videokommunikation zwischen Privatpersonen und in kleinen Teams. Es steht plattformübergreifend für alle relevanten Desktop- und Mobilsysteme zur Verfügung.

Abgrenzung

Jami bietet Text-, Sprach- und Videokommunikation. Der Fokus liegt eindeutig auf Sprach- und Videkommunikation. Jami ist damit ein freier Pendant zu Microsofts Skype, Googles Hangout und Apples FaceTime. Der Einsatz von Jami ist vor allem dann interessant, wenn entweder besonders viel Wert auf eine freie Lösung gelegt wird oder die Anwendung möglichst plattformübergreifend zur Verfügung stehen soll.

Jami

Kontext

Jami bietet gegenwärtig zwei unterschiedliche Funktionalitäten in der gleichen Anwendung:

  1. Ein SIP-Client für VoIP Telefonie
  2. Ein P2P System für Text-, Sprach- und Videokommunikation

Beide Kontentypen sind nicht zur Interaktion geeignet. Man kann also nicht von Jami-Konten aus SIP-Clients anrufen und umgekehrt. Allerdings kann man beide Konten parallel betreiben und dadurch in beiden Kommunikationnetzen agieren.

Im Folgenden geht es primär um die Videoanruf-Funktion mittels P2P, da SIP-Clients einen eigenen Bereich darstellen und mit gänzlich anderen Programmen konkurrieren, als den oben dargestellten.

Installation

Die App ist plattformübergreifend verfügbar. Auf der Homepage stehen Installationsroutinen für Windows, macOS und Linux (Ubuntu, Fedora, Mint, Denian, Trisquel, openSUSE, CentOS und Red Hat.) zur Verfügung. 

Zusätzlich liegt die App auch in vielen Paketquellen wie z. B. denen von Ubuntu und Debian. Anwender mit macOS können Jami auch im Mac App Store herunterladen und installieren.

Bei den Mobilplattformen werden iOS und Android unterstützt. Für letzteres stellt man die App neben dem Play Store auch via F-Droid zur Verfügung.

Einrichtung

Die Einrichtung eines Accounts unterscheidet sich von vergleichbaren Diensten, da man kein Konto beim Hersteller registrieren muss. Der Hintergrund ist die Datenschutz-orientierte Funktionweise. Man legt im eigenen Sinne kein Jami-Konto an (obwohl es so tituliert ist), sondern lediglich ein Konto lokal auf dem Gerät. Benutzername, Passwort etc. sind daher optional und dienen lediglich dem Schutz auf dem Gerät bzw. der leichteren Auffindbarkeit und müssen nicht genutzt werden. Jeder Account ist ansonsten lediglich durch eine sehr lange ID identifizierbar.

Eine Verbindung eines Kontos mit mehreren Geräten erfolgt über einen PIN. Auf dem Smartphone lässt man das Gerät einen PIN generieren.

Auf dem Desktop wählt man anschließend "Von Gerät importieren" im Einrichtungsdialog.

Anschließend gibt man den PIN ein. Ein generierter PIN ist 10 Minuten gültig.

Das eingerichtete Konto sollte man sichern, da es nicht möglich ist ein Konto wiederherzustellen, wenn es von allen verbundenen Geräten gelöscht wurde. Ein Backup des Kontos legt man dementsprechend an, indem man es entweder auf mehreren Geräten einbindet und das Verlustrisiko streut oder ein Kontoarchiv erzeugt. Letzteres ist sehr einfach mit den Linux-Clients möglich. Dieser erinnert einen nach der initialen Konfiguration eines Kontos auch sofort an diesen Schritt.

Funktionsweise

Chats, Sprach- und Videoanrufe startet man durch die Eingabe des Benutzernamens der gewünschten Kontaktperson in das Suchfeld von Jami. Bei bestehenden Kontakten entfällt dieser Schritt.

Jami funktioniert grundsätzlich nach dem P2P Prinzip, allerdings können sie auch nicht gänzlich auf Server verzichten. Dieser ist notwendig um z. B. Push-Benachrichtungen an Mobilgeräte zu schicken, um die Erstverbindung eines neuen Clients herzustellen und um Jami-Benutzernamen aufzulösen. Ohne diese Funktion würde es nur die sehr langen IDs geben.

Eine Herausforderung der nahezu Server-freien Funktionsweise sind Konferenzen. Der Konferenz-Host kann weitere Teilnehmer zu einem bestehenden Gespräch hinzufügen. Hierbei wird der Anruf auf dem Gerät des Anrufers verwaltet. Die maximale Anzahl der Konferenzteilnehmer hängt daher von den Hardware-Ressourcen des Host und seiner Bandbreite ab.

Obwohl die meisten Funktionen unter allen Clients zur Verfügung stehen gibt es einige Einschränkungen. Bildschirmfreigabe funktioniert beispielsweise nur mittels der Desktopclients und ist bei Linux auf X beschränkt. Wayland bleibt hier erst einmal außenvor.

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Tags: Videotelefonie, Jami

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