Datenschutz im digitalen Alltag

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E-Mail Verschlüsselung im realen Einsatz

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E-Mail Verschlüsselung ist eine wunderbare Sache. In einem standardisierten Verfahren lassen sich die Inhalte von E-Mails verschlüsseln und an jeden Kommunikationsparter senden, egal welchen Mailanbieter er benutzt. Dazu muss man nur den öffentlichen Schlüssel desjenigen haben und wissen ob er S/MIME oder OpenPGP präferiert. Damit funktioniert die Mailverschlüsselung viel transparenter, als z.B. die von WhatsApp.

Trotzdem ist die Reaktion auf eine Erläuterung der möglichen E-Mail-Verschlüsselungsverfahren (eine knappe Übersicht findet sich hier) eher ein ungläubiges staunen. Auch gerne kombiniert mit dem Hinweis "Wasser predigen und Wein trinken", also letztlich dem Vorwurf datenschutzsensible Mail-Verfasser würden letztlich im Zweifefalls auch massenhaft unverschlüsselte Mails verschicken.

Darauf kann man nur offen und ehrlich antworten: Ja! E-Mail Verschlüsselung in ihrer bisherigen Form ist ein gescheitertes Verfahren! Sie ist genau so praxisuntauglich und überholt wie die E-Mail selbst als Kommunikationsmittel. Die Bereitstellung und der Austausch von Schlüsseln für zwei konkurrierende Verschlüsselungsverfahren, sowie die Synchronisation selbiger über eine Vielzahl von Geräten hinweg ist zeitaufwändig und gerade für spontane Nachrichten vollkommen unbrauchbar. Es gab eine Vielzahl von Versuchen dies zu beheben, aber letztlich hat sich keine davon durchgesetzt. Meiner Meinung nach ist diese Situation nur durch eine radikale Innovation zu durchbrechen.

Trotzdem bedeutet dies nicht, dass E-Mail Verschlüsselung unter allen Umständen unbrauchbar ist. Es hängt schlicht vom eigenen Anwendungsverhalten ab. Wenn man einen erheblichen Teil der Kommunikation mit den gleichen Kommunikationspartnern abwickelt (und ich behaupte mal, dass dies den meisten Menschen so geht, unser soziales Umfeld ist ja nicht jeden Tag massiven Verwerfungen ausgesetzt), besteht die Möglichkeit einen Zirkel von aktiv verchlüsselnden Kommunikationspartnern aufzubauen.

Gerade der Siegeszug der Messenger hat dazu geführt, dass über E-Mails immer weniger belanglose Themen ausgetauscht, sondern wichtige Informationen geteilt werden. Möglicherweise weil es hierfür Anhänge bedarf oder man die Informatione selbst per Mail erhalten hat. In diesem Kontext ist es absolut machbar, die Notwendigkeit verschlüsselter Kommunikation zu verdeutlichen.

Gleichzeitig sollte man flexibel bei der Wahl der Verschlüsselung sein. Wer auf OpenPGP beharrt, weil S/MIME z.B. auf einem hierarchischen Zertifikatssystem beruht, minimiert seine eigenen Möglichkeiten. Die meisten verbreiteten E-Mail-Programme (z.B. Outlook oder Thunderbird) beherrschen nur den Umgang mit S/MIME. Hier greift das Prinzip: Je einfacher die Nutzung für jemanden ist, desto eher wird es wirklich angewandt.

Unter diesen Umständen ist es möglich einen (wichtigen) Teil der eigenen Kommunikation zu verschlüsseln. Das schließt aber nicht aus, dass man tagtäglich viele unverschlüsselte Nachrichten verschickt. Hier stößt das bisherige System an seine Grenzen.

 

Tags: E-Mail, Verschlüsselung, OpenPGP, S/MIME

Ergänzungen zum Artikel

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