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Symbolbild "Kampagne"

Tracking im Internet - One to rule them all

Apple hat mit Safari 14 eine Art Tracking Pranger eingeführt (siehe: Radikale Transparenz gegen Tracking). Ein interessanter Ansatz um die allgegenwärtige Spionage im Netz für den Anwender praktisch greifbar zu machen. Die Ergebnisse sind wenig überraschend, prangern aber eine Firma besonders an.

Tracking ist eine Seuche des modernen Internets (siehe: Internet - Schutz vor Tracking und Anonymität). Ihre Ursache liegt letztlich in der Kostenlos-Kultur des Netzes. Weil Werbung die einzige wirklich gut funktionierende Einnahmequelle des Internets ist, versuchen alle beteiligten Akteure ihre Ausbeute zu steigern. Das geht nur, indem man immer mehr über den einzelnen Kunden erfährt. Nur zielgerichtete Werbung ist effiziente Werbung, denn letztlich soll Werbung Produkte verkaufen. Eine Werbung für ein Luxus-Auto ist bei einem Studenten ebenso fehl am Platz wie Babyprodukte bei einem Senior. Irgendwann haben alle beteiligten Akteure an diesem Markt beschlossen, dass der Kunde faktisch keine Rechte hat und man ihm hemmungslos nachspionieren kann.

Dabei ist zu beachten, dass die simple Erhebung von Statistiken kein Tracking ist. Wenn ein Webseitenbetreiber gerne mit den Serverlogs oder Matomo ein bisschen Datenauswertung betreibt, stellt das nur einen begrenzten Eingriff in die Privatsphäre dar. Der Betreiber kann dadurch nur die Bewegungen auf der einen Seite verfolgen und bei gesetzeskonformer Konfiguration keine Rückschlüsse auf die reale Person machen. Beim Tracking werden aber Daten von unzähligen Seiten zusammen geführt, was generalisierte Aussagen zulässt und - Anonymitätsversprechen hin oder her - Rückschlüsse auf die reale Person ermöglicht. Wirkliche Anonymisierung ist nämlich sehr kompliziert, muss ständig angepasst werden und bei beträchtlichen Datenmengen entsteht oft die Möglichkeit zur Deanonymisierung.

Um mal in den Blick zu nehmen, wer da so Daten erhebt, habe ich eine Woche lang mein Mehrbrowser-Konzept aufgehoben und nur mit Safari 14 gearbeitet. Das Ergebnis ist natürlich nur bedingt allgemeingültig. Erstens enthält es nur Tracker, die Apple auch als solche erkennt und zweitens basiert es auf meinem persönlichen Surfverhalten. Nachrichtenseiten aus Politik, Wirtschaft und Technik sind also überproportional vertreten, Social Media eher unterrepräsentiert. IoT-Geräte und mein Smartphone sind ebenfalls nicht in die Statistik eingeflossen. Das Ergebnis zeigt dennoch eine klare Tendenz.

Insgesamt bin ich beim surfen über 44 Tracking-Anbieter gestolpert, von denen mindestens einer auf 65 % meiner besuchten Seiten vertreten war. Die Tracking-Anbieter verteilen sich aber nicht gleichmäßig. 17 Tracking-Anbieter waren nur auf einer einzigen besuchten Seite vertreten, weitere 13 auf maximal 2 bis 3 Seiten. Lediglich 5 Tracking-Anbieter waren auf mehr als 10 Seiten vertreten: Google, Criteo, INFOnline, Amazon und Facebook.

Hierbei gibt es Schwerpunktbildungen. INFOnline könnte man als Tracker für die deutsche Medienwirtschaft bezeichnen. Die Erhebung erfolgt nahezu nur auf deutschen Onlinemedien. Hier aber von der Lokalzeitung über deutschlandweite Medien bis hin zu IT/Technikportalen. Die Amazon-Tracker finden sich "nur" auf Seiten mit Werbung für Produkte auf Amazon. Lediglich eine einzige Firma ist omnipräsent und verfügt über ein halbes Dutzend aktiver Tracker: Google. Das ist soweit auch überhaupt nicht überraschend, denn die Internetwirtschaft neigt zu Monopolbildungen. Das ist im vorliegenden Fall nicht anders, denn wir erinnern uns: DoubleClick wurde von Google 2007 für damals bereits ordentliche 3,1 Milliarden Dollar erworben. Ein Dienst versuchte alle Mitbewerber aufzukaufen, auszubooten, zu übertrumpfen und bietet durch die schiere Datenaggregation mehr Potenzial als alle anderen.

Google arbeitete in den vergangenen Tagen auf diesem System mit Google Tag Manager, DoubleClick, Google Tag Services, Google Analytics, Google Syndication und Google Ad Services. Viele Webseiten haben gleich mehrere Tracker von Google eingebunden, alleine der Google Tag Manager war aber auf einem Drittel der besuchten Seiten vertreten. Google sitzt also wie eine Spinne im Netz und erhebt Daten mit freundlicher Mithilfe zahlloser Webseitenbetreiber auf zweifelhafter rechtlicher Grundlage. Denn eine freiwillige und informierte Einwilligung habe ich nirgendwo erteilt. Dabei muss der Nutzer noch nicht einmal direkt einen Dienst von Google wie die Suchmaschine oder Youtube aufrufen.

Das Experiment brachte also im Grunde genommen nicht viel Neues zutage. Abgesehen davon, dass ich nicht vermutet hätte, so viele unterschiedliche Firmen in diesem Markt vorzufinden. Einige Webseiten - beispielsweise ein bekanntes deutsches IT-Blog - stellten sich zudem als so Tracker-verseucht heraus, dass sie aus meinen Bookmarks geflogen sind. Mit einem vielfältigeren Surfverhalten und der Einbeziehung von mehr internationalen Webseiten wäre hier vielleicht ein noch differenziertes Bild entstanden, allerdings wollte ich ja gezielt mein eigenes Surfverhalten überprüfen und mit welchen Trackern ich trotz sorgsam gesetzten Einwilligungen auf den besuchten Seiten konfrontiert werde.

Hier könnte diese kleine Geschichte über Tracking im Internet enden. Ein paar Sätze zum Phänomen Google müssen aber noch sein. Die meisten der oben gelisteten Anbieter kann ich meiden. INFOnline bietet nur Statistik-Dienstleistungen, ansonsten komme ich damit nicht in Kontakt. Natürlich reichern auch solche Firmen den Datenpool an und tragen ihren Teil zur Profilbildung bei, sie setzen aber einen aktiven Zukauf oder Verkauf von Daten voraus. Übrigens ein Hebel, an dem der Gesetzgeber dringend ansetzen müsste. Amazon und Facebook kann ich - mit etwas Mühe - aus dem Weg gehen. Google hingegen nicht und Google muss die Daten eigentlich nicht mal zukaufen, sondern erhebt sie alle selbst!

Ich stolpere nicht nur auf allen möglichen Seiten über Google-Tracker, selbst wenn ich meine IT-Systeme möglichst datenschutzfreundlich ausrichte, lauert überall der Suchgigant. Viele Anwender von Open Source Software haben ein gesteigertes Datenschutz-Bewusstsein und viele Projekte möchten genau dies bedienen (siehe z. B. KDE gibt sich Ziele: Privacy). Letztlich lauert hier aber überall Google. Sei es durch die Förderung der Projekte über den Google Summer of Code, als Hauptfinanzier von Mozilla oder über die omnipräsente Chromium-Engine, sowie die direkte Einbindung von Trackern auf den Distributions-Seiten (z. B. bei Ubuntu und Red Hat) und da ist das Phänomen Android mit all seinen Diensten noch komplett außen vor. Die enge Anbindung der Open Source-Welt an Google ist somit das genaue Gegenteil des Privatsphäre-Versprechens und beruht zumindest teilweise auf wirtschaftsfeindlichen Lizenzbedingungen freier Lizenzen. Nutze ich also einen Linux Desktop und ein Android Smartphone um meine technischen Systeme selbstbestimmt zu kontrollieren, hänge ich direkt und indirekt mehr von Google ab als bei Windows- und Apple-Produkten. Ein zumindest problematischer Wderspruch.


Bilder:
Einleitungsbild und Beitragsbild von von 200 Degrees via pixabay

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Tags: Tracking, Google, Datenerhebung, Statistik

Ergänzungen zum Artikel

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Thomas
Zitat :
Weil Werbung die einzige wirklich gut funktionierende Einnahmequelle des Internets ist, versuchen alle beteiligten Akteure ihre Ausbeute zu steigern.


Werbung ist sicher nicht die einzige "gut funktionierende Einnahmequelle des Internets", aber sie ist eine der wenigen Einnahmemöglichkeiten von Angeboten, die unterm Strich verzichtbar sind, d. h. für die so gut wie niemand bereit ist, zu bezahlen. Und da liegt der Hase im Pfeffer.

Wir haben von allem zuviel, nicht nur, aber auch im Internet. Das Ausmaß an Redundanz vor allem im Bereich der Medien, also Nachrichtenseiten, Blogs, etc. ist haarsträubend. Kein Mensch braucht hunderte von Sites, die täglich dutzende Artikel mit den selben abgeschriebenen PR-Mitteilungen publizieren. Und weil die keiner braucht und daher auch keiner dafür zu bezahlen bereit wäre, bleibt diesen Sites nichts anderes übrig, als über andere Mittel ein paar Cent aus ihren Besuchern herauszuquetschen. Und da bleibt dann in der Tat nur Werbung (inkl. diverser Spielarten wie Affiliate-Marketing).

Unterm Strich hält der Werbemarkt also Angebote am Leben, die im Grunde keiner braucht, zumindest nicht in dieser Vielzahl. Aber das passt ja schön ins Gesamtbild, denn die Werbung bombardiert uns ja vor allem mit Produkten, die wir bei genauerer Betrachtung eigentlich auch nicht brauchen bzw. die von dutzenden oder hunderten Anbietern so oder so ähnlich angeboten werden und die Anbieter sich nur noch über ihr Werbebudget differenzieren können. Das Ganze ist also ein Kreislauf aus viel zu vielen Anbietern, die viel zu viele Dinge produzieren, die wir nicht brauchen und die sie uns daher immer und immer wieder einhämmern müssen mit Werbung auf Websites, die wir in der Anzahl eigentlich auch nicht brauchen. Bei diesem ganzen Konsum- und Werbewahnsinn brauchen wir uns nicht wundern, warum das Internet und die reale Welt so aussehen wie sie nunmal aussehen.

Gerrit
Zitat :
Werbung ist sicher nicht die einzige "gut funktionierende Einnahmequelle des Internets", aber sie ist eine der wenigen Einnahmemöglichkeiten von Angeboten, die unterm Strich verzichtbar sind, d. h. für die so gut wie niemand bereit ist, zu bezahlen. Und da liegt der Hase im Pfeffer.

Also ist sie doch die einzige gut funktionierende Einnahmequelle? Es gibt natürlich andere Ideen wie Paywalls, Abo-Modelle und ähnliches aber diese sind alle bestenfalls in der Testphase oder füllen eine Nische.

Thomas
Du siehst das zu eng auf Angebote wie Medien bezogen, also im Wesentlichen Angebote für Unterhaltung und/oder Information. Aber das Internet besteht ja aus noch weit mehr, Stichwort E-Commerce. Und es gibt auch im Bereich der Informationsangebote durchaus mehr als nur Paywalls, Abos, etc., dass die aber oft nur in der Nische funktionieren sehe ich auch so.

Aber das ist ja auch mein Punkt: Der Nischenanbieter, der z. B. seine Informationen in ein E-Book, Webinar, etc. verpackt und verkauft, stellt offenbar ein Angebot bereit, für das sein Publikum bereit ist, zu bezahlen. Im Gegensatz dazu bieten klassische große Medien (Zeitungsverlage, große IT-Blogs, etc.) nur wenig, wofür die meisten bereit wären, Geld zu bezahlen. Zumindest ist fraglich, ob es genug zahlungswillige Kunden gibt, damit sich alle derzeit existierenden Anbieter über Wasser halten können. Ich würde z. B. ggf. noch ein Abo von heise+ in Erwägung ziehen, aber für eine Seite wie golem würde ich keinen Cent bezahlen.

Mein Punkt ist also, dass es einfach zuviele Anbieter gibt, die alle zuviel vom Gleichen anbieten und daher keine Chance haben, für ihr Angebot (genug) zahlende Kunden zu finden. Das wird über kurz oder lang zu einer Konsolidierung in vielen Bereich führen, wenn nach und nach die Werbeeinnahmen bröckeln und keine alternative Einnahmequellen entstehen. Aber das muss ja nicht schlecht sein, denn der jetzige Überfluss an Angeboten ist ja auch kein Dauerzustand, im Übrigen auch nicht in der realen Welt (siehe z. B. https://www.sueddeutsche.de/geld/sortiment-in-supermaerkten-von-allem-zu-viel-1.2253540).

Gerrit
Zitat :
Aber das ist ja auch mein Punkt: Der Nischenanbieter, der z. B. seine Informationen in ein E-Book, Webinar, etc. verpackt und verkauft, stellt offenbar ein Angebot bereit, für das sein Publikum bereit ist, zu bezahlen.

An solche Modelle hatte ich tatsächlich überhaupt nicht gedacht. Das ist natürlich ein valider Punkt.

Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich deinem Punkt mit "verzichtbar" zustimmen möchte. Meiner Meinung nach haben die Medien einfach zu lange eine Freibiermentalität gepflegt und den Menschen das bezahlen erfolgreich abgewöhnt. Früher war es schließlich auch vollkommen normal für die Zeitung oder Zeitschrift zu bezahlen. Der Schwenk erfolgte ja erst vor wenigen Jahren mit den Paywalls und ich habe erhebliche Zweifel an deren Erfolg.

Thomas
Verzichtbar meinte ich nur auf den Überfluss an gleichartigen Angeboten bezogen. Wenn ich z. B. für die Süddeutsche ein Abo bezahle, brauche ich vermutlich nicht unbedingt noch ein Abo der FAZ. Von Tech-Blogs, die alle mehr oder weniger das Gleiche schreiben, mal ganz zu schweigen. Da muss man sich schon durch etwas eigenständiges absetzen, wie das ja u. a. auch Heise macht mit interessanten Bastelprojekten, etc.

Das Ei mit der Kostenlos-Mentalität haben sich die Medien in der Tat selbst gelegt. Aber wer weiß schon, ob die Situation heute eine andere wäre, wenn die von Anfang an alle Inhalte nur gg. Bezahlung angeboten hätten. Und das Modell hätte ja ohnehin nur für die Medien funktioniert, die schon einen Kundenstamm bzw. einen hohen Bekanntheitsgrad haben. Die ganzen (heute) großen Blogs haben ja alle mal bei Null angefangen, da hätte eine Paywall gleich zu Beginn nicht funktioniert. Zumal viele von denen ja aus den USA kommen, und da zählt erstmal nicht Umsatz sondern schnelles Wachstum, und mit kostenlosen Inhalte wächst es sich halt deutlich schneller.

libertador
Verkäufe funktionieren auch gut, sonst wäre die meiste Werbung sinnlos.

Werbung funktioniert nur, weil etwas verkauft wird und dieses verkaufen wird auch fast vollständig über das Internet abgewickelt. Amazon verdient ja nicht durch Werbung Geld, sondern durch verkaufte Produkte. Es gibt also noch mindestens eine weitere gut funktionierende Einnahmequelle und das sind Verkäufe, ansonsten macht Werbung ja auch keinen Sinn.

Manches wollen viele Menschen anscheinend nicht kaufen, wie Zeitungsinhalte, sodass hier auf Werbung zurückgegriffen wird, die dem Anschein nach andere Verkäufe ankurbelt oder es fällt im Verteilungskampf um Verkäufe, dann auch für Inhalteanbieter etwas ab.

Da unterschätzt du Amazon gewaltig. Der Verkauf ist nur ein Baustein von vielen. So hat Amazon 2019 ca. 14 Milliarden Dollar an Werbung verdient (siehe https://www.derstandard.de/story/2000114492986/google-facebook-amazon-weltgroesste-werbebudgets-gehen-laengst-an-onlineriesen)
Und auch weitere Geschäftsfelder wie aws (das Cloudgeschäft), der Marktplatz (ihre Plattform-Ökonomie), Prime ... es gibt viel woran Amazon verdient.

Und Online-Werbung funktioniert immer weniger, auch wenn die programmatic-advertising-anbieter natürlich etwas anderes erzählen. Siehst ja wie viele Seiten von Werbung überflutet werden und ohne Ad-Blocker nur noch schwer lesbar sind. Und der Ad-Fraud ist mittlerweile ziemlich hoch, was die Branche natürlich verschweigt.

Gerrit
Ja, aber genau weil sie immer weniger funktioniert wird ja mit noch invasiveren Methoden geliebäugelt. Werbung auf dem Endgerät wenn meinen Ort betritt o. Ä.

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