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SUSE Linux Enterprise Desktop 15 im Test

Der SUSE Linux Enterprise Desktop (SLED) ist die Enterprise-Distribution der traditionsreichen Firma SUSE aus Nürnberg. Im Gegensatz zu RHEL gibt es aber keinen Community-Klon und somit auch keine kostenfreie Version. Die Distribution eignet sich deshalb primär für den professionellen Unternehmenseinsatz, kann aber auch von Privatkunden genutzt werden.

Die Version 15 von SLED erschien bereits vor circa einem Jahr als Teil der jüngsten Version der Enterprise-Familie von SUSE. Die angekündigte Supportdauer liegt bei 10 Jahren, weshalb der Anwender theoretisch bis 2028 lediglich Minor-Updates auf die kommenden Service Packs vollziehen muss. Das Produkt richtet sich vor allem an Unternehmenskunden, kann aber auch von Privatanwendern lizensiert werden. Ohne Supportpaket, d. h. lediglich mit den technischen Updates aber ohne Hilfe und Beratung, kostet das ganze 42€ pro Jahr oder 113€ für 3 Jahre. So mancher an die Kostenlos-Kultur gewöhnte Linux-Anwender mag da aufstöhnen, aber für diesen Preis bekommt man 10 Jahre Support für den Desktop und eine grundsolide Distribution. Wer es preiswerter mag kann sich den Community-Ableger openSUSE Leap ansehen, der sich mit SLED die Basis teilt (siehe: openSUSE Leap).

Installation

Bei Interesse an SLED kann man eine 60-Tage Testversion bei SUSE beziehen. Man erhält dann einen Registrierungscode mittels dessen man bei der Installation die Paketquellen freischalten kann. Ansonsten ähnelt die Installation weitgehend openSUSE, lediglich der dunkle Farbton erinnert daran, dass man SLED installiert. Als einziger Desktop steht GNOME zur Auswahl, bei dem man die Wayland oder X11 Variante nehmen kann. Was hier sinnvoll ist hängt ganz von der eigenen Hardware ab. Minimalisten können zudem noch auf IceWM zurückgreifen.

Das Betriebssystem schlägt bei der Partionierung Btrfs für die System-Partition und XFS für Home- bzw. Datenpartitionen vor. Hier geht SUSE einen Sonderweg, der aber bei openSUSE bereits seit Jahren gut funktioniert und vor allem durch automatische Snapshots überzeugt.

Modul-System

Im Unterschied zu openSUSE bindet SLED so genannte Module ein. Dies ermöglicht die selektive Aktualisierung von einzelnen Softwaregruppen und findet sich analog auch bei der jüngsten Veröffentlichung von RHEL. Über das Modulsystem ist auch der PackageHub von openSUSE verfügbar, über den die Community via OBS zahlreiche Pakete zur Verfügung stellt, die normalerweise nicht in SLED enthalten sind. Für diese gibt es dann zwar keinen Enterprise-Support, aber oftmals ist die Verwendung dieser Pakete auf dem Desktop ohne Alternative.

Basissystem

SLED verwendet einen stark modifizierten Kernel 4.12, was sich über die Produktlaufzeit auch nicht mehr ändern wird. Dieser ist im November 2017 erschienen und damit natürlich schon etwas älter, was aber bei Enterprise-Distributionen üblich ist. Dies ergänzen an der Basis GCC 7.4, Mesa 18.02, Cups 2.2.7 und systemd 234.

Die Systemverwaltung erfolgt wie üblich via YaST und en zugehörigen Modulen.

Desktop

Der einzige unterstützte Desktop ist die GNOME Shell und die zugehörigen Programme. Man verwendet hier die Version 3.26, die - ähnlich wie der Kernel - aus dem Herbst 2017 stammt. Ähnlich wie bei openSUSE hat man der GNOME-Umgebung ein einheitliches Design im SUSE-Stil verpasst, das subjektiv einigermaßen gelungen ist. Im Gegensatz zu früheren Versionen bzw. anderen Enterprise-Distributionen verzichtet man auf den Einsatz von Shell-Addons um der Shell ein klassisches Aussehen zu verpassen.

Programmauswahl

SUSE installiert bei einer Standardinstallation eine gute Komposition von Standardprogrammen. Neben LibreOffice in Version 6.1.5 und Firefox in der aktuellen ESR Version stammen die meisten Programme aus dem GNOME-Projekt. Brasero, Cheese, Evolution, Fotos etc. pp. Hinzu kommen andere Programme, die das GTK Toolkit nutzen wie z. B. GIMP, Pidgin & Co.

Die Verfügbarkeit von Flatpak in den Paketquellen erweitert zudem die Möglichkeit Desktop-Applicationen außerhalb der Paketquellen zu installieren.

Zusammengefasst

Wer braucht SUSE Linux Enterprise auf dem Desktop? Diese Frage stellt man sich immer wieder bei so einem Test. Neben Unternehmenskunden dürften das vor allem Anwender sein, die extrem lange Ruhe im System haben wollen und mit dem RHEL-Klon CentOS nichts anfangen können. Andere Distributionen mit 10 Jahren Support gibt es nämlich nicht. Alle anderen Anwender können auch zu openSUSE Leap greifen und müssen nach ca. 3 Jahren ein Distributions-Upgrade machen.

Ähnlich wie RHEL/CentOS muss man bei SLED mit GNOME zu Recht kommen, da alternative Desktopumgebungen nicht angeboten werden. Ein Umstand, der angesichts der erratischen KDE-Entwicklung aber nachvollziehbar ist.

Wer also in der SUSE-Welt heimisch ist und GNOME schätzt, bekommt für knapp 50€ im Jahr ein grundsolides System, das einen in Ruhe arbeiten lässt.

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Tags: Linux, SUSE, Desktop, SLE, SLED, SUSE Linux Enterprise

Ergänzungen zum Artikel

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