Datenschutz im digitalen Alltag

Damit Privates privat bleibt

Bild von Kruegerfotografie via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

Apple und Datenschutz - Ernst gemeinte Alternative zu Open Source?

Der Fokus des Blogs hat sich in den vergangenen Jahren ein wenig in Richtung Apple verschoben, sowohl was die Dienste, als auch Betriebssystem und Hardware betrifft. Ingesamt erscheinen hier zwar immer noch mehr Artikel zu Open Source-Themen, aber dem eingefleischten OSS-Befürworter mag dies bereits zu viel sein. Denn kann ein Fokus auf Datenschutz wirklich mit dem Einsatz von Apple-Produkten harmonieren?

Ungefähr dieser Vorwurf landete kürzlich in meinem Mail-Posteingang. Das Thema ist allerdings zu wichtig um es lediglich in einer E-Mail zu beantworten, da es letztlich die Grundkonzeption dieses Blogs berührt

Der Vorwurf beruht meiner Meinung nach auf einer symbiotischen Beziehung, die zwischen den eigentlich unabhängigen Bereichen Datenschutz/digitale Selbstbestimmung und Open Source entstanden ist. Im Grunde genommen haben die Bereiche Datenschutz/digitale Selbstbestimmung und Open Source nicht viel miteinander zu tun. Viele Open Source-Aktivisten können mit Datenschutz auch sehr wenig anfangen, wie man beispielsweise an der inflationären Nutzung von Google-Diensten im OSS-Bereich sehen kann.

Die Symbiose entstand vielmehr durch die Datenschutz-Bewegung und wurde von teilen der OSS-Community aufgegriffen. Im permanenten Ringen um digitale Selbstbestimmung standen Datenschutz-Experten vor der existenziellen Frage welchen technischen Systemen man vertrauen kann. In einer weitgehend immobilen Zeit waren proprietäre Software und Microsoft quasi Synonyme und der Redmonder Konzern stand für vieles, aber nicht für Transparenz und Respekt vor Nutzerdaten - ein Sachverhalt der sich zumindest für letzteres kaum geändert hat. Open Source barg hingegen das Versprechen nach totaler Transparenz in sich. Man könnte die komplette Software auf missliebige Funktionen überprüfen und ihr somit vertrauen. Umgekehrt gibt es im Umfeld des Linux-Desktops natürlich immer noch Bestrebungen der eigenen Software mehr Geltung zu verschaffen. Die Community nahm daher Datenschutz als PR-Argument unter dem Schlagwort "Privacy" auf und begann die eigenen Produkte in dieser Hinsicht zu vermarkten.

Letztlich geht es dennoch primär um Vertrauen. Die radikale Transparenz von quelloffener Software schuf eine Vertrauensbasis auf die man sich verließ. Denn es ist unrealistisch den kompletten Code wirklich selbst zu überprüfen. Doch warum fällt es scheinbar so leicht quelloffenem Code, den man selbst nicht oder nur in winzigen Teilen selbst angesehen hat, zu vertrauen, den Versprechen eines IT-Konzerns jedoch nicht? Dabei geht es nicht einmal um die Frage, ob Apple Datenschutz wirklich als Herzensanliegen betrachtet, wie dies der CEO Tim Cook in letzter Zeit vermehrt getan hat. Apple mag auch schlicht in der Auseinandersetzung mit den Konkurrenten Google, Amazon, Facebook und Microsoft erkannt haben, dass man aufgrund der hohen Einnahmen durch Hardwareverkäufe und daran gekoppelte Dienste mehr als Konkurrenz auf die Erhebung und Auswertung umfangreicher Nutzerdaten verzichten kann. Diesen Aspekt hat man nun herausgestellt und hofft (durchaus erfolgreich) damit neue Kundenschichten zu erschließen.

Umfangreiche Tests für verschiedene Bereiche wie den Kartendienst (siehe: Kartendienste unter die Lupe genommen) oder Apple Pay (siehe: Apple Pay - Gut umgesetzter Datenschutz) haben die Qualität des Datenschutzversprechens bestätigt oder einzelne Schwachstellen offen gelegt. Letzteres betraf vor allem die Kommunikationsdienste (siehe: iMessage - Sichere Kommunikation mit Schwachstellen & FaceTime - Verschlüsselte Videokommunikation im Apple Ökosystem) aber auch hier ging es nicht um Hintertüren oder gezielt geschwächter Verschlüsselung.

Natürlich gibt es auch Dienste, die man besser nicht verwenden sollte. Die Software zur Sprachinteraktion Siri ist eines dieser Angebote. In den Systemeinstellungen zur Aktivierung von Siri gibt es aber eine prominente Schaltfläche Datenschutz in der Apple in klarer Sprache auf das Datenschutz-Fiasko des Dienstes hinweist. Das ist vorbildliche Informationspolitik für den mündigen Benutzer und viel mehr als die verklausulierten Datenschutzbestimmungen konkurrierender Dienste. 

Kommentare und Forenbeiträge in denen vermeintliche "Experten" Hintertüren oder gezielte Schwächen suggerieren sind daher bislang haltlos und haben lächerlich wenig Substanz. Genau solche haltlosen Kommentare schaffen es aber das Anliegen Datenschutz zu diskreditieren und in die "Aluhut-Spinner-Ecke" zu schieben. Wer keine Beweise hat, sucht Beweise oder kennzeichnet seine Beiträge wenigstens als Hypothese.

Open Source Software ist zudem nicht per se datenschutzfreundlich. Erstens gibt es prominente Softwareprodukte mit mehr oder minder umfangreicher Erhebung von Telemetriedaten wie Firefox oder Ubuntu (siehe auch: Warum Telemetrie-Daten notwendig sind) und zweitens ist Open Source Software nur so datenschutzfreundlich, wie der Benutzer, der sie konfiguriert. Man kann einen Linux Desktop vollkommen problemlos in eine Datenschutz-Hölle verwandeln - ein Blick in die internationalen Foren zeigt zudem das genau dies viele machen. Die meisten Cloudspeicher bieten Linux-Clients an und Google ist eng mit der Open Source-Szene verzahnt (siehe: Kommentar: Linux zwischen Datenschutz und Entwicklerbequemlichkeit). Viele Lösungen verlangen zur Kommunikation mit den Entwicklern soziale Netzwerke (Google+ war lange Zeit in diesen Kreisen sehr populär) oder Dienste wie StackExchange und Medium. Zahlreiche Funktionen und Dienste lassen sich zu zudem im Open Source-Bereich nur nutzen, wenn man erhebliche Kompromisse beim Datenschutz eingeht, indem man z. B. ein normales Android mit Google Play Services nutzt oder entsprechende Dienste im Linux-Bereich einbindet.

Wirklich absurd wird es wenn man den Desktopbereich verlässt und sich den mobilen Begleitern zuwendet. Es gibt gegenwärtig nur ein nennenswertes mobiles Betriebssystem, das irgendwie mit Open Source in Verbindung gebracht werden kann: Andoid. Dabei handelt es sich ohne erhebliche Klimmzüge (Custom Rom mit zahlreichen Modifikationen und ohne Play Services / Store) um ein einziges Datenschutz-Fiasko (siehe die Serie: Android - Keine sichere Alternative!). Das betrifft ganz explizit auch die Tracker-verseuchten Apps von Drittanbietern im App Store. Hier kann man durchaus pauschal urteilen, dass iOS und die dafür verfügbaren Apps im Großen und Ganzen weniger Nutzerdaten erheben und übertragen.

Die Stärke von Open Source Software im Allgemeinen und Linux um Speziellen besteht also eher daher, dass der Anwender die Wahl hat genau dies zu vermeiden. Das betrifft sowohl den Desktop als auch - mit erheblich größerem Aufwand - die mobile Welt. Genau diese Wahl problematische Dienste nicht zu nutzen hat der Anwender jedoch auch bei Apple.

Was bleibt ist also das Vertrauen auf die Glaubwürdigkeit des offenen Codes während man den kommerziellen Interessen eines Konzerns nicht vertrauen mag. Das ist eine dünne Argumentsbasis und alles andere ist Verschwörungstheorie (sehr zu empfehlen übrigens: Verschwörungstheorien - Eine Buchempfehlung).


Bilder:
Einleitungs- und Beitragsbild von Kruegerfotografie via pixabay / Lizenz: CC0 Creative Commons

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Tags: Open Source, Datenschutz, Dienste, Apple

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    Thomas_S · Vor 23 Tagen
    "Was bleibt ist also das Vertrauen auf die Glaubwürdigkeit des offenen Codes während man den kommerziellen Interessen eines Konzerns nicht vertrauen mag. Das ist eine dünne Argumentsbasis und alles andere ist Verschwörungstheorie ."


    Man kann per se "Vertrauen" haben oder Gründe dafür. Bei den meisten Entwicklern von Open Source Software sehe ich weniger Interessen meine Daten zu sammeln und gegen meine Interessen zu verwerten als bei gewinnorientierten Großkonzernen. Apple als (auch) Hardwarehersteller mag da einen Vorteil gegenüber anderen Konzernen haben.

    Wenn man bei Microsoft und Apple erst ein Konto erstellen muss, um einen PC überhaupt "vernünftig" in Betrieb zu nehmen, flößt mir das wenig vertrauen ein.
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      Gerrit
      • Administrator
      · Vor 21 Tagen
      Genau das sehe ich anders. Apple hat wenigstens ein solides und funktionsfähiges Geschäftsmodell, das nicht auf Datensammlung beruht. Das finde ich vertrauenswürdiger als die Hoffnung auf reinen Altruismus bei OSS-Entwicklern.
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    Peter · Vor 22 Tagen
    Hallo,

    zuerst möchte ich mich für Deine informative Webseite bedanken, sie erscheint mir objektiv und nicht nur einseitig pro Open Source oder pro Proprietäre Produkte zu sein, das gefällt mir besonders.

    Aufgrund der bereitgestellten Informationen und dem Artikel "Ein Apfel in der Antarktis", bin ich neugierig geworden und auch weil ich mal ein anderes Betriebssystem kennen lernen wollte, habe ich nun einen Mac Mini gekauft. Bisher habe ich beruflich mit Windows Systemen gearbeitet und privat mit verschiedenen Linux Distributionen. Im letzten Jahr habe ich dann einen 4K Monitor angeschafft weil ich auch einmal in den Genuss von HiDpi kommen wollte. Mit einigen Einschränkungen funktioniert das auch recht gut mit Linux Distributionen, ja sogar Windows 10 kann den Desktop skalieren, aber Windows möchte ich privat eigentlich nicht verwenden.

    Aus diesem Grund habe ich jetzt den aktuellen Mac Mini angeschafft, mit der Erwartung, das dieses System HiDpi perfekt umsetzten kann, da der Hersteller schon seit langen dafür bekannt ist. Auch hatte ich die Hoffnung das die Applikationen besser bedienbar und hohe Qualität haben.

    Nachdem ich jetzt seit ein paar Tagen mit dem System arbeite stelle ich jedoch fest dass das Benutzererlebnis nicht meine Erwartungen erfüllt. Seltsamerweise ist die Bildqualität nicht so gut wie unter Linux oder Windows, die Fonts sind unter Linux am "schärfsten" dargestellt, im Netzt habe ich einen Kommandozeilen Befehl gefunden, mit dem ich das für den Mac verbessern konnte, aber trotzdem ist die Schriftdarstellung nicht mit der unter Linux (Gnome Desktop) vergleichbar.
    Des Weiteren stören mich die unterschiedlichen Tastaturkurzbefehle, wenn ich von Windows zu Linux wechsle was ich aus beruflichen Gründen täglich tun muss, ist die Umstellung nicht allzu groß und ich merke es fast gar nicht. Was auch gewöhnungsbedürftig ist, ist die Menüleiste die bei einem Mac immer am oberen Bildschirmrand angezeigt wird, ich habe einen 28" Monitor und da muss man schon weite Strecken zurück legen.

    Zur Qualität der Software wie Bildbearbeitung oder Office kann ich noch nicht viel sagen, da ich bisher zu wenig Erfahrungen gesammelt habe, ich denke das z.B. Pages, für meine Bedürfnisse ausreichend sein wird.

    Was ich auch nicht gedacht hätte, irgendwie habe ich doch ein ungutes Gefühl dieses System zu nutzen, im Laufe der Jahre hat sich bei mir die übermäßig positive Wertschätzung von Open Source wohl sehr stark eingeprägt, was aber auch daran liegt das ich in der Vergangenheit häufig der Meinung von Experten auf diesem Gebiet gefolgt bin, in der Einleitung zu Deinem Artikel "Sicherheit und Datenschutz - Expertendiskurse und die Gesellschaft" finde ich genau diese "Experten Meinung" recht gut beschrieben.

    Bitte verstehe meinen Kommentar nicht als Kritik an Deinen Artikeln, sondern einfach als eine Rückmeldung eines Leser, der seine Erfahrungen zurück melden möchte.
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      Gerrit
      • Administrator
      · Vor 21 Tagen
      "Seltsamerweise ist die Bildqualität nicht so gut wie unter Linux oder Windows, die Fonts sind unter Linux am "schärfsten" dargestellt"
      Nach vielen leidigen Diskussionen habe ich leider festgestellt, dass es wenig Sinn macht über Schriftdarstellung zu diskutieren, da dies höchst subjektiv ist.

      Ansonsten ist das Benutzererlebnis natürlich auch viel Gewöhnungssache. Anfangs kommt einem bei macOS viel fremd vor und man fühlt sich unsicher. Irgendwann gehen einem die Shortcuts etc. in Fleisch und Blut über.

      Mit dem täglichen Wechsel zu Windows (auf der Arbeit) habe ich allerdings keine Probleme.
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    Peter · Vor 19 Tagen
    Hallo,

    aktuell läuft der Chaos Communication Congress in Leipzig. Als ich mir den Jahresrückblick angeschaut habe, ist mir aufgefallen, das von den 5 Sprechern einige Apple Notebooks verwenden. Ob auf diesen Geräten Mac Os verwendet wurde konnte man allerdings nicht sehen. Mir stellt sich nun die Frage, wie diese Sprecher, welche alle als Experten auf ihrem Gebiet gelten, solche Produkte verwenden, da diese doch in der Regel dazu auffordern Open Source zu verwenden? In anderen Sendungen wie z.B. dem Chaos Radio, in denen eben genau die gleichen Sprecher auftreten, wird von diesen vor der Verwendung von Apple Produkten gewarnt oder der angesprochene Konzern wird eher negativ bewertet.

    Ist das nicht wie in der Redewendung "Wasser predigen und Wein trinken" irgendwie ein seltsames Verhalten?
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