Datenschutz im digitalen Alltag

Damit Privates privat bleibt

Bild von Violinka via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

Freie Mobilbetriebssysteme - Ein Trauerspiel

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Der mobile Sektor gewinnt zunehmend an Bedeutung. Zwar wird der Desktop bzw. Laptop auf absehbare Zeit nicht verschwinden und ist insbesondere im beruflichen Bereich nicht weg zu denken. In Privathaushalten sind solche Geräte aber auf dem Rückzug und sofern noch vorhanden oft verhältnismäßig alt. Auch hinsichtlich des Datenschutzes sind die mobilen Begleiter viel bedeutsamer als die klassischen Systeme.

Moderne Smartphones und Tablets haben unzählige Sensoren, die ein umfangreiches Tracking ihrer Besitzer ermöglichen. Kamera, Mikrofon, GPS, Schrittzähler, NFC-Chips - diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Hinzu kommen die gespeicherten Informationen, die persönlicher kaum sein könnten: Kontakte, Telefonhistorie, E-Mails und Messenger-Nachrichten. Wie sensibel diese Informationen sind zeigt nicht zuletzt die erregte Debatte um die so genannte Quellen-TKÜ.

Genau in diesem sensiblen Bereich sind die Anwender fast vollständig von geschlossenen, proprietären und nicht vertrauenswürdigen Systemen abhängig. Open Source-Enthusiasten empfehlen immer gerne Android, aber das zeigt eigentlich nur das Ausmaß der Verzweiflung. Android ist weder frei, noch sicher, noch vertrauenswürdig.

Siehe auch:

Doch was für wirklich freie Alternativen gibt es denn?

Freie Systeme

Die finnische Lösung - SailfishOS

SailfishOS ist unter den alternativen Betriebssystemen sicherlich eine der ausgereifteren Varianten. Dahinter steht das finnische Unternehmen Jolla, das von ehemaligen Nokia-Mitarbeitern gegründet wurde und an Entwicklungen wie das N9 und MeeGo anknüpft. Ältere Semester erinnern sich vielleicht. Die letzten Jahre liefen allerdings nicht sonderlich erfolgreich. Ein groß angekündigtes Tablet musste man einstampfen und Jolla kämpfte auch mit finanziellen Problemen. Die größte Leistung besteht also vermutlich darin, dass man immer noch da ist. Inzwischen kooperiert man mit anderen Herstellern und brachte z. B. SailfishOS auf das Sony Xperia X.

SailfishOS ist technisch eventuell das was man am ehesten als Linux-Smarphone-Betriebssystem bezeichnen kann. Die Mer-Basis verwendet den Linux-Kernel und Wayland für die Grafik, sowie Qt als Toolkit. Man kann sogar Pakete im RPM-Format installieren.

Im Laufe des Jahres 2018 soll dann auch die Version 3 erscheinen, die technisch zu iOS und Android aufschließen soll. Durch die Schwierigkeiten der letzten Jahre ist SailfishOS nämlich nicht mehr ganz zeitgemäß.

Problematisch ist zudem, dass die Oberfläche von SailfishOS keine freie Software ist, sondern man lediglich im Unterbau viel freie Software einbezieht.

Die Community übernimmt - Ubuntu Touch

Die Firma hinter Ubuntu, Canonical, hatte mit Ubuntu Touch große Erwartungen geweckt. Medienwirksam setzte man auf eine groß angelegte Crowdfunding-Initiative, die dann auch fulminant scheiterte - aber wenigstens viel Aufmerksamkeit einbrachte. Das Ziel war nichts weniger als absolute Konvergenz der Systeme, ein Konzept, an dem sich schon ganz andere die Zähne ausgebissen haben. Letztes Jahr zog man dann auch die Reißleine und beendete die konvergenten Träume.

Relativ überraschend fand sich dann aber doch eine Community, die das System übernahm und weiterentwickelte. Es ist weitestgehend funktionsfähig und läuft auf einer Reihe von Endgeräten, was schon beachtlich ist. Momentan versucht man das Projekt auf die 16.04-Basis zu aktualisieren um für die kommenden Jahre Stabilität zu erreichen.

Obwohl die Leistung der Community beachtlich ist, bleibt abzuwarten ob mit wenigen Entwicklern und ohne große Firma im Rücken das System gepflegt und weiterentwickelt werden kann.

Ein Gerät, viele Ideen - Purism 5

Viele Hoffnungen verbinden sich gegenwärtig mit Purism und dem erfolgreich finanzierten Projekt Purism 5. Purism scheint sich aber nicht so recht entscheiden zu können, wohin man mit dem System will. Sowohl GNOME, als auch KDE kooperieren mit Purism. UBports ist seit kurzem auch dabei. Aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen hat sich Purism dazu entschlossen den Fokus auf GNOME zu legen. Also auf jene Oberfläche, die bisher von allen Alternativen am wenigsten für Touch und Mobilsysteme ausgelegt ist.

Wie man die Arbeiten bis 2019 abschließen will fragen sich aber viele Beobachter - vermutlich nicht zu unrecht.

Zersplitterung

Im Grunde genommen sieht man im Bereich der mobilen Entwicklung die Probleme der Open Source/Linux-Gemeinschaft wie unter dem Brennglas. Der chronische Entwicklermangel - keines der obigen Projekte hat mehr als eine Handvoll Entwickler - verhindert schnelle Fortschritte, während sich die anderen Systeme rasant weiter entwickeln. Auf dem Desktop arbeitet man unter ganz anderen Bedingungen. Die Hardware verändert sich nur noch langsam und die großen konkurrierenden Systeme werden tendenziell eher gepflegt, denn wirklich rasant weiter entwickelt. Die kräftezehrende Zersplitterung fällt hier weniger auf.

Im Grunde genommen müsste sich die Entwicklergemeinschaft hier mal zusammenraufen und überhaupt ein funktionsfähiges System zusammen stellen. So aber übertragen die rivalisierenden Gemeinschaften von KDE und GNOME ihre Konkurrenzsituation eins zu eins auf den mobilen Markt und hinzu kommt mit UBports noch ein weiterer Spieler. Linux bietet nämlich auch abseits von Android durchaus eine funktionsfähige Basis, wie die Entwickler von Jolla eindrucksvoll bewiesen haben.

Erste Ansätze, dass man das Problem erkannt hat, sieht man bei die Entwicklung von HaliumOS. Vermutlich kommt das aber zu spät, die Anzeichen, dass Google Android aufgibt mehren sich ja schon.

So bleibt dem Anwender nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Entweder das in Teilen freie Android, dessen Entwicklung komplett von der Datenkrake Google abhängt oder der goldene Käfig iOS, bei dem Apple sich zumindest sehr datenschutzfreundlich geriert.

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Tags: Android, SailfishOS, UBports, Ubuntu Touch, Plasma Mobile, Purism, Jolla

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