Datenschutz im digitalen Alltag

Damit Privates privat bleibt

Bild von mohamed_hassan via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

Kein Datenschutz ohne Änderung der Bezahl-Mentalität

Kürzlich machte mal wieder ein Aufschrei wegen einer neuen Funktion in Google Chrome und den Google Diensten die Runde. Man möchte gar nicht mehr mitzählen, der wievielte es alleine dieses Jahr gewesen ist. Ein PR-Skandal mag die Firma bewegen, diese eine Funktion zu ändern, aber er wird niemals einen grundsätzlichen Wandel in der Haltung zum Datenschutz bewirken, denn das Geschäftsmodell des Internets ist datenschutzfeindlich.

Dienstleistungen und Software werden mehrheitlich von Firmen angeboten, die - abgesehen von jenen durch Wagniskapital angetriebenen Start Ups - wirtschaftlich arbeiten müssen. Diese banale Erkenntnis ist noch nicht zu den meisten Internetnutzern vorgedrungen. In einer Angestellten- und Beamten-Gesellschaft wie der Deutschen fehlt sowieso oftmals die Fantasie, wie irgendjemand abseits der üblichen Lohnüberweisung Geld erwirtschaften kann. Weil bezahlte Dienstleistungen und kostenpflichtige Software in der Gratismentalität des Internets nur in Nischen funktionieren, bilden Werbeeinnahmen das zentrale Finanzierungsmodell der Internetindustrie.

Werbung ist untrennbar verbunden mit einer Überwachung und Auswertung von Konsumentendaten. Das war schon vor dem Internet so - man denke nur an unzählige Bonuskarten - aber die digitalen Möglichkeiten haben erst den Weg zum gläsernen Konsumenten geebnet. Benutzertracking ist nicht nur im Internet, sondern auch auf Smartphones und zunehmend auch bei klassischen Desktopbetriebssystemen Standard (siehe auch: Aktivitäten im Internet schützen).

Mit Google ist eine der größten Werbefirmen der Welt gleichzeitig einer der wichtigsten Softwareproduzenten. Man mag ihnen zu Gute halten, dass die Idee zur Dienstleistung und Software älter ist, als die Umsetzung der Werbevermarktung. Gleichwohl bietet Google qualitativ hochwertige Dienstleistungen und Software für Endverbraucher ohne ein Entgelt zu verlangen und möchte als Gegenleistung Werbung möglichst passgenau an den Endverbraucher bringen. Dazu müssen möglichst viele Daten generiert und zusammengeführt werden, weshalb sich nahezu alle Skandale der letzten Jahre unter diesem Gesichtspunkt erklären lassen. Manche neue Produktidee ist möglicherweise sogar unter dem primären Gesichtspunkt der Datenerhebung konzipiert, aber das ist Spekulation.

Ohne die Bereitschaft für Dienstleistungen und Softwareprodukte zu bezahlen wird es niemals datenschutzfreundliche Angebote geben. All die Kommentatoren sollten sich anstelle ihrer anklagenden Artikel mal fragen, wann sie das letzte Mal Geld für ein digitales Produkt bezahlt haben.

Die Open Source Gemeinschaft erweist der Gesellschaft hier leider einen Bärendienst. Sie unterfüttern die Kostenlos-Mentalität der Verbraucher mit dem guten Gefühl ein gemeinschaftlich erarbeitetes Produkt zu nutzen. Freeware und Open Source ist allzuoft deckungsgleich und die Vermarktung vieler Produkte der Datensammler als "Open Source" macht es nicht besser. Das Spendenmodell zur Finanzierung ist schon lange gescheitert und kann weder die Entwicklergehälter, noch die Projektkosten decken.

Es ist daher fatal, dass man anstelle der vermeintlich kostenlosen Dienste der großen IT-Konzerne, andere kostenlose Dienste wie beispielsweise Signal oder Telegram auf den Podest stellt. Letztere finanzieren sich schließlich über Stiftungen, deren Kapital teilweise von Leuten beigesteuert wurde, die ihr Geld in eben jener datengetriebenen Internetwirtschaft gemacht haben. Der Telegram-Gründer Pawel Durow machte sein Vermögen mit dem Verkauf des russischen Facebook-Pendants Vkontakte und die Signal Siftung hat beispielsweise eine Millionenspende durch einen der beiden WhatsApp-Gründer erhalten. Diese Spenden wirken manchmal wie eine Form des Ablasshandels und eine reumütige Rückkehr zu den hehren Wurzeln des Internets - nachdem man Millionen oder gar Milliarden verdient hat.

Die "guten" kostenlosen Angebote bestärken zudem viele Konsumenten in der Idee, das man für Dienste nicht bezahlen muss. Man braucht nur den vermeintlich richtigen Dienst eines seriösen Anbieters. Das ist fatal, weil das gesamte bestehende Angebot an Software und Dienstleistungen nicht von Philantropen getragen werden kann.


Bilder:
Einleitungs- und Beitragsbild von mohamed_hassan via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

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Tags: Datenschutz, Tracker, Tracking, Mentalität, Finanzierung

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    Michael · Vor 13 Tagen
    Moin,


    dass die Bezahlung über Spenden nicht funktioniert, würde ich pauschal nicht behaupten ("Spendenmodell zur Finanzierung ist schon lange gescheitert"). Dennoch scheinen sich wirklich im OSS-Umfeld andere Geschäftsmodelle durchgesetzt zu haben.

    Es scheint mir aber in dem Artikel zwei Punkte zu fehlen: zum einen nutzen auch Closed-Source-Softwarefirmen nachdem man für das Produkt bezahlt hat sich auch noch mit Daten bezahlen zu lassen. Hier sind nicht nur Microsoft und Apple sowie viele Android-Handy-Hersteller gute Beispiele. Diese Entwicklung halte ich für fatal, da sie über die "Kostenlos-Mentalität" hinausgeht. Weiterhin fehlen zunehmend die Möglichkeit, statt mit den eigenen Daten mit Geld das Produkt zu bezahlen. Im Ausland kann man bspw. ein digitales Abo einer Zeitung abschließen, ohne danach getrackt zu werden. In Deutschland ist dies noch(?) nicht möglich.

    Bei Softwareprodukten bleiben einem nur noch die Nieschenprodukte (alte GNU/GPL-Software), um aus der Klammer herauszukommen. Bei Mainstream-Software (auch bezahlter, close-source) nimmt das Tracking erheblich zu (Adobe, Corel, Microsoft u.v.m.), so dass das bezahlen auch kaum noch hilft. (Schon mal aktuell versucht, unter Windows Software ohne Internetzugang zu installieren?? Es wird immer schwieriger...).


    P.S. "All die Kommentatoren sollten sich anstelle ihrer anklagenden Artikel mal fragen, wann sie das letzte Mal Geld für ein digitales Produkt bezahlt haben." - in diesem Jahr für > 10 Produkte und weiteren werbefreien Web-Seiten (Nachrichten, Wetter etc.) plus einige Spenden (bspw. AdBlocker) ;-)))
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      Cruiz
      • Administrator
      · Vor 12 Tagen
      Spenden oder Crowdfunding funktioniert höchstens für einige Leuchtturmprojekte und selbst dort ist die Finanzierung oft prekär. Spenden als Selbstverständlichkeit für die Nutzung eines ansonsten kostenlosen Produkts in der Gesellschaft zu verankern ist meiner Meinung nach definitiv gescheitert.

      Dass manche Firmen zweigleisig fahren und sowohl Daten abgreifen, als auch das Produkt verkaufen, ist leider wahr. Meiner Erfahrung nach sind kommerzielle Produkte aber erheblich weniger von Trackern verseucht, als kostenlose.

      GPL schützt einen leider auch nicht unbedingt. Das Datenschutz-Verständnis ist regional sehr unterschiedlich ausgeprägt. Viele Open Source Entwickler greifen z. B. zur Entwicklung und zum Support massiv auf Google Infrastruktur zurück. Die GPL hat keine Klausel gegen Nutzerdatenerhebung.
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        Michael · Vor 12 Tagen
        "Spenden als Selbstverständlichkeit für die Nutzung eines ansonsten kostenlosen Produkts in der Gesellschaft zu verankern ist meiner Meinung nach definitiv gescheitert." - So würde ich es nicht ausdrücken, da es eigentlich nie eine wirkliche Option war. Schon zur alten DOS-Zeit haben nur wenige Softwareentwickler dieses Vertriebsmodell genutzt. Nur von größeren Web-Seite ist es weiterhin ein Versuch, den Betrag zum Betrieb einzufahren (bspw. Ubuntuusers.de, Wikipedia etc.).

        "Dass manche Firmen zweigleisig fahren" - Nein, es fahren nicht >>manche<< Firmen zweigleisig. De facto wird bei jeder kommerziell vertriebenen Software (mit Ausnahme von wenigen "Resten") ein Aktivierungs- und Lizenzprüfungsfunktion gefordert. Meistens wird dies mit der Prüfung, ob die Software aktuell ist, verbunden. Bei großen Firmen wie Microsoft und Adobe wird dann gern, wenn man die Prüfung unterbindet, die Lizenz deaktiviert, bis man wieder im Netz ist.

        Nun könnte man streiten, ob dies ein legitimes Tracking im Sinne der rechtlichen Nutzung ist und ob eine Datenweitergabe in irgendeiner Form erfolgt. Es ist aber nicht nur beim Arzt um die Ecke die Patientendatei ("Kundendatei"), die für den Nachfolger der Praxis so attraktiv ist. Ob das so bei jedem gewollt ist? Ich bekomme auch von anderen Unternehmen gezielte Werbung, so dass ich von einer Datenweitergabe ausgehe.

        "GPL schützt einen leider auch nicht unbedingt." - Natürlich schützt eine Softwarelizenz nicht. Dennoch werden in den wenigsten Fällen in den alten Softwareprodukte (LaTeX, emacs etc.) Nutzerdaten erhoben - was meine Aussage ("nur noch die Nieschenprodukte (alte GNU/GPL-Software)") war. Unabhängig davon ist es ein Unterschied, ob man AGB-seitig und lizenzrechtlich dazu verpflichtet wird, richtige Kontaktdaten zu verwenden (bspw. Microsoft), die dann mit Trackingdaten verbunden werden, oder man Scheindaten nutzen kann, weil man keine Vertragsstrafen (Entzug der kostenpflichtigen Lizenz) zu befürchten hat. Die Nutzung von Foren, Download-Seiten etc. sehe ich deutlich weniger kritisch.
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    Gerald · Vor 12 Tagen
    Hi,

    das Problem fängt dort an, wo trotz Bezahlung weiterhin getrackt wird oder Daten von Drittanbietern an Viertanbieter geliefert werden, also zB. von Google gesammelte Daten von Werbeanbietern zur Einblendung von Werbung auf Nicht-Googleseiten verwendet werden. Oder wenn zB. Kontaktdaten vom Handy ungefragt ausgelesen und übertragen werden. Denn da müsste lt. DSGVO jeder Nutzer jeder einzelnen Nutzung getrennt zustimmen!

    Liebe Grüße,

    Gerald
    • Dieses Kommentar ist noch nicht freigegeben.
      Cruiz
      • Administrator
      · Vor 12 Tagen
      Die Einbindung von Google Diensten als trojanische Pferde in fremde Produkte um Daten abzugreifen ist meiner Meinung nach eine andere Baustelle. Wobei auch hier wieder der Kostenlos-Faktor zum tragen kommt. Für Google Dienste müssen Webseitenbetreiber in der Regel nicht bezahlen.
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